Kategorie: Handel & Wirtschaft

„Ist das System erfolgreich?“

Vierte Artenschutzkonferenz in Münster

Minister Remmel zu Gast in Münster.

Auf der vierten Artenschutzkonferenz in Münster wirbt Umweltminister Johannes Remmel für den Entwurf des Landesnaturschutzgesetzes. (Foto hlm)

Münster/Coesfeld, 27.02.16 (hlm). Zum vierten Mal trafen auf der Artenschutzkonferenz in Münster Vertreter von Umweltschutzorganisationen, Politik und Landwirtschaft in Münster aufeinander. Polemik fehlte nicht, aber auch nicht die Suche nach gemeinsamen Lösungen, um dem Verlust der Artenvielfalt entgegenzuwirken. Wie dramatisch die Situation ist, hat Martin Sorg (Entomologischer Verein Krefeld) am Beispiel von Insektenzahlen den gut 230 Zuhörern vor Augen geführt. An den Randbereichen von Naturschutzflächen stellte der Insektenkundler mit seinen Kollegen einen Verlust von bis zu 82 Prozent der Menge an Insekten fest – bundesweit, an 63 Standorten gemessen.

45 Prozent der Fauna und Flora sein ausgestorben oder erheblich bedroht. Diese Zahl nennt der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel. Mit dem neuen Landesnaturschutzgesetz, und der darin integrierten Biodiversitätsstrategie, will er den formellen Rahmen für den Erhalt der Artenvielfalt schaffen. Der Gesetzesentwurf ist zum Streitpapier unterschiedlicher Interessenlager geworden. Das wurde auch auf der Artenschutzkonferenz deutlich. Remmel will den massiven Flächenverbrauch von über zehn Hektar pro Tag senken. Für ihn übt die Landwirtschaft einen hohen Flächendruck aus. Er stellt die Agrarförderung Infrage: „Ist das System erfolgreich oder muss es geändert werden?“ Milchpreise von 45 Cent je Liter – 1,30 Euro je Kilogramm Schweinefleisch; das reicht nicht zum Überleben. Billigfleisch und Billigmilch sind in den Augen des Umweltministers Mitverursacher des Artenverlustes.

Winfried Rusch (1. l.), Dr. Detlev Kröger (2. l.) und Rainer Gildhuis (3. l.) vom Arbeitskreis Artenvielfalt Kreis Coesfeld waren als Zuhörer bei der Konferenz dabei. (Foto hlm)

Die jüngere Generation der Landwirte ist sich über die Verantwortung zum Naturschutz bewusst. Das wurde durch Gespräche mit Landwirten am Rande der Konferenz deutlich. Sie suchen den Konsens und stecken dabei in der Zwickmühle, wie Gespräche mit Betroffenen am Rande der Konferenz ergaben. Landwirtschaftliche Großbetriebe müssen Mengen produzieren, um rentabel arbeiten zu können. Gerade Nordrhein-Westfalen hat aber die höchsten Grundstücks- und Pachtpreise, als marktwirtschaftliche Konsequenz aus Angebot und Nachfrage. Seit 2015 müssen alle landwirtschaftlichen Betriebe mit Ackerflächen von über 15 Hektar fünf Prozent davon als ökologische Vorrangflächen aus der intensiven Bewirtschaftung herausnehmen. Damit werden ökologische Rückzugsräume geschaffen. Das machen die Landwirte nicht kostenlos. Sie erhalten dafür die Greening-Prämie, wenn sie sich an die damit verbundenen Kriterien halten. Für einen Durchschnittshof im Münsterland mit einer Größe von 36 Hektar Betriebsfläche und rund 30 Hektar Ackerfläche macht das eine jährliche Förderung von 9693 Euro aus, wie eine Recherche der Coesfelder Nachrichten ergab.

Die Rückgewinnung von Flächen (Flächenrecycling) steht als Schlagwort beim Grünen Umweltminister auf dem Rezept. 80000 Flächen mit Altlasten gäbe es in NRW; 8000 Flächen davon seien bis jetzt bodensaniert. Um mehr Flächen und Raum für die Natur zu schaffen, müsse der Rückgang der Grünlandflächen aufgehalten werden. Notfalls per Gesetz. Sie sind wichtige Lebensräume unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten. Auch mit einem Vorkaufsrecht von Naturschutzflächen durch Umweltschutzorganisationen soll dem Flächenverbrauch eine Schranke gesetzt werden. „Statt Subventionen in Flächen, Flächen zur Sicherung kaufen“, so die Devise von Remmel.

Einen Kassenbeleg legt der Europa-Abgeordnete Martin Häusling vor: 40 Milliarden Euro koste der Verlust der Artenvielfalt; 50 Milliarden Euro Kosten für die Beseitigung von Stickstoffbelastungen in der Wasseraufbereitung; 53 Milliarden Euro leistet die EU Agrarsubventionen. „Das Geld wird genutzt, um Produkte billiger für die Weltmärkte zu machen“, so das Resümee des Grünen-Politikers. Für ihn braucht es dringend eine Reform der Agrarsubventionen. Nicht die Masse fördern, sondern die nachhaltige Landwirtschaft.

Dr. Michael Harengerd vom BUND rupfte den modernen landwirtschaftlichen Produktionsstätten verbal ordentlich die Federn. (Foto hlm)

Dr. Michael Harengerd (BUND) zoomt wieder zurück ins Münsterland. 212 Hektar illegale Ackerrandnutzung seien allein im Kreis Coesfeld kartiert. Randstreifen, die eine Pufferzone zur landwirtschaftlichen Nutzfläche bilden sollen. In anderen Kreisen sind die Größen nicht bekannt.

„Abwasserpilz: Eine bedrohte Art kehrt zurück“, steht als Überschrift zum Vortrag von Dr. Olaf Niepagenkemper. Er kämpft für saubere Gewässer im Münsterland. Die Bakterienkolonien, die sich als Lebensgemeinschaft zu pilzartigen Strukturen verbinden, gehörten lange Zeit der Vergangenheit an. Denn sie sind ein Indiz für eine schlechte Wasserqualität. Jetzt nimmt die Vielfalt wieder zu. Als Ursache lokalisiert der Gewässerfachmann punktuelle Einleitungen von Gärsäften und Silage aus Biogas- und Viehbetrieben. Lange Zeit hat er die Behörden erfolglos auf die Situation aufmerksam gemacht. Erst mit dem Gang an die Öffentlichkeit über die Medien sei eine Reaktion erfolgt. Vom Abwasserpilz befallen sei nicht die Berkel, aber einige Nebengewässer.

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Kommentar
von Hartmut Levermann

Wenig Meinungsvielfalt

Viele wichtige Punkte wurden auf die Agenda der vierten Artenschutzkonferenz angesprochen. Es wurde deutlich, dass eine Verantwortung nicht auf der einen oder anderen Seite liegt, sondern nur im gemeinsamen Prozess seinen Erfolgsweg finden wird. Da müssen wir uns als Verbraucher genauso an die Nase fassen und uns fragen: „Wollen wir den Weg der ständigen Verfügbarkeit von Nahrungsmittel zum billigen Kurs haben, oder können wir durch gezielten Verzicht mehr Wertschätzung erzielen und damit den eigenen Beitrag zum Naturschutz vom Tellerrand aus leisten?“

Was auf der Artenschutzkonferenz zu kurz kam: Mir fehlten ein oder zwei Referenten aus der Land- und Forstwirtschaft und der Lebensmittelindustrie. Deren Meinung und Verantwortungsbereitschaft zu hören, hätte die Meinungsvielfalt vergrößert.

„Kulturnacht, dass ist ein bisschen wie Weihnachten“

Vierte Kulturnacht wird zauberhaft

Gespannt ist der Verein Kulturnacht e.V. auf die kreativen Ideen für die vierte Kulturnacht bei der StartUp-Veranstaltung in Cafe Central. (Foto hlm)

Gespannt ist der der Verein Kulturnacht e.V. auf die kreativen Ideen für die vierte Kulturnacht bei der StartUp-Veranstaltung in Cafe Central. (Foto hlm)

• 24.02.16, 19.30 Uhr, Start-up im Café Central
• Jeder der Lust hat, kann mitmachen
• 24.09.16 startet die Kulturnacht
• Kunstraum um Jakobiwall ergänzt
• Late-Night-Party auf dem Marktplatz als Abschluss

Coesfeld, 15.02.16 (hlm). Coesfeld wird zauberhaft – geht es nach den Mitgliedern des Vereins Kulturnacht e. V. Denn unter dieses Motto haben sie die vierte Coesfelder Kulturnacht gestellt. Eben kein lautes und zentrales Kulturfest, sonder mit dem Titel soll inspirierende zurückhaltende Ruhe verbunden werden. Ein Kulturfest von Coesfeldern für Coesfelder. Entlang der Fußgängerzone, die sich zu einem einzigartigen Bühnenraum verkleidet und die erstmalig den Jakobiwall mit integriert. Dieser Raum soll etwas besonders werden. Zehn schwarze Pavillons hat der Verein extra für das Event angeschafft. Für besonders kreative Ideen, die vielleicht etwas mit Wasser zu tun haben. Denn schließlich verläuft hier parallel die Umflut. Bei der letzten Kulturnacht 2013 hatte der Künstler Josef Grösbrink „schwimmende Lichter in den Fluten“ installiert.

Mit welchen Veranstaltungen die Besucher der Kulturnacht diesmal beglückt werden, ist noch unbekannt. Auf jeden Fall bietet die Kulturmeile magische und verwunschene Kulissen. Ganz gespannt sind die Vereinsmitglieder er Kulturnacht schon auf die Start-up-Veranstaltung am 24.02.16, 19:30 Uhr, im Café Central. Alle Interessierten sind eingeladen, kreative Ideen zum Motto der Kulturnacht einzubringen. Bunt solle es werden. Georg Veit schmunzelt: „Es ist alles erlaubt, was sich im rechtlichen Rahmen bewegt.“

Auf die letzten drei erfolgreichen Kulturnächte blickt Sprecher Michael Banneyer zurück: „Kulturnacht, das ist ein bisschen wie Weihnachten.“ Alle Coesfelder arbeiten daran, ein wundervolles Fest vorzubereiten. Alle Coesfelder feiern die Kulturnacht und danach zehren die Menschen von den Erinnerungen. In diesem Jahr wollen die Veranstalter ab 23 Uhr zum Abschluss zu einer Late-Night-Party auf dem Marktplatz einladen. Da wird es noch so manches Überraschungsei geben, versprechen die Initiatoren.

Bereits bei vorherigen Veranstaltungen gab es schnelle Informationen über die sozialen Netzwerke. Das wird sich diesmal verstärken, mit der Präsenz auf Twitter und Facebook.

„Geld spielt keine Rolle“, witzelt Banneyer und meint damit, dass keine Gagen oder Honorare an die Kunstschaffenden gezahlt werden können. Das ist ein besonderes Markenzeichen der Coesfelder Kulturnacht. Dennoch entstehen große Kosten, die ohne den Sponsor, die VR-Bank Westmünsterland, nicht tragbar wären. Für Thomas Borgert, Sprecher des Bankinstitutes, war es von Anfang an klar das Projekt zu unterstützen.

Die Form der Route der Kulturnacht hat was von einem laufenden Männchen.

Samstagsmarkt neu und jetzt endgültig sortiert

Standplätze berücksichtigen Rettungswege Coesfeld, 09.02.16 (PM). Am Samstag, 13. Februar, beziehen die Händler des Coesfelder Samstagsmarktes ihre endgültigen Standplätze, teilt der Stadtmarketing Verein Coesfeld & Partner e.V. in einer Pressemeldung mit. „Wir haben gemeinsam mit Ordnungsamt und Feuerwehr einen Kompromiss erarbeitet“, informiert Dorothee Heitz, Geschäftsführerin. Der neue Standplan berücksichtigt die neu festgelegten Rettungswege und Aufstellflächen der…

Landgericht Münster bestätigt neue Eigentümer

Dülmen, 05.02.2016 (PM). Rund zwei Monate nach der Gläubigerversammlung können die neuen Wiesmann-Eigentümer Roheen- und Sahir Berry den Wiederaufbau der deutschen Sportwagenmarke einleiten. Das wurde nach der Zustimmung der Gläubigerversammlung zum Wiesmann-Verkauf am 2. Dezember 2015 vorerst durch den Widerspruch einer Einzelperson verzögert. Das Landgericht lehnte die Beschwerde in den letzten Tagen final ab. Die Kaufverträge sind nun rechtlich bestätigt. „Es wird wieder Sportwagen aus Dülmener Fertigung geben,“ kommentiert Anita Tatalovic, Geschäftsführerin der Wiesmann Automotive GmbH die nun bestehende Rechtssicherheit. Ende Ende 2016 will die Automanufaktur ein neues Fahrzeug vorzustellen, heißt es in der Pressemitteilung.

Jeder Asylbewerber erhält 330 Euro

Grundleistung geringer als Hartz IV-Satz Coesfeld, 01.02.16 (PM/hlm). Genau 330,14 Euro bekommt jeder Asylbewerber in Coesfeld an Grundleistungen. Damit bezahlt er Bekleidung, Essen, Hygieneartikel, Fahrkarten, Telefon- und Internetkosten sowie soziokulturelle Bedarfe und Konsumgüter. Der Satz liegt knapp 34 Euro unter dem Regelsatz, den die Bundesregierung mit 364 Euro festgesetzt hat. Die Kürzung kommt durch die kostenlose…

Es fehlt ein Haushaltswarenladen

Studenten vom Oswald-Nell-Breuning präsentieren ihre Studie Coesfeld, 26.01.16 (hlm). Mangel an Parkplätzen für Autos und Fahrräder, es braucht ein modernes Parkleitsystem, es fehlen Erholungspunkte und Ruhezonen für Jung und Alt, es braucht ein internationales gastronomische Angebot, die Öffnungszeiten sind in der Innenstadt nicht einheitlich und es fehlt das Angebot vonSpielzeug Haushaltswaren. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommen 15…

Bauentwurf an der Daruper Straße wird kritisch beäugt

Gestaltungsbeirat soll helfen Coesfeld, 22.01.16 (hlm). Auf der Ausschusssitzung Umwelt, Planen und Bauen am vergangenen Mittwoch (20.01.) gab es eine klare Mehrheit bei einer Gegenstimme: Das Erscheinungsbild der Alleestruktur stadteinwärts der Daruper Straße muss erhalten bleiben. Das parkähnliche Bild mit grünen Vorgärten und verdeckten Villen der 1920er bis 1950er Jahren sind prägend und einzigartig in Coesfeld. Für…

Speed-Dating auf Augenhöhe

Berufsorientierung am St.-Pius-Gymnasium • Erstmals beim Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ dabei • 20 Unternehmen stellen Ausbildungsberufe vor • Positive Rückmeldung von Schülerinnen und Schüler   Coesfeld, 19.02.16 (hlm). „Achte Klasse und dann schon Berufsberatung: viel zu früh!“ So kursiert eine pessimistische Meinung. Doch das erste Speed-Dating am St.-Pius-Gymnasium, auf dem 20 Unternehmen mit Schülern* ins Gespräch…

Neues Wohnbaugebiet in Lette

Bürgerbeteiligung zur Neuentwicklung im Letter Süden Informationsveranstaltung zur 73. Änderung des Flächennutzungsplanes am Dienstag, 26. Januar, 18.30 Uhr, Foyer der Kardinal-von-Galen-Schule Lette. Coesfeld, 14.01.16 (PM). Die Stadt Coesfeld lädt am Dienstag, 26. Januar, um 18.30 Uhr zur Bürgerversammlung in die Kardinal-von-Galen-Schule Lette ein. Anlass sind die Pläne für das Wohnbaugebiet Meddingheide. 2016 beabsichtigt die Stadt…

Bahnfahren wird zum 1.8. günstiger

Tarifausschuss hat zugestimmt Eventuell auch Fernbus ab Coesfeld Coesfeld, 21.12.15 (PM). In einer Pressemitteilung informiert die CDU, dass der Tarifausschuss Tarifgemeinschaft Münsterland der Herabstufung des Münsterlandtarifs für Coesfeld mit Wirkung ab 1. August 2016 zugestimmt hat. Somit wird Coesfeld im Münsterlandtarif von der Preisstufe 7 auf 6 herabgestuft. Das Bahnfahren auf der Strecke Coesfeld –…