„Für meine Kinder kommt die Gesamtschule wahrscheinlich zu spät“

Coesfeld, 28.04.15 (hlm). Letzte Woche gab es auf der Sitzung des Ausschusses Kultur, Schule und Sport eine kleine Sensation: Nicht nur, dass sich 1123 von 1359 Grundschul-Eltern zur Zukunft der Coesfelder Schullandschaft geäußert hatten. Auch haben sich von den Viertklässlern jedes dritte Elternteil eine Gesamtschule für Coesfeld gewünscht. Bei den Zweit- und Drittklässlern bekennen sich sogar über 40 Prozent zu dieser alternativen Schulform.

Ergebnis der Befragung unter Grundschuleltern für eine Gesamtschule in Coesfeld. (Quelle: Bildung und Region, Bonn 2015)

Ergebnis der Befragung unter Grundschuleltern für eine Gesamtschule in Coesfeld. (Quelle: Bildung und Region, Bonn 2015)

Vor fast genau vor einem Jahr hat eine Elterninitiative mit einer Liste von 140 Unterschriften an die Tür des Bürgermeisters geklopft.

Andrea Schöning, eine der damaligen Initiatorinnen, äußert sich zum aktuellen Befragungsergebnis: „Das war ein voller Erfolg. Mit der Unterschriftenaktion haben wir den Weg zur Befragung geöffnet und eine Anregung an den Rat gegeben.“ Die Initiatorinnen hätten nie gedacht, dass die Gesamtschule in Coesfeld so ein emotionales Thema sei. In einem Interview zu seiner Verabschiedung äußerte sich der damalige Schulleiter des Nepomucenum, Rüdiger Bamberg: „Einheitsschulen sind hier in der Region ganz klar Restschulen.“(Allgemeine Zeitung vom 24.Juni 2014)

Schöning entkräftet dieses Argument mit den Ergebnissen der Befragung: „Rechnet man die 17 Prozent an Befürwortern der Sekundarschule, mit einer absoluten Zahl von 55 Schülern, zu jenen 30 Prozent dazu, die pro Gesamtschule gestimmt haben, dann ergibt das eine Schülerzahl von 150. Das sind so viele, dass es für sechs Züge reichen würde.“

Via What’s App meldet sich Stefanie Meinken, eine weitere Initiatorin der Elterninitiative, mit einem Statement zu Wort: „30 Prozent der befragten Eltern wünschen sich die Gesamtschule für ihr Kind – und das entgegen der vorherigen Einschätzung von politischer Seite, dass die Eltern zufrieden mit dem bestehenden Angebot seien. Wir erwarten, dass das Versprechen, Eltern ernst zu nehmen, aufgegriffen und umgesetzt wird.“

Andrea Schöning: „Für meine Kinder kommt die Gesamtschule wahrscheinlich zu spät, aber ich glaube, dass diese Schulform den Anforderungen an eine moderne Lernumgebung gerechter wird.“ Es ergebe keinen Sinn, die Kinder nach der vierten Klasse in ein differenziertes Schulsystem zu stecken, das nur eine Abwärtsbewegung kenne und eben nicht in beide Richtungen durchlässig sei. Das jetzige Schulsystem erlaube es nicht, dass eigene Tempo des Kindes zu berücksichtigen. „Sie müssen nur funktionieren“, ist Schönings Meinung.

Für die Mutter von drei Kinder bietet die Gesamtschule offenere Entwicklungschancen: „Da wird eben nicht direkt abgestempelt.“ Erfahrungen hat sie mit der Billerbecker Gemeinschaftsschule gemacht. Dort entwickelt sich der älteste Sohn, nach Startschwierigkeiten in einer Regelschule, ganz positiv.

Auf Facebook hat die Elterninitiative eine Informationsplattform für eine Gesamtschule in Coesfeld eröffnet und lädt zur sachlichen Diskussion ein.

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