Klare Mehrheit für die Planung „Urbane Berkel“

Heftige Verbalattacken  im Ausschuss Umwelt, Planen und Bauen

Coesfeld, 23.09.15 (hlm). Auf der Besuchertribüne im Rathaus tuschelten rund zwanzig Zuhörer und folgten nach Beginn der Ausschusssitzung Umwelt Planen und Bauen aufmerksam dem Vortrag von Matthias Franke, Landschaftsarchitekt bei Seebauer, Wefers und Partner. Er warf Bilder des aktuellen Planungsstandes zum Schlosspark und Wiemannweg an die Leinwand. Klare Zielsetzung: Gestaltungsbeirat, Verwaltung und Planung wollen an dem bestehenden Vorhaben zur Umgestaltung im Rahmen des Projektes BerkelSTADT festhalten. Klare Trennung: (1) Die drei Eiben und die Magnolie sollen für den Zugang zur Berkel weichen. Der bei den Coesfeldern beliebte Trompetenbaum soll erhalten bleiben. Damit verbunden ist die Verschiebung der Westbrücke nach Norden sowie eine kleine Änderung des Böschungsaufbaus. (2) Alle weiteren Bäume, die nach dem Baumgutachten langfristig keine Bestandsperspektive haben, sollen gegen andere Baumarten ausgetauscht werden. Nicht sofort – sondern einer Baumentwicklungsplanung folgend. Franke macht deutlich, dass es bei der Fällung von Bäumen auch um die Förderung des Wachstums anderer, bestehender Exemplare, geht. Zu eng Stehende konkurrieren um den Faktor Licht und richten ihr Wachstum danach aus.

71 74 Bürgeranträge liegen der Stadtverwaltung vor – deutliche Proteststimmen von Bürger, die der Planung so nicht folgen. Sie fordern hauptsächlich den Erhalt des bestehenden Baumbestands. An einem runden Tisch im Rathaus wurden in den vergangenen Tagen mit der Aktionsgruppe Baumfreunde die Positionen ohne Konsens sachlich dargelegt. Stadtbeigeordneter Thomas Backes spricht von einer differenzierten Position bei der grundsätzlichen Fragestellung bei der Planung.

Emotionsgeladen reagiert die Grüne Charlotte Ahrendt-Prinz. Sie bezichtigt Backes der Lüge. Er habe immer gesagt, der Baumbestand folge der Planung. Weiterhin mäkelt sie die mangelhafte Bürgerbeteiligung und die Intransparenz an, da die Auswirkungen der Planung auf die Grünstruktur nicht öffentlich kommuniziert wurden. Die Grüne befürchtet bei einem Kahlschlag negative Auswirkungen auf das innerstädtische Klima.

"Wie haben als Grüne die Auswirkung zu spät gesehen."
Charlotte Arendt-Prinz

Applaus von den Zuhörern, Kopfschütteln bei einigen Ratsmitgliedern. Thomas Stallmeyer (SPD) teilt Richtung Ahrendt-Prinz aus: „Von Lüge würde ich nicht sprechen – eher von nicht verstanden.“ Er habe keine offenen Fragen gehabt. Die Planung war für ihn klar und deutlich. Auch Gerrit Tranel (CDU) warnt davor nicht im Istzustand zu verharren und stößt sich an dem Begriff „Kahlschlag“: „Das suggeriert keine Neuanpflanzung, die aber geplant ist.“

Für Wolfgang Kraska (FDP) gleitet der ursprüngliche Gedanke, die Berkel erlebbar zu machen, ab. Für ihn hat die Innenstadt am Wiemannweg den Charakter einer NaturBerkel in der Stadt. „Hier wird mehr zugemauert, als erlebbar gemacht“, kritisiert er die Verbreiterung des Wiemannwegs zu einem Rad- und Fußweg.

Hermann-Josef Peters (Pro Coesfeld) sieht keine mangelhafte Beteiligung: „Es war das größte und beste getimte Projekt“. Er schlägt für die Abstimmung eine geänderte Beschlussfassung vor. Darüber müssen die Ausschussmitglieder nochmals beraten. Fünf Minuten Pause. Mehrheitliche Entscheidung in fünf Punkten:

  1. Bäume sollen nicht einfach gefällt werden. Die Verwaltung soll den Erhalt der Bäume im Schlosspark nochmals prüfen und nochmals zur Freigabe vorzulegen.
  2. Eine Alternative einer geschlossenen Allee in der Bernhard-von-Galen-Straße entwickeln und dabei den Erhalt einzelner Bäume berücksichtigen.
  3. Die Planung am Wiemannweg weiter verfolgen
  4. Die Mauer am Schlosspark entfernen.
  5. Damit geht der Rat auf die Anregungen und Kritiken aus den Bürgeranträgen zu, hält aber prinzipiell an der Planung „Urbane Berkel“ fest.

Damit schiebt der Ausschuss die Einwände und Kritiken aus den Bürgeranträgen nicht vom Tisch, sondern versucht sie zu berücksichtigen.

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