„Wollen nicht das dreigliedrige Schulsystem abschaffen“


Leserbrief

von Stefanie Meinken (Coesfeld)


zur Darstellung der Anmeldezahlen an den weiterführenden Schulen in einem Artikel der Allgemeinen Zeitung und der Elterninitiative zur Gründung einer Gesamtschule.

Es gibt Eltern, die wünschen sich eine buntere Schullandschaft in Coesfeld und hatten sich 2014 dafür eingesetzt. (Foto hlm)

Herr „Dr. Robers sieht die Entscheidung für das dreigliedrige Schulsystem der Stadt mit dem Anmeldeverhalten (der Eltern) bestätigt“ – aha…!? „Andersrum wollen nur drei Coesfelder die Gemeinschaftsschule in Billerbeck besuchen und einer die Gesamtschule in Gescher“.

Die Redakteurin und Kommentatorin zum Artikel „Realschulen im Aufwind“ in der Allgemeinen Zeitung vom 25.02.16 stellt fest: Das dreigliedrige Schulsystem hat „gepunktet“ und das „allen Unkenrufen zum Trotz“. Außerdem meint sie: „Die Coesfelder ’nutzen aber auch nicht solche Angebote‘ in den Nachbargemeinden […].“

Um es noch einmal deutlich zu machen: Die Coesfelder Eltern die sich für ihre Kinder in ihrem Heimatort eine Gesamtschule wünschen, wollen nicht das dreigliedrige Schulsystem abschaffen! Dieses haben wir immer wieder deutlich zum Ausdruck gebracht. Was wir uns wünschen ist (nach wie vor) eine Alternative!
Eine Alternative, die es unseren Kindern erlaubt, länger gemeinsam zu lernen. Sich nicht schon nach der vierten Klasse für eine Schulform entscheiden zu müssen. Auch ein Spätzünder sein zu dürfen, ohne in der Konsequenz einer Leistungsveränderung nach wenigen Schuljahren erneut einen Schulwechsel vollziehen zu müssen. Was wir uns für unsere Kinder mit einer gymnasialen Empfehlung wünschen: sich für ihr Abitur neun Jahre Zeit nehmen zu können.

Zu den Alternativen in den Nachbarorten: Die Kinder, die die Gemeinschaftsschule in Billerbeck besuchen, haben einen langen Tag: Um 7.00h verlassen die Buskinder das Haus, ab ca. 16.15h kommen sie wieder nach Hause. Nicht so ganz einfach, danach noch Freunde und Freizeit unterzubringen. Für die Kinder, die mit einer gymnasialen Empfehlung dorthin wechseln und diesen Lernweg dort weiter gehen, steht ebenfalls nach der 10. Klasse ein Schulwechsel auf ein Gymnasium an. Auch Schüler die nach Gescher wechseln, nehmen einen langen Tag in Kauf. All dies überlegen sich Eltern und Kinder tatsächlich sehr genau!
Und – nachvollziehbar – ist der Gedanke dann: Warum in die Ferne schweifen – wir haben doch auch hier Schulen. Daraus aber umgekehrt allgemeingültig zu schließen, dass Eltern einen ausdrücklichen Zuspruch zum bestehenden System bekunden…!?

Bei der offiziellen Befragung im März letzten Jahres sprachen sich 30 Prozent der Eltern mit Schulkindern aus der vierten Klasse (entspräche ca. 95 Kindern) bei einer Befragung im Rahmen der Fortführung des Schulentwicklungsplans für eine Gesamtschule aus. Diese Tatsache findet sich weder im Artikel noch dem zugehörigen Kommentar.

Dass aber die Hälfte der gymnasialen Anmeldungen für dieses Jahr (127) aus den Nachbarorten kommen, wird ausdrücklich erwähnt. So wie fast ein Viertel der zukünftigen Realschüler. Schließe ich daraus dann jetzt, dass für die Coesfelder Schulpolitik Wünsche auswärtiger Bürger eine höhere Rolle spielen als die der eigenen?

Wir gehören selber zu den Eltern, die sich im letzten Jahr für eine weiterführende Schule entscheiden mussten. Gäbe es in Coesfeld eine Gesamtschule, hätten wir uns diesen Weg für unser Kind gewünscht. So aber haben tatsächlich die Argumente der Wohnortnähe, der langen Außer-Haus-Zeiten und letztendlich auch der Freundschaften, die sich nun mal in Coesfeld zentrieren, überwogen. Und – wir haben ja auch in Coesfeld gute Schulen! Was nie jemand in Abrede gestellt hat! Trotzdem dürfen wir über diesen „langbewährten“ Tellerrand blicken und uns etwas anderes wünschen!
Nicht so laut Herrn Dr. Robers: Habe ich doch mit meiner Anmeldung an einer Coesfelder Schule einen „deutlichen Zuspruch“ zum bestehenden System ausgedrückt. Na dann, wenn mal alles so klar und einfach wäre…!

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