Die große Vielfalt ist Coesfelds Stärke

Interview mit dem amtierende Bürgermeister Heinz Öhmann zur Bürgermeisterwahl am 13. September

Gut Lachen hatte Heinz Öhmann bei seiner einstimmigen Nominierung als Bürgermeisterkandidat auf der CDU-Veranstaltung im Mai.

Gut Lachen hatte Heinz Öhmann bei seiner einstimmigen Nominierung als Bürgermeisterkandidat auf der CDU-Veranstaltung im Mai. (Foto hlm)

Coesfeld, 11.08.15 (hlm). Noch fünf Sonntage, dann schreiten die Coesfelder zur Wahlurne und stimmen über einen neuen Bürgermeister ab. Die Zeit werden Kandidaten Rainer Lagemann und amtierender Bürgermeister Heinz Öhmann ergiebig nutzen, um sich zu positionieren. In einem Tischgespräch hat sich Rainer Lagemann den Fragen der Coesfelder Nachrichten (CN) gestellt. Mit welchen Argumenten will der gebürtige Wettringer Heinz Öhmann überzeugen? Die CN stellten dem Kandidaten dazu 13 Fragen, die in einem zweiteiligen Interview exklusiv für die Leser hier veröffentlicht werden. Öhmann ist seit über 20 Jahren kommunalpolitisch aktiv und führt Coesfeld in der zweiten Amtsperiode. Er will auch die Dritte nutzen, um die Zukunftsbahn für Coesfeld auf den gestellten Weichen zu lenken. Bei seiner einstimmigen Nominierung auf der CDU-Veranstaltung Ende Mai betonte der 59-jährige: „Ich fühle mich noch nicht so alt, um aufzuhören.“

Welche Faktoren bestimmen Ihrer Meinung nach die Position Coesfelds im regionalen und überregionalen Wettbewerb?

Öhmann: Die aktuell hervorragende Position der Stadt Coesfeld im Städtewettbewerb wird geprägt nicht nur durch eine attraktive und angebotsstarke Innenstadt sondern auch durch umfangreiche Angebote im Bildungs- und Kultursektor, im medizinischen Bereich (Ärztezentren mit Allgemeinmedizinern und Fachärzten, verschiedenste Gesundheitsdienstleistern und insbesondere den breitaufgestellten Christophorus-Kliniken). Außerdem durch das Vorhandensein von diversen Verwaltungen und Beratungsgesellschaften (Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten, Notaren) und vor allem durch starke überregional und international tätigen Unternehmen.

Auf eine Wirtschaft mit lokalen und globalen Engagement kann sich Coesfeld stützten. (Foto hlm)

Auf eine Wirtschaft mit lokalen und globalen Engagement kann sich Coesfeld stützten. (Foto hlm)

Wo liegen die Stärken unserer Stadt?

Öhmann: Die Stärke unserer Stadt liegt in der Vielschichtigkeit und die Breite des Angebotes sowie der Firmenstruktur. Dadurch ist die Gefahr einer plötzlichen und unkalkulierbaren Instabilität sehr gering.

Was sind für Coesfeld die größten Herausforderungen in den kommenden fünf Jahren?

Öhmann: Ganz vorne steht für mich im Zusammenwirken von Stadt und Handel/Gewerbe die digitalen Veränderungen zu meistern. Der Einzelhandel wird sich stärker in Kombination mit dem stationären Handel auf den Bedarf der Internet-Nutzer einstellen müssen. Die Stadt hat gleichzeitig die Innenstadt-Attraktivität zu erhöhen, damit der Erlebnis-Einkauf also der stationäre Einkauf in Coesfeld interessant bleibt.

Außerdem: Für Coesfeld als Bildungs- und Ausbildungsstandort ist es wichtig,  in enger Kooperation mit den produzierenden aber auch Dienstleistungsunternehmen die besonders qualifizierten Menschen als Fachkräfte und Hochschulabsolventen zu binden.

Und Drittens: Auch wenn wir bislang den demographischen Wandel gut gemeistert haben (kein Sinken der Einwohnerzahl trotz sinkender Kinderzahlen) ist es notwendig, weiterhin neue Unternehmen anzusiedeln bzw. Expansionsmöglichkeiten für bestehende Unternehmen zu bieten, die dann neue, attraktive Arbeitsplätze vorhalten.

Welche Rolle werden Sie dabei als Bürgermeister übernehmen?

Öhmann: Eine wesentliche Aufgabe eines Bürgermeisters ist es als Repräsentant, als Ratsvorsitzender und als Verwaltungschef initiierend, konzipierend und koordinierend die Entwicklung einer Stadt nach vorne zu treiben. Das geschieht in vielfältiger Weise, sichtbar und weniger sichtbar. Dies möchte ich – wie in den letzten 12 Jahren – weiterhin erfolgreich für die Stadt Coesfeld, für die Menschen in dieser schönen Stadt machen.

Coesfelds Bevölkerung wächst, im Gegensatz zum Umland. Welche Aufgaben leiten Sie daraus an den Bürgermeister ab?

Öhmann: Ich gehe zunächst davon aus, dass wir durch Zuzüge den Bevölkerungsrückgang wegen der weiter zu geringen Geburtenzahlen etwa konstant halten können. Dies wäre schon ein erheblicher Erfolg. Das bedeutet aber, dass wir eine Vielzahl von Menschen aus dem Umland aber auch neue ausländische Mitbürger integrieren müssen.   Die Aufgaben eines Bürgermeisters in diesem Prozess habe ich oben bereits ausführliche beschrieben.

Ihr Gegenkandidat wirbt mit frühzeitigeren Bürgerinformationen und dialogorientierten Entscheidungsprozessen. Sind diese beiden Punkte während ihrer Amtszeit zu kurz gekommen?

Öhmann: Da brauche ich mich absolut nicht zu verstecken. Der sehr frühzeitige und sehr umfassende, dialogorientierte Prozess zum Innenstadt-Entwicklungs-Prozess ist als Regionale2016-Projekt vielfach bis hinein in die verschiedenen Landesministerien gelobt worden. Hier gab es in besonderer Form eine Jugendwerkstatt und Ideenwerkstätten incl. Ortsbesichtigungen in der „Unterwelt“ von Coesfeld.Bürgermeister_DudenVerweisen kann ich auf weitere umfassende Beteiligungen.

  1. Verkehrsentwicklungsplan incl. Parkraumkonzept mit u.a. einer Befragung der der Verkehrsteilnehmer und drei Bürgerversammlungen
  2. Planungsprozess Industriepark beginnend mit einem Konversionsforum und einer großen Beteiligung der Naturschutzverbände (Ergebnis u.a.: die vielbeachtete Grüne Mitte im IP.NW)
  3. Eine breite Beteiligung hatten wir auch bei der Erstellung des Einzelhandelskonzeptes, dass regelmäßig erneuert wird.
  4. So wurde auch die erste Elternbefragung zur Schulentwicklung von meiner Seite initiiert. Die zweite wurde aus der Politik heraus angeregt und von mir intensiv begleitet.

Verschiedene soziale Initiativen sind in meiner Verantwortung als konkrete Bürgerbeteiligungen initiiert oder umgesetzt worden: Frühe Hilfen, Guter Start oder Wellcome; alles Projekte zur Unterstützung der Familien. Dies ist praktizierte Subsidiarität; das christlich geprägte Organisationsprinzip, wonach die jeweils größere Einheit Aufgaben nur übernehmen darf, wenn die kleinere Einheit es nicht leisten kann.

Ich sehe somit Bürgerbeteiligung also noch in umfassenderer Form: Die breiteste und direkteste Bürgerbeteiligung findet über die vielen Vereine, Verbände und Parteien statt, findet durch die unzähligen Menschen statt, die sich ehrenamtlich engagieren. Sie beeinflussen unserer tägliches Leben und auch die politischen Entscheidungen in unserer Stadt. Deshalb möchte ich auch in Zukunft im Sinne des Subsidiaritätsprinzips meine Arbeit in enger Vernetzung mit den ehrenamtlichen und verbandlich tätigen Menschen leisten.

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Der nächste Teil des Interviews wird sich mit Zukunftsfragen der Stadtentwicklung und Bildung befassen und wird am 12.08.15 auf CN veröffentlicht.

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