Auf dem Weg zur Gesamtschule?

Coesfeld (hlm). In absoluten Zahlen dargestellt, würden Eltern von 95 Schülern aus der vierten Klasse ihr Kind an einer Gesamtschule in Coesfeld anmelden, glaubt man deren Wunsch. Das stellte Hubertus Schober den Mitgliedern des Ausschusses Kultur, Schule und Sport auf der fünften Sitzung am 21.04.15 vor. „Das ist knapp unter der Grenze von 100 Schülern, die eine Gesamtschule haben müsste“, bilanziert der Fachmann und setzt nach: „Das ist eine bildungspolitische Entscheidung, die gefällt werden muss.“ Er gibt zu bedenken, der Wunsch sei zwar da, ob die Kinder aber wirklich angemeldet werden, sei mit einer Wahl an den Urnen vergleichbar. Zumal die Eltern aus der vierten Klasse längst ihre Kinder an der weiterführenden Schule angemeldet haben. Es ist eben Elternwunsch, den Coesfeld nicht erfüllen kann. Die Väter und Mütter greifen kaum auf das Angebot außerhalb von Coesfeld zurück. Denn die Entfernung ist ein wesentliches Entscheidungskriterium bei der Schulwahl. Die Zukunft für eine Sekundarschule in Coesfeld sieht aus den Augen des Beraters noch düsterer aus. Nur 55 Schüler würden nach dem Willen der Eltern eine solche Schule besuchen. Für eine Genehmigung bei der Bezirksregierung nicht ausreichend.

Der Mann von der Projektgruppe Bildung und Region hat im Auftrage der Stadt Coesfelds Eltern, deren Kinder die erste bis siebte Klasse besuchen, zu Wünschen bei der Schulentwicklung befragt. Eine Diskussion ist an diesem Abend nicht zu erwarten. Es ist ein umfassendes Zahlenwerk, dass Schober präsentiert. Bisweilen in etwas verwirrendem Sprachstil und etwas unkoordiniert wirkend. Hier und da rieben sich die Ausschussmitglieder die Augen.

Wohin geht es mit den Schulen in Coesfeld?

Wohin geht es mit den Schulen in Coesfeld? Foto hlm

Die Beteiligung der Eltern war ausgesprochen gut. Der Rücklauf lag bei 83 Prozent. „Das ist wirklich schon Top“, kommentiert Schober. Es sind weitestgehend  repräsentative Ergebnisse, auf die sich die Stadt stützen kann.

Überrascht zeigte sich der Bildungsfachmann von der großen Übergangsquote zur Hauptschule. Mit zehn Prozent gleich sechs Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. Trotzdem sinkt die Akzeptanz zu dieser Schulform, wie er mit Säulendiagrammen belegen kann. Denn bei der Frage nach der Wunschschule wollen nur noch fünf Prozent ihr Kind zur Hauptschule schicken. Da gerät die Zukunft der Kreuzschule ins Wanken. Sie ist die einzige Hauptschule, die in Coesfeld noch Schüler aufnimmt. In den kommenden Jahren rechnet Schober mit einer Schülerzahl von 320, die insgesamt an die Schulen wechseln. Diese Zahl als Basis genommen machen die fünf Prozent absolut 16 Schüler aus. Zur Bestandssicherung reicht das langfristig nicht. Denn es muss eine Klassengröße mit 18 Kindern gesichert sein.

Schober wirft einen Blick auf das Angebot der Ganztagsschulen: „Erlauben sie mir als Außenstehender zu sagen: Coesfelder beweist sich als bodenständig.“ Ein Drittel der Eltern befürwortet den Ganztag. Der Landestrend spricht eine andere Sprache. Da ist die Ganztagsschule ein gefragtes Modell. Aber das Angebot von Nepomucenum und der Theodor-Heuss-Realschule bekommt von den Eltern eine hohe Zustimmung.

Ein Punkt greift Hubertus Schober zum Schluss heraus – die Inklusion. Bei den Grundschuleltern ist mit fast 60 Prozent eine klare Akzeptanz da. Das setzt sich bei der Haupt- und Realschule fort. Kaum Unterstützung findet sich hingegen bei den Gymnasien, glaubt man der Elternmeinung.

  1 comment for “Auf dem Weg zur Gesamtschule?

  1. Thomas
    23. Mai 2016 at 10:53

    Es wäre hinsichtlich der Kosten und Schülerzahlen doch schon mal ein Anfang, dass Heriburg im Nepomucenum aufgehen zu lassen – oder ?

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