Coesfeld für Familien

Am Donnerstag, 26.11.2009 lud das Netzwerk Familie – Arbeit – Mittelstand Münsterland ( FAMM) zur Fachveranstaltung „Familienfreundlichkeit als Standortfaktor für Kommunen“ in das WBK Coesfeld ein. Vertreter aus Politik und Wirtschaft, aber auch engagierte Bürgerinnen und Bürger informierten sich darüber, wie sich unser Kreis auf den Weg zu mehr Familienfreundlichkeit machen kann.

Herr Öhmann, Bürgermeister der Stadt Coesfeld, brachte in seinem Grußwort einen entscheidenden Wink: „Engagement ist die Triebfeder für Familienfreundlichkeit.“

Engagement hat eine Grundvoraussetzung: Die Identifikation. Nur wenn sich ein Mensch mit dem Thema identifizieren kann, ist er bereit Zeit dafür zu spenden. In dem Begriff Identifikation steckt aber auch die Identität. Diese Identität „Familienfreundlichkeit“ gilt es herzustellen. Ein wesentlicher Impulsgeber ist dabei die Kommune. Sie kann die Interessenidentität zwischen allen Beteiligten manifestieren. Die wichtigsten Mitspieler dabei sind die Familien. Sie müssen ihre Bedürfnisse artikulieren. Aber auch Bürgerinnen und Bürger ohne Kinder, Unternehmen und institutionelle Einrichtungen übernehmen keine Statistenrolle, sondern müssen in der Familienfreundlichkeit eine Wertsteigerung für unsere Region erkennen und sich aktiv beteiligen.

Leuchttürme gibt es im Kreis Coesfeld. Ein Beispiel ist die Textilkette Ernstings Family. 2002 eröffnete das Familienunternehmen die family-Kindertagesstätte in Coesfeld-Lette. Während die Mütter oder Väter im Betrieb arbeiten, werden die Kinder hier ganztägig betreut und versorgt. Öffnungs- und Schließzeiten des Kindergartens passen zur Arbeitszeit des Unternehmens. Neben diesem Angebot können Elternteile im Bedarfsfall in Gleitzeit oder Teilzeit arbeiten.

Ein weiteres Beispiel ist das Lokale Bündnis für Familien in Billerbeck. Es wurde 2008 gemeinsam von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft geschmiedet. Für Familien in Billerbeck soll es die Anlaufstelle für Beratung und Hilfe werden. Eine weitere Aufgabe sieht das Bündnis in der Vernetzung bereits vorhandener Ressourcen.

Aber wie ist das Gesamtbild der Familienfreundlichkeit im Kreis Coesfeld?

Im Familienatlas 2007 sind Indikatoren für Familienfreundlichkeit in vier Handlungsfelder zusammengefasst worden. 439 Städte und Kreise der Bundesrepublik hat die Prognos AG anhand dieser Kriterien überprüft. Für den Kreis Coesfeld stellt sich die Situation so dar:

• Bildung und Ausbildung: Rang 401
• Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Rang 364
• Wohnungssituation und Wohnumfeld: Rang 157
• Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche: Rang 100

Ein wichtiger Punkt für Familien ist die Bildung und Ausbildung. Der Kreis Coesfeld hat, bei der durchschnittlichen Klassengröße in der Primarstufe, den Platz 428 belegt. Das ist fast das Schlusslicht. In der Zukunft kann sich Coesfeld sicherlich durch die demografische Entwicklung in den kommenden Jahren positiver positionieren. Aber steigert das die Qualität der schulischen Ausbildung?

Bei „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ fällt insbesondere die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (Rang 356) und das Betreuungsangebot von unter Dreijährigen (Rang 351) negativ ins Gewicht. Auch bei den Ganztagsbetreuungsangeboten in Kindergärten spielte Coesfeld 2007 nur im Mittelfeld mit (Rang 288).

Die Ergebnisse liegen nun zwei Jahre zurück. Der Kreis Coesfeld hat sich in der Zwischenzeit auf den Weg gemacht und das Betreuungsangebot für Kindergartenkinder verbessert. Doch die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt kann die Kommune nicht verbessern. Hier müssen sich andere Institutionen bewegen.

Einen Lichtblick gibt es im Familienaltlas 2007. Der Kreis Coesfeld ist bei Freizeitangeboten gut aufgestellt. Zwar ist die Jugendarbeit personell unterbesetzt (Rang 301), aber im Bereich Sport, Musik und Bibliothek hat Coesfeld ein gutes Angebot für Kinder und Jugendliche. Aber wir müssen achtgeben, dass dieses Angebot in der Zukunft erhalten bleibt. Jetzt, wo sich die Schulen auf den Weg zum Ganztagsbetrieb machen, gilt es die Vereine in den Prozess mit einzubinden. Interessenidentiäten zwischen Vereinen und Schulen aufzubauen, dass könnte in unserem Kreis Coesfeld ein wichtiges Handlungsfeld werden.

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