Kategorie: Handel & Wirtschaft

Online gucken – lokal einkaufen?

Das Internet bietet dem Einzelhandel mehr als  einen Präsentationsraum

Coesfeld, 05.03.17 (hlm). Sie sitzen in Cafés, Restaurants, auf Bänken oder stehen an diversen Orten in der Fußgängerzone. Eines haben viele gemeinsam. Der Blick auf das Smartphone. Hastiges tippen von Zeichen, telefonieren oder mit Stöpseln im Ohr Musik hören. Angesprochen nimmt Pia Angelina Wulff ihren Kopfhörer ab: „Na klar nutze ich das Netz und informiere mich über das Angebot in einer Stadt. Ich will ja nicht umsonst hingehen.“ Das virtuelle Schaufenster der Stadt Coesfeld kennt sie nicht. „Brauche ich auch nicht, ich kenne die Stadt ja“, schmunzelt die junge Coesfelderin.

Der gastronomische Sektor bietet in den Geschäften freie WLAN-Hotspots für Kunden an. Vor der Tür gibt in der Fußgängerzone den CosiSpot. Durchschnittlich 300 Nutzer klinken sich damit täglich ins Netz ein, wie Antje Evers, Sprecherin der Stadtwerke Coesfeld auf Anfrage der CN mitteilt. Seit der Freischaltung, Mitte 2015, holten sich gut 300000 Nutzer die virtuelle Welt auf ihre Endgeräte. Kostenfreies Internet – mit einem Hintergedanken. Die Stadt soll attraktiver werden und Kunden in die Geschäfte locken.

Die Fussgängerzone zum Erlebnisraum machen. Da könnte das Internet helfen. (Foto hlm)

Auf der Bank sitzt die Coesfelderin Angelika Reher für eine kurze Pause. Das Internet spielt für sie keine Rolle. Sie kauft lieber alles vor Ort ein. Und wenn es das Gesuchte nicht gibt, findet sie es in einer anderen Stadt. „Mir fehlen in Coesfeld die Vielfalt und der Unterhaltungswert in der Fußgängerzone“. Sie kritisiert damit die vielen Geschäfte der gleichen Branchen. Mehr lockere Veranstaltungen könne mehr Leben in die Fußgängerzone bringen. Damit meint sie nicht die verkaufsoffenen Sonntage oder Ähnliches. Sie spricht von Straßenmusikanten oder anderen kleineren Aktionen.

„Es geht um Kundenkommunikation“

Aktionen? Wie das gehen kann, ist in Dülmen, bei Schenken-Kochen-Wohnen, zu sehen. Der Geschäftsinhaber Bernhard Homann bietet nutzbringende Workshops, wie Messer-Schleifkurs, für seine Kunden an. Das Internet ist nicht die reine Verlängerung der Ladentheke. Im Zusammenspiel mit den sozialen Netzwerken sieht er in der Onlinewelt einen Spielball, um Kunden in sein Geschäft zu locken. „Es geht nicht um den Onlineshop, sondern um Kundenkommunikation“, plakatiert Lars Werkmeister, Geschäftsführer des Lüdinghauser Stadtmarketingvereins, die Möglichkeiten für die Nutzung der Internetwelt. Potenziale, die Händler in der Stadt für sich entdecken können.

Sprecher des Arbeitskreises Hanel & Gastronomie, Werner Prause (l.) sieht in er Vernetzung mit der Netzwelt die Chance den Coesfelder Handel attraktiv darzustellen. Aber es ist nicht Allheilmittel. (Foto hlm)

„Das Internet ist keine Konkurrenz!“ Aus dieser Perspektive sieht es Werner Prause, Händler in Coesfeld und Mitglied im Stadtmarketingverein Coesfeld & Partner. Für den Sprecher des Arbeitskreises Handel und Gastronomie ist es ein Werkzeug, um sich zu präsentieren und die Attraktivität der Stadt zu steigern. Immer mehr Einzelhändler präsentieren sich mit Websites. Zusammenfassend dargestellt werden diese in dem virtuellen Schaufenster. Das Webportal ist mit dem Suchbegriff „Einkaufen in Coesfeld“ bei allen gängigen Suchmaschinen unter den Top 10 zu finden. Das ergab die Recherche von CN.

Zugriffszahlen auf das Webportal sind von der Stadt Coesfeld nicht zu bekommen. Wegen Bindung an den Datenschutz und einem zu zeit- und kostenintensiven Aufwand wolle man die Anfrage nicht beantworten, heißt es aus der Pressestelle.

Auf Webshops setzt der Coesfelder Stadtmarketingverein nicht. Prause: „Wir wollen die Menschen in der Stadt haben.“ Dazu braucht es eine attraktive Innenstadt. Bei der Stadtentwicklung ist das in erster Linie die Hausaufgabe der Stadtverwaltung. Einen Anziehungsmagnet erhofft sich der Arbeitskreissprecher mit Blick auf den Schlosspark durch das Regionale-2016-Projekt „Urbane Berkel“. Weiter gehört zur Schaffung eines positiven Umfeldes die Bereitstellung von genügend Parkraum. Eine Baustelle, die in seinen Augen noch nicht geschlossen ist. Zur Attraktivität einer Stadt zählen auch fachkundige Beratung und freundliches Auftreten gegenüber den Kunden. Aufgaben, die den Händlern durch Weiterbildungsangebote und Schulungen obliegen. Prause sieht Coesfeld vorne mit schwimmen: „Man kommt sogar aus dem weiteren Umfeld, weil dem Kunden hier freundliche und gut ausgebildete Mitarbeiter begegnen.“

Einen Zukunftsweg will der Stadtmarketingverein gehen. Der digitale Coesfeld-Gutschein wird kommen und damit einen Faden zwischen der Netzwelt und dem Handel spinnen. Prause bilanziert. Schon der analoge Coesfeld-Gutschein sei ein Erfolgsmodell. Er binde 230000 Euro Umsatz pro Jahr an Coesfeld.

Kein Onlineshop präferiert. Die Händler wollen die Kunden lieber in der Stadt haben. (Foto hlm)

Erika Eismann tummelt sich mit ihrem Spielwarengeschäft in einer Branche mit großer Konkurrenz im Internet. Laut einer Studie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel sind in 2016 Spielwaren im Wert von rund einer Milliarde Euro über das Netz verkauft worden. Trotzdem sieht sie für ihr Geschäft eine gute Chance. Sie setzt auf Beratung und Service. So wie die Kundin, die sich gerade verschiedene Gesellschaftsspiele erklären lässt. Zurzeit wird an einer Webseite gefeilt. Als reine Präsentation, um auf sich aufmerksam zu machen. „Die wird kein Onlineshop haben“, äußert die Inhaberin klar.

Die Netzwelt bleibt als Ausweg

Besonders wenn es um ein spezielles Produkt geht, das vor Ort nur schwer zu bekommen ist, ist die Bestellung im Internet die Wahl. Das berichten mehrere Facebook-Nutzer auf eine Anfrage. Weitere oft genannte Gründe, den Onlinehandel zu nutzen, sind eingeschränkte Mobilität, preisliche Differenzen und unbegrenzte Produktauswahl. Und auch die gibt es: Im Internet über Produkte informieren und im lokalen Geschäft kaufen.

Anteil an Mietwohnungen sinkt

Coesfeld fehlt es an Mietraum für Singles und Ältere

Nur wenige Mietangebote finden sich für Coesfeld in den bekannten Internetportalen wie Immobilienscout24 oder Immowelt. (Foto hlm)

Nur wenige Mietangebote finden sich für Coesfeld in den bekannten Internetportalen wie Immobilienscout24 oder Immowelt. (Foto hlm)

Als Single eine Mietwohnung finden, ist in Coesfeld keine einfache Angelegenheit, verfolgt man die Diskussion in der Facebook-Gruppe „Coesfelder Wohnungsmarkt“. Die Lage verschärft sich noch, wenn ein Hund oder eine Katze mit im Umzugsgepäck ist. Von Monate langer erfolgloser Suche und vielen Enttäuschungen ist die Rede. Generell ist das Angebot auf dem Coesfelder Wohnungsmarkt – gerade was günstigen Wohnraum angeht – sehr ausgedünnt. „Der Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen in Coesfeld ist von 1080 im Jahr 2000 auf 674 (Stand 2015) zurückgegangen – also um 37 Prozent“, rechnet Norbert Vogelpohl von Bündnis 90 / Die Grünen vor. Einen Grund sieht der Fraktionssprecher des Kreisverbandes der Grünen im Anstieg der Einkommen. Damit verbundene ist die Verringerung der Ansprüche auf begünstigten Wohnraum. In seinen Augen braucht es insbesondere in innerstädtischer Nähe alten- und behindertengerechte Wohnungen für ein bis zwei Personen. Potenzial sei im städtischen Bereich für hundert Wohnungen: „Die Zukunft des Wohnungsbaus in Coesfeld liegt in der Innenstadt und nicht in der Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen, die infrastrukturell erschlossen werden müssen.“

Auch die Stadtverwaltung beobachtet eine Reduzierung des Wohnungsbestandes. Laut deren Berechnung hat sich der Bestand in den letzten 15 Jahren von 1080 auf 874 Wohnungen gesenkt. Eine Abnahme von 22 Prozent. Eine Methode, den Anteil von Sozialwohnungen bei Neubauten zu steuern, wäre eine Quotenregelung. Diese gibt es in Coesfeld nicht. Erster Beigeordneter der Stadt Coesfeld, Thomas Backes, zeigt auf das Integrierte Handlungs- und Maßnahmenkonzept, das bereits 2013 die Problematik von fehlendem Wohnraum für Singles und ältere Menschen herausstellt. Mit einem Wohnungsmarktkonzept und der Förderung von unterschiedlichen Wohnangeboten will die Stadtverwaltung die innerstädtische Entwicklung in den kommenden Jahren lenken.

Das Land NRW hat die Einkommensgrenzen für den Anspruch auf öffentlich geförderten Wohnungsraum deutlich angehoben. Damit hätte ein größerer Kreis Anspruch auf Wohnförderung. Aktuelle liegt die Grenze für einen 4-köpfigen Haushalt mit zwei Kindern bei einem anrechenbaren Jahreseinkommen von 33730 €. Da aber eine transparente Informationspolitik für Beitragsberechtigte fehlt, leitet Norbert Vogelpohl darin einen weiteren Grund für die Abnahme des Bedarfes ab.

Dieter Goerke (Aktiv für Coesfeld / Familienpartei) sieht, wie Vogelpohl, den Bedarf an kleinen Wohnungen. Es fehle für den Bau solcher Wohneinheiten Flächen und die Bereitschaft von Investoren solche Bauprojekte zu finanzieren. Durch den Wegfall der gesetzlichen Bindung für viele Sozialwohnungen älteren Baujahrs verstärke sich die Lage. Diese Wohnungen ständen dann dem freien Markt zur Verfügung. Mehr Anreiz für private Kapitalanleger in öffentlich geförderten Wohnraum zu investieren, könnte nach Auffassung des Fraktionsvorsitzenden die Senkung der Grundsteuer B schaffen.

Laut einer Presseerklärung des CDU-Stadtverbandes liegt es an den vom Land NRW festgesetzten Förderungskonditionen, dass der öffentlich-geförderte Wohnungsbau von Investoren kaum bevorzugt wird. Verstärkt wird der Effekt zusätzlich durch die günstigen Zinsen am Kapitalmarkt. Im aktuellen Wohnungsmarktbericht für Nordrhein-Westfalen, herausgegeben von der NRW.Bank, werden als Hemmnisse hohe Baukosten, fehlende Bauflächen sowie eine geringere zu erwartende Rendite aufgelistet. Ebenfalls schrecken eine Bindungspflicht und ein hoher Verwaltungsaufwand bei der Vermietung von öffentlich geförderten Wohnungen ab. Ähnlich argumentiert Thomas Backes: „Trotz der vom Land gewährten Tilgungsnachlässe lässt sich bei einer Bewilligungsmiete von zurzeit 5,25 €/m² kaum eine Eigenkapitalverzinsung erzielen.“ Für private Bauherren sei sozialer Wohnungsbau daher nicht wirtschaftlich. Die Stadt setze hier verstärkt auf das Engagement der örtlichen Wohnungsbaugenossenschaften und -gesellschaften. Hier liegt nach Angaben der Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft (WSG) die Durchschnittsmiete bei 4,48 Euro pro Quadratmeter. Kreisweit hat sie einen Bestand von 440 öffentlich geförderten Wohnungen und 760 Wohnungen im frei finanzierten Bereich.

Arbeiten mit Kollege Roboter

Industrie 4.0 ist nicht einfach eine technische Revolution

Coesfeld, 02.11.16 (hlm). „Die Potenziale können wir noch nicht abschätzen“, dimensioniert Dr. Jürgen Grüner (Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld). Er findet Bestätigung durch nickende Köpfe bei den Anwesenden des offenen Forums bei der Digital Akademie West im Hause von Cosoft. Die Gründer der kürzlich eröffneten Weiterbildungseinrichtungen haben für eine Diskussionsrunde zur Digitalisierung der Arbeitswelt Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Finanzen in den Seminarraum geholt.

Digitale Arbeitswelt

Weiterbildung ist ein Schlüssel für die Industrie 4.0. Darüber herrscht Einigkeit bei (v.r.) Prof. Dr. Carsten Feldmann, Lars Göntgens, Heinz Öhmann, Dr. Jürgen Grüner, Christofer Weßeling und Jaron Heskamp. (Foto hlm)

Das Zeitalter der Industrie 4.0 ist nicht einfach eine branchenunabhängige technische Veränderung der Produktionsprozesse durch Automatisierungen. Das wird aus den Ausführungen von Prof. Dr. Carsten Feldmann (Fachhochschule Münster) in seinem Impulsvortrag deutlich. Die gesamte Arbeitswelt steht vor einer Veränderung, die sich nicht nur in der optimierten Schaffung von Produkten oder Dienstleistungen auswirkt. Dr. Jürgen Grüner (Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld) schätzt, dass 42 Prozent aller Arbeitsplätze durch die Digitalisierung verändern werden. Berufsbilder werden sich verschieben, Anforderungen verändern. Für Lars Göntgens (Coesoft) ist die Digitalisierung eine Unterstützung und Vereinfachung von alltäglich wiederkehrenden Prozessen.

Das braucht als technische Infrastruktur schnelle Datenleitungen. Da ist der ländliche Raum bisher eher Schlusslicht. Der Kreis Coesfeld gehe mit gutem Beispiel voran, schließlich seien rund 40 Prozent aller Haushalte an eine schnelle Internetleitung angebunden, so Dr. Grüner. Der Ausbau des Glasfaser- und LTE-Netzes schreitet voran. Coesfeld und andere Städte gehen bereits weiter. Kostenlose Hotspots ziehen Besucher in die Fußgängerzone. Jetzt fehlen die Schnittstellen, um aus den Besuchern Kunden zu machen. Voraussetzungen dafür sind, den Umgang mit der Technik zu verstehen und für sich zu entdecken. Prof. Dr. Feldmann zeigt den Widerspruch auf, der zurzeit in der Unternehmerwelt besteht. 2/3 sehen deutlich den Bedarf an Weiterbildung. Aber nur 36 Prozent setzten das in die Tat um.

Christofer Weßeling, Dozent bei der Digital Akademie West, sieht in den Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten zur Digitalisierung der Arbeitswelt wichtige Haltepunkte für die Mitarbeiter in der Region. Der Kreis Coesfeld steht mit seiner niedrigsten Arbeitslosenquote in Nordrhein Westfalen sehr gut da. Aber unbesetzte Stellen wirken sich langfristig negativ auf die Produktivität aus. Die Region zu einem Magnet für Beschäftigte zu machen, wird eine Kernaufgabe für die nächsten Jahre sein. Es braucht Strukturen, die über das Weiterbildungsangebot hinaus reichen. Bürgermeister Heinz Öhmann sieht die Kreisstadt gut positioniert und hebt Coesfelds breites Bildungsangebot heraus.

Automatisierung bei Weiling: Im Hochregallager rasen selbststeuernde Wagen über Schienen und stellen bestellte Produkte zusammen. (Foto hlm)

Automatisierung bei Weiling: Im Hochregallager Autostore rasen selbststeuernde Wagen über Schienen und stellen bestellte Produkte zusammen. (Foto hlm)

Dass die Digitalisierung der Arbeitswelt in Coesfeld längst real ist, zeigt das Hochregallager Autostore von Weiling. In dem Chaos von übereinandergestapelten Kisten in einem großen Kubus kennt sich nur der Computer mit seinen selbststeuernden Wagen aus. Mehrere der digitalen Gefährte rollen zeitgleich über ein Schienenraster, ohne miteinander zu kollidieren. Das System kennt exakt die Position der Produkte und kontrolliert vollautomatisch den Lagerbestand. Rationalisierung mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen – der Gedanke kommt unmittelbar.

Nur den Verlust zu sehen, ist zu einfach. Die Arbeitswelt ist in einem Umwandlungsprozess. Für Beschäftigte ändern sich die Anforderungsprofile. In der Publikation „Zukunft der Arbeit in Industrie 4.0“ (Springer Vieweg Verlag) sieht der Soziologe Ulrich Bochum in der digitalisierten Arbeitswelt einen Beschäftigten mit mehr Eigenverantwortlichkeit und Selbstentscheidungswillen. Da knüpfen Akzeptanz, Aufgeschlossenheit und letztendlich Bildung und Erziehung direkt an. Industrie 4.0 ist eben nicht nur einfach auf der wirtschaftlichen Perspektive zu betrachten. Es ist die vierte industrielle Revolution,die wir mitgestalten können. Eine Welt, in der auch die Frage der Handhabung von elektronischen Daten neu diskutiert und bewertet werden muss. Diese werden zum wertvollsten Gut. Es muss vor ungewollten Zugriffen geschützt werden. Andererseits erfordert es mehr Transparenz darüber, wer welche Daten sammelt. Nur so kann jeder einzelne seine persönliche Schlussfolgerungen und Konsequenz ziehen.

Leitende Posten neu besetzt

Hoppe leitet neuen Fachbereich – Zirkel neue Pressesprecherin

Coesfeld, 11.07.16 (PM). Der langjährige Fachbereichsleiter des Fachbereiches 30  „Bürgerservice und Ordnung“ ist in den Ruhestand getreten und die bisherige Leiterin des Fachbereiches „Jugend, Familie, Bildung, Freizeit“ wird zum 01.08.2016 die Dienststelle wechseln. Gründe, die eine personelle Umbesetzung im Rathaus erforderten. Als Nachfolgerin für die Jugendamtsleitung ist  die langjährige Pressesprecherin der Stadt Coesfeld und Geschäftsführerin des Stadtmarketing Vereins, Frau Dorothee Heitz, vorgesehen.

Udo Hoppe übernimmt ab dem 01.09. einen neu geschaffenen Fachbereich.

Udo Hoppe übernimmt ab dem 01.09. einen neu geschaffenen Fachbereich.

Vor dem Hintergrund dieser personellen Veränderungen wurde die Organisation der betroffenen Bereiche überarbeitet und teilweise neu strukturiert. Dabei wird ein neuer Fachbereich „Bürgerservice, Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing“ geschaffen, in dem vor allem die Dienstleistungsbereiche Bürgerbüro, Standesamt, Stadtmarketing/Tourismus zusammengefasst werden.

Dieser Bereich wird ab 01.09.2016 von Herrn Udo Hoppe aus dem Standesamt als Teamleiter geführt. Des Weiteren sind die Wirtschaftsförderung und das Grundstücksmanagement hier angesiedelt. Die Stellenausschreibung für die gesamte Fachbereichsleitung ist bereits erfolgt. Der Fachbereich wird dem Dezernat des Bürgermeister zugeordnet.

Neue Pressesprecherin der Stadt Coesfeld: Andrea Zirkel.

Neue Pressesprecherin der Stadt Coesfeld: Andrea Zirkel.

Die Pressestelle wird als Stabsstelle direkt dem Bürgermeister unterstellt; neue Pressesprecherin wird Frau Andrea Zirkel. Die verbleibenden Bereiche des bisherigen Fachbereichs 30 (Allgemeines Ordnungsrecht, verkehrliche Anlagen sowie Feuerwehr) werden mit dem bisherigen Fachbereich „Soziales und Wohnen“ zum neuen Fachbereich „“Ordnung, Soziales und Wohnen“ zusammengefasst. Die Fachbereichsleitung verbleibt weiterhin bei Herrn Bernd Kasischke. Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen erfolgt in mehreren Schritten. Der Zeitplan hängt von räumlichen Faktoren sowie der Verfügbarkeit der betroffenen Personen ab.

Kommunen senden deutliches Signal nach Ochtrup

Notfalls Prozess gegen das Designer Outlet Center

Oberbürgermeister Dieter Krone und Bürgermeister beziehungsweise Vertreter aus den benachbarten Städten und Landkreisen sagen „Nein“ zur Erweiterung des DOC Ochtrup.

Oberbürgermeister Dieter Krone und Bürgermeister beziehungsweise Vertreter aus den benachbarten Städten und Landkreisen sagen „Nein“ zur Erweiterung des DOC Ochtrup.

Lingen/Coesfeld, 30.06.16 (PM). Strikte Ablehnung gegen die Erweiterung des DOC (Designer Outlet-Center) Ochtrup und damit gegen die darauf ausgerichtete Teilfortschreibung des Einzelhandelskonzeptes der Stadt Ochtrup haben die benachbarten Kommunen und Landkreise in einem weiteren Treffen in Lingen geäußert. Die Stadt Lingen und die Stadt Rheine hatten gemeinsam zu diesem Treffen eingeladen. 17 Kommunen – darunter die Kreisstadt Coesfeld – und drei Landkreise sind in den von der Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Rheine mbH (EWG) organisierten Zusammenschluss eingebunden.

Das bestehende DOC mit einer Verkaufsfläche von 11.500 Quadratmeter soll auf 19.800 Quadratmeter erweitert werden. Die Erhöhung der Verkaufsfläche um mehr als 70 Prozent und die Verlagerung des Schwerpunktes auf den Verkauf auch hochwertiger Bekleidung werden von allen am Treffen beteiligten Kommunen und Landkreisen strikt abgelehnt. Ein derartiges Großprojekt übersteige den zentralörtlichen Versorgungsauftrag von Ochtrup als kleineres Mittelzentrum bei weitem.

Scharf kritisiert wurde auch, dass die Negativauswirkungen der DOC-Erweiterung auf die Innenstädte und Ortszentren der benachbarten Kommunen im Rahmen der Teilfortschreibung des Einzelhandelskonzeptes überhaupt nicht beleuchtet wurden. Die beabsichtigte Vergrößerung des zentralen Versorgungsbereiches von Ochtrup für die DOC-Erweiterung sei nicht gerechtfertigt, betonten auch die von dem regionalen Zusammenschluss beauftragten Rechtsanwälte Dr. Heinz Janning und Dr. Olaf Bischopink (Baumeister Rechtsanwälte), die die rechtlichen Vorbehalte gegen das Projekt und das weitere Planverfahren näher erläuterten.

Entsprechende Stellungnahmen der beteiligten Nachbarkommunen und Kreise mit weiteren Kritikpunkten sind an die Stadt Ochtrup gegangen. Die Vorlage zur Teilfortschreibung des Einzelhandelskonzeptes der Stadt Ochtrup wird voraussichtlich am 6. Juli im Rat der Stadt Ochtrup beraten. Im Herbst wird voraussichtlich der Ausschuss für Planen und Bauen der Stadt Ochtrup über die Planentwürfe für die frühzeitige Beteiligung entscheiden.

Die Umlandkommunen machten beim Treffen deutlich, dass sie für rechtliche Schritte bereit sind und einen möglichen Prozess gemeinsam finanzieren werden.

Froh, dass es so aussieht

BerkelStadt: Parallelen mit Regionale-2013

Coesfeld/Meschede, 13.06.16 (hlm). „Der Henne-Boulevard wird der Champs-Élysées des Sauerlandes“, sagte Michael Groschek (Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr) bei einem Ortstermin in Meschede 2013.

Die Henne ist ein kleiner Fluss, der durch die sauerländische Stadt fließt. Überdeckelt war sie, Jahrzehnte lang. Nicht wahrnehmbar zog sie durch einen dunklen Tunnel, während oben auf dem Betondeckel Autos parkten. Bis die Entscheidung im Rat mehrheitlich gefällt wurde: Der Deckel kommt weg. Mitgetragen hatte das SPD-Ratsmitglied Kornelius Kuhlmann. Er erinnert sich: „Wir hatten die Wahl zwischen Sanierung der maroden Brücken, die die Stadt hätte selbst tragen müssen, oder Öffnung der Überbauung mit Fördermitteln.“ Eingebunden in das Regionale-2013-Projekt wissen.wasser.wandel flossen 11,5 Millionen Euro in die Umgestaltung der Gewässerlandschaft. Der Eigenanteil der Stadt: 3,2 Millionen Euro. Unter dem Kunstbegriff „Henne-Boulevard“ zieht sich seit 2015 ein Wegeverlauf von der Innenstadt hinauf durch einen naturnah gestalteten Henne-Park zur Himmelstreppe am Hennesee, einer Aussichtsplattform mit Blick auf das sauerländische Landschaftsbild. Den Bachlauf erlebbar machen und parallel die europäische Wasserrahmenrichtlinie umsetzen. Das war das Ziel.

Der Zustand des Winziger Platzes in Meschede um 1970. Foto Sauerlandkurier

Skepsis gab es zu Anfang. Zu viel Geld für eine Stadt in der Haushaltsicherung. Ein stickender Fluss wird freigelegt. Parkraum wird vernichtet. Das waren die häufigsten Gegenargumente. Auch Constanze Köster, Besitzerin eines Tabakladens direkt am „Deckel“, blickte einst unsicher auf die Pläne. Heute ist sie davon überzeugt, dass es ein Gewinn für die Attraktivität der Innenstadt ist. Wenn da nicht der Leerstand des maroden Hertie-Gebäudes in unmittelbarer Nachbarschaft wäre. Der Münsteraner Investor Bövingloh war abgesprungen. Hoffnung keimt jetzt mit einem neuen Finanzier auf. Eine ähnliche Situation wie in Coesfeld mit dem Postareal.

Vor allem die ältere Generation hatte das alte Gewässerbild eines schmutzigen Bachlaufes in der Erinnerung und sorgten sich. „Diese Kritiker sind verstummt. Alle sind froh, dass es jetzt so aussieht“, zieht Kuhlmann das Fazit zwei Jahre nach der Eröffnung des umgebauten Winziger Platzes.

Der entdeckelte Winziger Platz als Teil des Henne-Boulevards in Meschede Foto www.peterbrdenk.de

Josef Sommer, CDU-Ratsmitglied: „Die Regionale 2013 hat geholfen, die Stadt nach vorne zu bringen und lockt Kunden und Besucher aus dem Umland an.“ Stadtführungen, Ruhrradweg und sportliche Events öffnen touristische Akttraktionen in die Wanderregion Meschede.

Die Freitreppe zur Henne in Meschede. Quelle: Stefan Nolte

„Die Einheimischen registrieren das nach einiger Zeit nicht mehr. Dafür gibt es viel Lob von Auswärtigen“ resümiert die Besitzerin des Tabakladens. Zum Champs-Élysées ist der Henne-Boulevard nicht aufgestiegen. Aber es ist ein Anziehungspunkt in der Region geworden.

Meschede – Coesfeld, Regionale 2013 – Regionale 2016: Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen den Städten. Und eine Einladung senden die Sauerländer an die Coesfelder aus, sich vor Ort ein Bild von der Integration eines Flusses in den urbanen Raum zu machen.

Flottesten Sprüche für Addi und Adele prämiert

Stadtmarketing ermittelt drei Gewinner

Tobias Terwey (Die Genießerei, li.), Frank Hentschel (Ring Foto Hentschel, re.) und Geschäftsführerin Dorothee Heitz von der Serviceinitiative im Stadtmarketing Verein durften Rita Kleinschneider (2.v.li.), Veronika Tendahl (3.v.li.) und Heike Köning (3.v.re.) zu ihren überzeugenden Werbesprüchen

Tobias Terwey (Die Genießerei, li.), Frank Hentschel (Ring Foto Hentschel, re.) und Geschäftsführerin Dorothee Heitz von der Serviceinitiative im Stadtmarketing Verein gratulierten Rita Kleinschneider (2.v.li.), Veronika Tendahl (3.v.li.) und Heike Köning (3.v.re.) zu ihren überzeugenden Werbesprüchen.

Coesfeld, 09.06.16 (PM) „Unser Gras wächst nicht im Internet! Wir kaufen in Coesfeld!“ Da sind sich Addi & Adele, die beiden Kühe aus Flamschen einig. Sie werben als Nachkommen des Coesfelder Wappentiers für einen Einkauf in der Kreisstadt. Die Idee ist der Serviceinitiative des Stadtmarketing Verein Coesfeld & Partner e.V. entsprungen. Den Spruch hat Rita Kleinschneider den Kühen ins Maul gelegt. Er kam am besten in der Arbeitsgruppe an und so darf sich die Letteranerin über einen Coesfeld-Gutschein im Wert von 50 Euro freuen.

„Durch diesen Ausspruch wird unsere Initiative besonders gut auf den Punkt gebracht“, erklärt Werner Prause. Der Sprecher des Arbeitskreises Handel & Gastronomie im Stadtmarketing Verein weist darauf hin, dass in der Sommerzeit wieder Fachhändler aus Coesfeld mit ihren Kunden für die Einkaufsstadt Coesfeld werben werden.

Weil die Serviceinitiative aus vielen guten Vorschlägen wählen musste, sind zwei weitere kreative Ideen aufs Siegertreppchen gelangt. Veronika Tendahl und Heike Köning dürfen dank ihrer kreativen Einfälle ebenfalls Coesfeld-Gutscheine einsetzen. „Wir finden Coesfeld (s)tierisch gut“ von Veronika Tendahl hat es auf Platz 2 geschafft, während Heike Köning den dritten Platz errungen hat. Ihr Vorschlag „Nicht verpassen! In Coesfeld gibt es „KUH“le Sachen“ wird wie die beiden anderen jetzt in der Innenstadt präsentiert. Jeweils zu Beginn der Fußgängerzone empfangen Addi & Adele die Besucher mit einem der drei Gewinner Zitate. Die Banner hängen in der Schüppenstraße, in der Kupferstraße sowie der Letter Straße vor der Jakobikirche.

Bahnhof Coesfeld verbindet Kulturen

BahnLandLust über die Grenzen

Freudenstimmung im Zug. Nur noch wenige Minuten, dann sind die Schüler aus Enschede mit dem „Coesfelder“ in der Partnerstadt Reken angekommen. (Foto hlm)

Coesfeld/Reken/Enschede, 28.05.16 (hlm). Coesfelder Bahnhof, Gleis 4. Hektisch steigt eine Gruppe von Schülern aus dem Zug. Sie kommen gerade aus Enschede. Etwas unsicher blickt Lehrer Lucas ten Napel auf den gegenüber wartenden Zug. Er ist der Richtige. Die Regionalbahn R45 Richtung Dorsten. Nur wenige Minuten bleiben für den Umstieg. Hinein in den Zug und Sitzplätze suchen. Die Türen schließen sich. Noch knapp zwanzig Minuten, dann haben die 32 Schüler und Lehrer das Reiseziel erreicht: Reken.

Seit zehn Jahren besteht eine innige Beziehung zwischen dem Panta Rhei College Enschede und Reken. Durch ein EUREGIO-Projekt unterstützt, besuchen sich Schüler jedes Jahr gegenseitig. Diesmal ist es was besonders. „Wir fahren zum ersten Mal mit dem Zug“, begeistert sich ten Napel. Er blickt aus dem Fenster und schwärmt von der münsterländischen Parklandschaft. Nicht weit von ihm entfernt sitzt der Schüler Hugo. Der Dreizehnjährige freut sich auf die Begegnung mit Gleichaltrigen aus dem Nachbarland: „Vor allem wegen der Sprache.“ Die aufkommende Nervosität lenkt er mit Fingertippen am Smartphone ab.

Herzlich begrüßt Erika Reichert-Maya den Enscheder Lehrer Lucas ten Napel. Seit zehn Jahren organisieren die Beiden das Schülertreffen, unterstützt von der EUREGIO. (Foto hlm)

Der Zug rollt in Reken ein. Auf dem Bahnsteig stehen Schüler der Sekundarschule Hohe Mark mit Begrüßungsplakaten. Mitten in der Gruppe sticht Erika Reichert-Maya hervor. Freudige Umarmung zwischen ihr und ten Napel. Gemeinsam organisieren sie die jährlichen Schülertreffen. Das Programm zur Begegnung ist straff. Es bleibt ein wenig Zeit für den Besucher in der Aula der Schule. Erste Kontakte werden geknüpft. Wechselnde Wortfetzen zwischen Niederländisch und Deutsch sind zu hören. Bei einem Rundgang staunen die Niederländer über die große Küche, die täglich warmes Essen produziert. Einen langen Schultag bis in den Nachmittag kennen die Enscheder. Für die Mittagspause bringen sie Brote von zu Hause mit. Warmes Essen gibt es in den Familien abends. Heute gibt es für die Reisegruppe mittags in der Gaststätte am Rekener Bahnhof was auf den Tisch, bevor es zum nächsten Ausflugsziel geht: Mit dem Bus zum renovierten und künstlerisch aufgewerteten Wärterposten in Klein Reken. Nur unweit davon entsteht im Zuge des Regionale 2016 Projektes BahnLandLust demnächst ein neuer Haltepunkt.

Die Zeit drängt. Die Niederländer müssen zurück zum Bahnhof. Der Schüler Hugo lässt den Ausflug Revue passieren: „Leider bin ich nur kurz mit Deutschen in Kontakt gekommen“. Die Entfernung spielt dabei nicht die große Rolle. „Die Bahnlinie schafft eine kulturelle und touristische Verbindungsachse, bei der Coesfeld der Knotenpunkt zwischen dem Ruhrgebiet und der niederländischen Provinz Overijssel ist“, so Holger Ludorf, Planer bei der Stadt Coesfeld. Der Verkehrsexperte zeichnet mit anderen Kollegen aus den vernetzten Kommunen Reken und Dorsten maßgeblich das Projekt BahnLandLust der Regionalen 2016 mit. Die Coesfelder haben mit dem Ausbau des Bahnhofes davon profitiert. BahnLandLust will mehr, nicht nur Bahnhöfe und Bahnstrecke aufpeppen. Es hat die durchgängige Anbindung ins Ruhrgebietes zum Ziel und will in Sachen Mobilität Lösungen zur Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel anbieten.

Kraftakt in Flamschen

Präsentationsjahr der Regionale 2016 eröffnet

Regionale 2016 geht mit dem Präsentationsjahr in die Zielgerade

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und der Borkener Landrat Dr. Kai Zwicker pfeifen das Präsentationsjahr der Regionalen 2016 an. (Foto hlm)

Coesfeld, 29.04.16 (hlm). 600 Stimmen schmettern lauthals den Refrain „Ich will wieder an die Berkel, ohoho, ich will zurück ins Münsterland“, des Songs von den Ärzten in der Werkshalle bei Krampe Fahrzeugbau im Industriepark Nord.Westfalen. Die Regionale 2016 feiert sich und den Startpunkt des Präsentationsjahres.

Ein neunjähriger Prozess liegt zurück: Das ziehen eines gemeinsamen Weges der Städte und Gemeinden aus den Kreisen Borken und Coesfeld und benachbarten Kommunen aus dem Münsterland, des Ruhrgebiets und des Niederrheins. Ein symbolisches Zeichen für die Zusammenarbeit setzt Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit dem Borkener Landrat Dr. Kai Zwicker. Sie spielen dem Coesfelder Landrat Christian Schule Pellengahr mit einem Konzert von Trillerpfeifen den Zukunftsball in die Hände. Behalten durfte er das runde Ding nicht und gab es dem zufällig auserwählten Dieter van Acken aus Ahaus.

Ministerpräsidentin Kraft vergleicht die Regionale 2016 als Labor, das Antworten auf die Zukunftsfragen wie Mobilität im ländlichen Raum, Gewinnung von Fachkräften, ökonomisches und ökologisches Zusammenspiel sowie der Vernetzung verschiedener Generationen unter einem gemeinsamen Dach. Die hieraus erwachsenen Projekte sollen Stempelkissen für andere Kommunen mit ähnlichen Herausforderungen sein – übertragbare Modelle. 43 Ideen hat die Regionale-Agentur in die Zielgerade gelenkt. Sie begleitete Leitgedanken, die auch mal in einer Sackgasse endeten, zu förderfähige Konzepte. Die Zahl von 114 Millionen Euro nennt Hannelore Kraft. Fördergelder, die in 25 Projekten bis 2018 in diese Region fließen. Zügig fließen sollen auch Daten. Sie träumt von einem Internet mit einer Datenübertragung vom 50 Mbit/s als Standard im ländlichen Raum. Notwendig und viel geforderte Infrastruktur für die digitale Metamorphose in den gewerblichen Sektoren.

Rudelsingen bei der Eröffnungsfeier: Statt Westland zurück ins Münsterland. (Foto hlm)

Für die Regionale 2016 musste sich die Region finden. Den drei großen I’s kommen bis heute eine wesentliche Bedeutung zu: Integration, Identifikation und Integrität. Die Zusammenarbeit hat es zwischen den Kreisen Borken und Coesfeld an den Grenzräumen vor der Regionalen gegeben. Eine Auffassung die der Borkener Landrat Zwicker und Dr. Christian Schulze Pellengahr (Kreis Coesfeld) teilen. Der Regionale-Prozess hat das Netzwerk enger geschnürt. Die Flusslandschaft ist dabei zum Logo der Kooperation geworden. Ob Stever oder Berkel, sie durchfließen Gemeinde, Städte, Kreise, Wirtschaftsräume und sogar europäische Räume und wurden sie symbolischen blauen Bändern.

Joachim Hartmann, Fachbereichsleiter der Stadt Vreden, mit dem Ende der Regionalen 2016 nicht das Ende der Zusammenarbeit. Er wünscht sich öffentlichkeitswirksame Formate, die über das Präsentationsjahr, das bis zum Sommer 2017 geht, reicht. Mit den Berkelaktionstagen ist ein Anfang gesetzte worden. Der nächste Termin für diesen gemeinsamen Tag der Berkel-Städte wird der 11.09.2016 sein.

Es braucht „Anpassungsqualität“

Katholisches Bildungswerk und AZ diskutiert über Integration der Flüchtlinge

Integration ist nicht nur eine Sache der gemeinsamen Sprache. Aber sie ist eine Brücke.

Moderator Uwe Goerlich (r.) entlockt dem Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Dr. Matthias Oelck (Mitte), klare Worte zur Herausforderung der beruflichen Integration von Flüchtlingen. Heinz Rengshausen (l.) wird sich wenig später über die kulturellen Herausforderungen an die Vereinen äußern. (Foto hlm)

Coesfeld, 27.04.16 (hlm). Eine Couch hat was von Gemütlichkeit. Oder kann es auch mal ungemütlich werden? Denn das katholische Bildungswerk und die Allgemeine Zeitung Coesfeld hat interessierte Menschen eingeladen, um mit verschiedenen betroffenen Kreisen über die Integration von Flüchtlingen in Coesfeld zu sprechen. Gut 100 Gäste folgten der Einladung in das Pfarrzentrum der katholischen Kirchengemeinde Anna-Katharina. Auf der Couch nehmen neben Bernd Lippe (Flüchtlingsinitiative), Heinz Rengshausen (DJK Eintracht Coesfeld-VBRS e.V.), Dr. Matthias Ölck (Kreishandwerkerschaft Coesfeld), Andreas Kolm (Fachbereich Soziales und Wohnen der Stadt Coesfeld) ein syrischer Flüchtling Platz.

Moderator Uwe Goerlich drehte nicht das Rad der großen Politik. Mit gezielten Fragen an die unterschiedlichen Interessenlager holte er die integrative Arbeit mit den Flüchtlingen hier vor Ort in Coesfeld aus dem Schatten. Aus dem Publikum kommen keine populistischen aber kritischen Fragen. Zum Beispiel nach der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge. Eine Krankenkassenkarte gibt es für die Flüchtlinge nicht. Die Stadt trägt die Kosten für die Notbehandlungen. „Was darüber hinaus geht, muss ein Amtsarzt entscheiden und begründen“, erläutert Andreas Kolm. Luxusbehandlung aus Steuermitteln gibt es nicht.

Schnell leuchtet ein, welche hohe Bedeutung das Erlernen der deutschen Sprache hat. Das Basisvokabular zur allgemeinen Verständigung im Alltag ist das eine. Die Stadt bietet dafür allen Flüchtlingen einen Kurs an. Unabhängig von ihrer Chance auf einen langfristigen Verbleib.

Deutsch lernen als Startpunkt.

Deutschkurs der VHS in Coesfeld für Flüchtlinge. (Foto hlm)

Damit wird der Sprachweg in die Arbeitswelt allein nicht geebnet. Das hat ganz andere Anforderungen, wie Dr. Matthias Oelck aus Erfahrungen weiß. „Sie wollen arbeiten, wissen aber nicht, wie es geht“, ist eine Anmerkung aus dem Publikum. Das beginnt bei völlig verschiedenen Vorstellungen zur Arbeitssicherheit und geht bis hin zu technischen Beschreibungen von Maschinen. Das braucht „Anpassungsqualität“, wie es Dr. Oelck nennt.

Zurechtfinden in dem komplexen System ist selbst für die Einheimischen schwer. Da braucht es besonders für die Flüchtlinge Helfer oder Begleiter, die mit ihnen Behördengänge und andere Dinge leisten. Einsatzorte für die vielen aktiven Ehrenamtler der Flüchtlingsinitiative. Rund 80 Helfer hat der Verein im Verteiler. Ein gutes Grundkapital für die tägliche Arbeit. Aber noch nicht ausreichend für die tägliche Erstbegleitung. An jene gewandt, die sich für das Engagement bei der Flüchtlingsinitiative interessieren, richtet Bernd Lippe: „Offenes Herz, gesunden Menschenverstand und keine Berührungsängste, auf jemanden zuzugehen, mehr Profil braucht es nicht.“

Im Vereinsleben prallen kulturelle Wertevorstellungen aufeinander. Lernen auf Gegenseitigkeit, heißt es. Die DJK-Eintracht Coesfeld will moslemische Frauen mit speziellen Wellnesstagen ansprechen. Da darf kein Mann zugegen sein, Rollos müssen runter und das Mobile ist abgeschlossen. Sicherlich ist es ein Raum unter sich. Doch man muss anfängliches Entgegenkommen zeigen, um an die Menschen heranzukommen. Birgit Pütter, Geschäftsführerin beim DJK, sitzt im Publikum und nickt zustimmend. Die völlige Isolation wäre der falsche Weg, geschlechtsunabhängige Entfaltungsmöglichkeiten offen zu legen. In den Sportvereinen sieht Heinz Rengshausen ein einfaches Angebot, um für die Menschen Brücken zu bauen.  Um das alles zu meistern, sieht er einen größeren Kreis mit im Boot sitzen: „Im Verbund, vielleicht über den Kreissportbund, ist das leistbar.“

Gastgeber Johannes Heling (l.) vom katholischen Bildungswerk bedankt sich bei Bernd Lippe von der Flüchtlingsinitiative für die Teilnahme am fünften Couchgespräch. (Foto hlm)

Eine Frage bewegt Pastor Johannes Hammans. Er will von dem syrischen Flüchtling wissen, ob die Moschee des türkisch-islamischen Kulturvereins für ihn ein passender Ort der Religion sei. Die Frage verneint der Mann. Der Imam spreche türkisch, was die Flüchtlinge nicht verstehen. Er wünscht sich ein Imam, der seine Landessprache spricht. Oder einen, der in deutscher Sprache predigt, was gelegentlich vorkommt, wie Hammans berichtet.

Der Fortschritt der Integration ist ein Weg mit kleinen und steten Schritten aufeinander zu. Das Ergebnis können die Gäste mit nach Hause nehmen.