Der Teppich ist schon ausgerollt

Vorbereitungen zur Aufnahmen weiterer Flüchtlinge laufen

• Breites Verständnis für die Situation
• Sportvereine suchen nach alternativen Angeboten
• Meisterschaften werden verlegt

Coesfeld, 16.09.15 (hlm). Die Meldung, dass eine weitere Notunterkunft in Coesfeld eingerichtet wird, kam überraschend. Die Entscheidung der Bezirksregierung und der Stadt Coesfeld, die Dreifachturnhalle für die Hilfe suchenden Menschen zur Verfügung zu stellen, stößt bei allen unmittelbar betroffenen Institutionen auf Verständnis. In der Turnhalle ist der Teppich für die eintreffenden Flüchtlinge bereits ausgerollt. Andere Einrichtungsgegenstände und Hilfsmittel werden zügig herbeigeschafft.

Selbst an Kleinigkeiten wird bei der Vorbereitung der Notunterkunft gedacht. (Foto Hartmut Levermann)

Selbst an Kleinigkeiten wird bei der Vorbereitung der Notunterkunft gedacht. (Foto Hartmut Levermann)

Für die Schulleiterin des Nepomucenums, Andrea Angela Bülo, geht es zunächst um Menschen, die Hilfe suchend in Coesfeld Station machen. Die Anforderungen, die sich daraus für den Schulbetrieb ergeben, will sie nicht überstürzt mit Aktionismus angehen. Sie setzt auf Ruhe und Gelassenheit: „Lehrer und Schüler an unserer Schule sind gewohnt, in engen Strukturen kreativ zu arbeiten.“ Auf der einen Seite sieht sie die positive Willkommenskultur, mit denen den Menschen begegnet wird. Aber sie zeigt auch auf eine – noch notwendige – Integrationskultur. Ähnlich argumentiert die Schulpflegschaftsvorsitzende des Gymnasiums, Sigrid Mülder. Sie sieht zunächst die menschliche Perspektive: „Die Menschen, die aus den Krisenregionen geflüchtet sind, sollen hier in Deutschland Hilfe von uns erfahren – als Willkommenskultur.“ In Ruhe sollen Lösungen für die Integration in den Schulalltag gefunden werden.

Für die Sportvereine stellt sich eine große organisatorische Aufgabe. Mit Beginn der Herbstferien werden die sportlichen Aktivitäten nach und nach von draußen nach drinnen verlegt. Bisher ließ sich das in den Fahrplan mit den Hallensportarten integrieren. Durch die Schaffung der Notunterkunft müssen bei der Sportgemeinschaft Coesfeld 06 (SG 06) für 25 Gruppen in fünf Sportarten alternative Angebote gefunden werden. Patrick Steinberg, Organisator bei der SG 06: „Wir versuchen Trainingszeiten zu verkürzen, um damit in anderen Turnhallen Zeitlücken zu schließen.“ Die Sportgemeinschaft sieht sich auch in der Funktion des Integrationshelfers – mit Sportangeboten für Flüchtlinge.

Die Umnutzung der Turnhalle trifft nicht nur Trainingsangebote. Es stehen Ligaspiele der Handballer der DJK VBRS Eintracht Coesfeld (DJK) auf den Plan. Dass die Unterbringung der Flüchtling Vorrang vor dem Freizeitsport hat, ist für Thomas Bücking außer Zweifel. „Aber beim Trainingsbetrieb wird es zunächst einige Einschränkungen geben. Teilweise wird er vielleicht auch bis zur Fertigstellung der Pictoriushalle ausfallen müssen. Doch die Probleme gehen wir jetzt erst der Reihe nach an. Erst der Meisterschaftsbetrieb und dann der Trainingsbetrieb“, so Abteilungsleiter Bücking. Michael Laukamp, Geschäftsführer der DJK untermauert es: „Gerade für die Handballer braucht es Kompromisswege.“ Für ihn ist es verständlich, dass die Halle für die Versorgung der Flüchtlinge am besten geeignet ist, vor allem logistisch. Vereinzelt gab es Beschwerden von Vereinsmitgliedern, die längere Zeit Sportangebot nicht nutzen konnten. Aktuell versucht der Sportverein durch Trainingsverlegungen und, wenn es nicht anders möglich ist, Trainingsausfall, die Situation zu überbrücken. Sowohl für die SG 06, wie auch für die DJK ist es klar: Es braucht gemeinsame Lösungen. So könnten ungenutzte Hallenzeiten, zum Beispiel am Wochenende, genutzt werden. Laukamp appelliert an die gegenseitige Rücksichtnahme der Vereinsmitglieder untereinander: „Ältere Spieler können den jüngeren Vortritt in den anderen zur Verfügung stehenden Hallen lassen.“

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