Bahnhof Coesfeld verbindet Kulturen

BahnLandLust über die Grenzen

Freudenstimmung im Zug. Nur noch wenige Minuten, dann sind die Schüler aus Enschede mit dem „Coesfelder“ in der Partnerstadt Reken angekommen. (Foto hlm)

Coesfeld/Reken/Enschede, 28.05.16 (hlm). Coesfelder Bahnhof, Gleis 4. Hektisch steigt eine Gruppe von Schülern aus dem Zug. Sie kommen gerade aus Enschede. Etwas unsicher blickt Lehrer Lucas ten Napel auf den gegenüber wartenden Zug. Er ist der Richtige. Die Regionalbahn R45 Richtung Dorsten. Nur wenige Minuten bleiben für den Umstieg. Hinein in den Zug und Sitzplätze suchen. Die Türen schließen sich. Noch knapp zwanzig Minuten, dann haben die 32 Schüler und Lehrer das Reiseziel erreicht: Reken.

Seit zehn Jahren besteht eine innige Beziehung zwischen dem Panta Rhei College Enschede und Reken. Durch ein EUREGIO-Projekt unterstützt, besuchen sich Schüler jedes Jahr gegenseitig. Diesmal ist es was besonders. „Wir fahren zum ersten Mal mit dem Zug“, begeistert sich ten Napel. Er blickt aus dem Fenster und schwärmt von der münsterländischen Parklandschaft. Nicht weit von ihm entfernt sitzt der Schüler Hugo. Der Dreizehnjährige freut sich auf die Begegnung mit Gleichaltrigen aus dem Nachbarland: „Vor allem wegen der Sprache.“ Die aufkommende Nervosität lenkt er mit Fingertippen am Smartphone ab.

Herzlich begrüßt Erika Reichert-Maya den Enscheder Lehrer Lucas ten Napel. Seit zehn Jahren organisieren die Beiden das Schülertreffen, unterstützt von der EUREGIO. (Foto hlm)

Der Zug rollt in Reken ein. Auf dem Bahnsteig stehen Schüler der Sekundarschule Hohe Mark mit Begrüßungsplakaten. Mitten in der Gruppe sticht Erika Reichert-Maya hervor. Freudige Umarmung zwischen ihr und ten Napel. Gemeinsam organisieren sie die jährlichen Schülertreffen. Das Programm zur Begegnung ist straff. Es bleibt ein wenig Zeit für den Besucher in der Aula der Schule. Erste Kontakte werden geknüpft. Wechselnde Wortfetzen zwischen Niederländisch und Deutsch sind zu hören. Bei einem Rundgang staunen die Niederländer über die große Küche, die täglich warmes Essen produziert. Einen langen Schultag bis in den Nachmittag kennen die Enscheder. Für die Mittagspause bringen sie Brote von zu Hause mit. Warmes Essen gibt es in den Familien abends. Heute gibt es für die Reisegruppe mittags in der Gaststätte am Rekener Bahnhof was auf den Tisch, bevor es zum nächsten Ausflugsziel geht: Mit dem Bus zum renovierten und künstlerisch aufgewerteten Wärterposten in Klein Reken. Nur unweit davon entsteht im Zuge des Regionale 2016 Projektes BahnLandLust demnächst ein neuer Haltepunkt.

Die Zeit drängt. Die Niederländer müssen zurück zum Bahnhof. Der Schüler Hugo lässt den Ausflug Revue passieren: „Leider bin ich nur kurz mit Deutschen in Kontakt gekommen“. Die Entfernung spielt dabei nicht die große Rolle. „Die Bahnlinie schafft eine kulturelle und touristische Verbindungsachse, bei der Coesfeld der Knotenpunkt zwischen dem Ruhrgebiet und der niederländischen Provinz Overijssel ist“, so Holger Ludorf, Planer bei der Stadt Coesfeld. Der Verkehrsexperte zeichnet mit anderen Kollegen aus den vernetzten Kommunen Reken und Dorsten maßgeblich das Projekt BahnLandLust der Regionalen 2016 mit. Die Coesfelder haben mit dem Ausbau des Bahnhofes davon profitiert. BahnLandLust will mehr, nicht nur Bahnhöfe und Bahnstrecke aufpeppen. Es hat die durchgängige Anbindung ins Ruhrgebietes zum Ziel und will in Sachen Mobilität Lösungen zur Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel anbieten.

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