Speed-Dating auf Augenhöhe

Berufsorientierung am St.-Pius-Gymnasium

• Erstmals beim Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ dabei
• 20 Unternehmen stellen Ausbildungsberufe vor
• Positive Rückmeldung von Schülerinnen und Schüler

Berufsorientierung für Schüler am St.-Pius-Gymnasium

Die Achtklässler Sandra, Mariel, Steve und Kevin informieren sich beim Speed-Dating am St.-Pius- Gymnasium über die Ausbildung zum Architekten (Foto hlm).

 

Coesfeld, 19.02.16 (hlm). „Achte Klasse und dann schon Berufsberatung: viel zu früh!“ So kursiert eine pessimistische Meinung. Doch das erste Speed-Dating am St.-Pius-Gymnasium, auf dem 20 Unternehmen mit Schülern* ins Gespräch kamen, gab einen anderen Eindruck.

Vier Berufe konnte sich jeder Schüler im Vorfeld auswählen. Johann Hagedorn und Hannes Sieverding nutzen das, um in Architektur und Informationstechnik „mal reinzuhören“. Genaue Berufsperspektiven haben die beiden Achtklässler noch nicht. Das ist auch nicht das Ziel des Speed-Datings. Es ist ein Bestandteil des Programms „Kein Abschluss ohne Anschluss„(KAoA) der Landesregierung. In einem mehrstufigen System, das vom Erkennen der individuellen Stärken und Schwächen, bis hin zu einem mehrwöchigen Praktikum reicht, werden Schülern bis zur zehnten Klasse Berufsmöglichkeiten offen gelegt. Mit Beginn des kommenden Schuljahres (2015/2016) wird das Angebot zur Berufs- und Studienorientierung bindend für alle weiterführenden Schulen in Nordrhein Westfalen. Ob die Teilnahme an den Veranstaltungen für die Schüler verpflichtend ist, konnte eine Anfrage der Coesfelder Nachrichten beim Schulministerium von NRW noch nicht eindeutig beantwortet werden. Eine Stellungnahme der dortigen Pressestelle ist zugesichert. Das St.-Pius-Gymnasium, in kirchlicher Trägerschaft, hat mit dem Schuljahr 2015/2016 KAoA freiwillig in den Lehrplan aufgenommen. In Coesfelds Haupt- und Realschulen sowie den städtischen Gymnasien ist es ebenfalls fester Bestandteil. Teilweise, wie am Beispiel der Freiherr-vom-Stein-Realschule, schon seit einigen Jahren. Der dort zuständige Koordinator, Thomas Schräder, zieht eine positive Bilanz: „In der achten Klasse zu beginnen, ist zwar früh. Aber es geht in erster Linie um die Orientierung.“ Ähnlich argumentiert der Schulleiter des St.-Pius-Gymnasiums. Dr. Norbert Just wirft den Blick weiter nach vorne. Für ihn geht es langfristig um die Bindung junger Menschen an den Standort Coesfeld. Gerade für Nachwuchskräfte, die ein Studium anstreben, klafft eine lokale Lücke in den Bildungsangeboten vor Ort. Doch die Attraktivität der Unternehmen kann sich nachhaltig in die Köpfe einpflanzen. Auch das wurde bei dem Speed Dating deutlich: Hinter verschiedenen Berufsbezeichnungen der teilnehmenden Unternehmen verbergen sich Reihen attraktiver Perspektiven, mit speziellen Anforderungen und Herausforderungen. Die Auswahl der Berufe kommt nicht aus der Zufallskiste. Im Vorfeld wurde das Interesse bei den Schülern abgeklopft. Kleine Trends ließen sich ausmachen. Viele Schüler sitzen bei Andrea Hülshegen. Die 25-jährige Architektin, die bei einem münsterländischen Architekturbüro angestellt ist, berichtet von Kompetenzen und Studienbedingungen. „Warum muss man den so viel mit der Hand zeichnen“, ist die Frage eines Schülers. Ein anderer findet es spannend etwas über die Entstehungsgeschichte von Gebäuden zu erfahren, die man täglich sieht. Direkt schräg gegenüber im Klassenraum stellen sich Michelle Engel mit ihrer Kollegin der Neugierde der Schüler. „Die sind mit einer anderen Erwartung hier hingekommen“, resümiert die Rechtsanwaltsgehilfen das Speed Dating. Die Achtklässler wollten mehr über Jura wissen. Dennoch konnte der Beruf als Alternative zum Studium aufgezeigt werden.

Am Ende des ersten Speed Datings stehen Schüler in kleinen Gruppen auf dem Flur, diskutieren miteinander und tauschen sich aus. „Klingt gut“ oder „Das habe ich mir anders vorgestellt“ ist herauszuhören. Ein Ziel hat die Veranstaltung auf jeden Fall schon erreicht: Die Jugendlichen denken über ihre berufliche Zukunft nach.

 

* Die Verwendung des Begriffs „Schüler“ ist in diesem Beitrag Geschlechtsneutral zu verstehen und schließt Schülerinnen und Schüler ein.

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