Bäume weg – neues Grün hin

Ausschuss im Rat stimmt für die Gestaltungspläne zur UrbanenBerkel im Rahmen von BerkelStadt

Coesfeld, 28.10.15 (hlm) Bei zwei Gegenstimmen schickt der Ausschuss Umwelt, Planen und Bauen (UPB) die Gestaltungsvorschläge zum Umbau des Schlossparkes, Bernhard-von-Galen-Straße und Wiemannweg in die nächste Entscheidungsinstanz. Gut vier Wochen ist es her, da gab der Ausschuss dem Planungsbüro Seebauer, Wevers und Partner (SWuP) die Zusatzhausaufgabe für das Regionaleprojekt BerkelSTADT auf. Der Protest von Bürgern, die sich für den Erhalt der Bäume im Schlosspark, Bernhard-von-Galen-Straße und Wiemannweg starkmachten, zeigte Wirkung. Im mehrheitlich gefassten Beschluss vom 23.09.15 steht auszugsweise:

Coesfelder Baumfreunde wünschen den Erhalt des Baumbestandes und sammelten während der Wahlkampfphase für die Bürgermeisterwahl im August / September Unterschriften. (Foto hlm)

Die Verwaltung wird beauftragt,
(1) unter Berücksichtigung und ggf. Überarbeitung baumfachlicher Gutachten eine Entwurfsüberarbeitung des Schlossparks mit dem Erhalt der Bäume über den Beschlussstand 25.06.2015 hinaus zu prüfen. Sollten Bäume gefällt werden müssen, ist zumindest ein ökologisch gleichwertiger, aber wünschenswert höherwertiger Ersatz erforderlich. […]
(2) für den Abschnitt Bernhard-von-Galen-Straße im aktuell bestehenden Entwurf Beschlussstand 25.06.2015 die Alternative einer geschlossenen Allee aufzuzeigen, die statt der kunstvoll beschnittenen Bäume mehr neue Baumstandorte im Alleecharakter aufzeigt und baumgutachterlich erhaltenswerte Bäume im Einmündungsbereich Münsterstraße berücksichtigt. […]
(3) für den Abschnitt Wiemannweg den aktuell bestehenden Entwurf Beschlussstand 25.06.2015 weiterzuverfolgen, jedoch mit Überarbeitung des Aufenthaltsbereiches. […]
(4) die Mauer einschließlich der schmiedeeisernen Gitter zu erhalten, um die nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte Änderung dieses Bereiches mit der Tordurchfahrt auch im Stadtgrundriss ablesbar zu machen.

SWuP-Landschaftsplaner Dipl.-Ing. Matthias Franke entkräftet zunächst den medial aufgegriffenen Begriff „Kahlschlag“: Insgesamt werden laut Planung 30 Bäume entfernt und 50 neu gepflanzt. Durch die Verlegung des Berkelverlauf im Schlosspark kann der Trompetenbaum erhalten bleiben und wird optisch besser in Szene gesetzt. Bleiben können aber nicht die drei Eiben. Sie müssen dem Erhalt des Trompetenbaums weichen, da Uferbegradigungen erforderlich sind. In der Bernhard-von-Galen-Straße schaffen lichter Baumarten den gewünschten Alleecharakter. Platz für die jetzt dort stehenden Linden ist nicht mehr. Sie sind nicht entwicklungsfähig oder bereits erkrankt. Welche Baumarten alternativ dazu zukünftig Schatten spenden, wird in einer eigenen Sitzung erörtert. FDP-Mann Wolfgang Kraska wirft den Begriff Shared Space Zonen in die Diskussion. Verkehrsbereich, in denen alle Teilnehmer gleichberechtigt behandelt werden und ein Fußgänger gleiche Vorfahrtsrechte, wie der Autofahrer hat. Nach Franke sind diese Zonen in Deutschland nicht genehmigungsfähig. Wohl aber eine Tempo-30-Zone im Bereich der Münsterstraße. Damit wird sich der Einmündungsbereich zur Bernhard-von-Galen-Straße ändern. Raunen im Saal. Kraska: „Das ging doch angeblich nicht.“

Kleinerer Aufenthaltsbereich am Wiemannweg, zwischen Münsterstraße und Katthagen. (Foto SWup 2015).

Kleinerer Aufenthaltsbereich am Wiemannweg, zwischen Münsterstraße und Katthagen. (Foto SWup 2015).

Den vormals großen Aufenthaltsbereich am Wiemannweg radierten die Stadtplaner aus dem Plan und skizzieren dafür eine verkleinerte Fläche. Eigentlich sollte dieser auf den ursprünglichen Verlauf der Berkel hindeuten. Jetzt soll dort eine Winterlinde Lebensraum finden. Der Baum des Jahres 2016 – passend zum Regionaleprojekt 2016.

Für die Mauer im Schlosspark sieht Franke keine Zukunft. Der Stadtplaner greift für seine Begründung weit in die Geschichte zurück. 1826 gab es dort keine Einfriedung – wie altes Kartenmaterial beweist. Auf Karten von 1976 ist die Abriegelung der gesamten Parkes vor der Öffentlichkeit sichtbar. Die jetzigen Mauerreste an der Bernhard-von-Galen-Straße sind fragmentarische Relikte. Franke empfiehlt, bei der ursprünglichen Planung zu bleiben und die Mauer zu entfernen. Es sei für ihn als Planer schwierig, diese Überbleibsel in das Planungskonzept zu integrieren. An die Zeiten der geschlossenen Einfriedung kann sich Thomas Stallmeyer (SPD) gut erinnern und kommentiert: „Schmeißen wir sie um, dann ist der Park offen, wie er sein sollte.“

„Das Ding auf den Weg bringen“, ist die Stimmung im Ausschuss. Gegenstimmen kommen von Dieter Goerke (Aktiv für Coesfeld): „Erst sollen vier Bäume weg und dann folgen nach und nach die anderen.“ Das sei Verschleierung und er werde dem Beschluss nicht zustimmen. Allein steht er nicht. Walter Böcker (Bündnis 90 / Die Grünen) springt im bei. Für ihn ändert sich mit dem „Kahlschlag“ das Straßenbild für 30 bis 40 Jahre. Auch befürchtet er, das der Eventbereich (Bühne in der Berkel des Schlossparks) verkommen wird. „Das Konzept spricht nicht für die Mehrheit der Bürger“, resümiert er.

Bei der Abstimmung reichen die Gegenstimmen nicht aus. Der Beschlussvorschlag wird mit großer Mehrheit angenommen:

1. Der Ausschuss nimmt die auf Grundlage zum Beschluss vom 23.09.15 überarbeiteten Pläne zu den Teilbereichen Schlosspark, Bernhard-von-Galen-Straße und Wiemannweg sowie zur Mauer Schlosspark/Bernhard-von-Galen-Straße zur Kenntnis.
2. Die überarbeiteten Pläne zu den Teilbereichen Schlosspark und Wiemannweg werden zum Städtebauförderantrag 2015 an die Bezirksregierung Münster nachgereicht.
3. Der vorgestellte Planung B-v-Galen-Straße soll für weitere planerische Betrachtung zur Umgestaltung des Einmündungsbereiches mit der Münsterstraße als Grundlage genommen werden.

  1 comment for “Bäume weg – neues Grün hin

  1. 31. Oktober 2015 at 13:40

    Falls sich einer wundert, warum es nur zwei Gegenstimmen gegeben hat: Leider musste ich aufgrund eines dringenden dienstlichen Termins vor der Abstimmung die Sitzung verlassen, ansonsten gäbe es auch meine „offizielle“ Gegenstimme.

    Was mich (und uns als FDP) irritiert, sind die Unsummen an Geld, die für dieses fragwürdige Projekt ausgegeben werden soll. Mal schauen, wie hoch die städtischen Defizite der Zukunft ausfallen werden …

    Zur Frage „Tempo 30“ in der Münsterstraße: Vor Jahren hatte die FDP beantragt, die Münsterstraße und die beiden Viehstraßen komplett in eine Tempo-30-Regelung aufzunehmen. Schon die Verwaltung schmetterte diesen Vorstoß ab, denn angeblich ginge es überhaupt nicht – aufgrund der hohen Zahl an Fahrzeugen, die durch diese Straßen fahren, wodurch es (angeblich) verkehrsrechtlich nicht möglich wär, die Straßen in eine entsprechende Zone einzubeziehen.

    Was lernen wir darauf? Dass nichts geht, wenn die Verwaltungsspitze nicht will? Und das alles möglich ist, wenn die Verwaltungsspitze nur will?

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