Das dreigliedrige Schulsystem bleibt

Coesfeld, 11.08.15 (hlm). Im heutigen zweiten und letzen Teil des Interviews mit Bürgermeister Heinz Öhmann geht es vor allem um die Stadtentwicklung, Haushalt, Bildung und den ländlichen Herausforderungen.

Der amtierende Bürgermeister Heinz Öhmann will gerne seine angestoßenen Projekte zu Ende bringen. (Foto hlm)

Der amtierende Bürgermeister Heinz Öhmann will gerne seine angestoßenen Projekte zu Ende bringen. (Foto hlm)

Wird es noch in diesem Jahr eine Lösung für das innerstädtische Parkproblem geben?
Öhmann: Nun, wenn es um Grundstücksverhandlungen geht, ist eine abschließende Antwort immer mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Aber: Mein vorrangiges Ziel ist, die Errichtung eines Parkhauses in der Betreiberschaft der Bäder- und Parkhausgesellschaft der Stadt an der David-Strasse zu erreichen. Es liegt ein vom Eigentümer beauftragtes Wertgutachten vor. Das Ergebnis ist gegengeprüft. Auf der Basis wird nun verhandelt. Ich sehe realistische Chancen der Einigung. Falls wir nicht zum Abschluss kommen haben wir – auch wenn das stadträumlich gesehen nicht ganz ideal ist – eine andere Möglichkeiten an der Mittelstraße. Ich bin aber optimistisch für einen Abschluss an der Davidstraße.

Wird es mit Ihnen weiter Spielplatzschließungen geben?
Öhmann: Nein. Die Notwendigkeit ergibt sich nicht, weil wir jetzt ein System mit Kinderspielplätzen haben, das ausgewogen über der Stadtgebiet verteilt ist. Diese vorhandenen Spielplätze sollen gleichzeitig interessant ausgestattet sein. In den meisten Fällen ist dies gegeben.

Nun hat der Haushalt nach aktuellen Berechnungen ein höheres Defizit als geplant. Der Grund: die größere Zuweisung von Flüchtlingen. Welche Konsequenzen wird das zukünftig für Coesfeld haben?
Öhmann: Zunächst möchte ich feststellen, dass in meiner Verantwortung und meinen klaren Zielvorgaben, der städtische Haushalt zukunftssicher gemacht worden ist. Sichtbarstes Kennzeichen ist die Reduzierung der Schulden von 30 auf etwa 20 Mio. €. Gleichzeitig wurden – das nenne ich vorausschauende Finanzpolitik – fondsgebundene Rücklagen gebildet, um z.B. die Pensionslasten in 20, 30 Jahren wirksam abzumildern. Konkrete Konsequenz ist natürlich, dass wir bei den übrigen Ausgaben weiterhin sehr zurückhaltend sein müssen. Allerdings erwarte und fordere ich vom Land und vom Bund, dass sie die staatliche und nicht kommunale Aufgabe der Flüchlingsunterbringung, die wir vor Ort natürlich organisieren müssen, mit entsprechenden Finanzmitteln unterlegt werden, damit die Kommunen finanziell darauf nicht hängenbleiben.

Wie beteiligt sich Coesfeld an der Energiewende?

Windräder, wie am Coesfelder Berg, wachsen wie Pilze aus dem Boden. (Foto hlm)

Windräder, wie am Coesfelder Berg, wachsen wie Pilze aus dem Boden. (Foto hlm)

Öhmann: Aktuell geschieht dies in umfassender Form durch die Schaffung einer Planungsgrundlage (Flächennutzungsplan u. Bebauung-Plan) für zusätzliche Windenergieanlagen. Gleichzeitig wird die Arbeit an der energetischen Erneuerung unserer vielen städtischen Gebäude fortgesetzt. Und: in den letzten Jahren haben wir als Planungs- und Bauordnungsbehörde eine Vielzahl von regenerativen Anlagen im Stadtgebiet forciert. Bei der Photovoltaik zählen wir mittlerweile über 1000 Anlagen. Im Ergebnis kommt fast 50% der eingespeisten Strommenge in Coesfeld aus EEG-Anlagen im Stadtgebiet und das bei einem sehr großen Strombedarf unserer Industriebetriebe. Die installiert Leistung beträgt sogar fast 70 %.

Wird es unter ihrer Führung eine Sekundarschule oder Gesamtschule geben?
Öhmann: In den vergangenen Jahren haben wir sehr viel unternommen, um die Qualität unserer Schulen weiter zu steigern. Fast alle Schulgebäude sind weitgehend energetisch saniert. Die Ausstattung mit Fachunterrichtsmaterial ist verbessert, Ganztagsschulen (Nepomucenum u. Theodor-Heuss-Realschule) sind eingerichtet. Weil in den Nachbargemeinden die Schullandschaft umgebrochen wurde, ist mit deutlicher Mehrheit im Rat richtigerweise beschlossen worden, zunächst dieses gegliederte Schulsystem in der Coesfelder Ausprägung nicht zu verändern. In einer Elternbefragung ist eine hohe Zufriedenheit mit diesem Angebot festzustellen. Die hohe Anerkennung unserer Schulen wird auch dadurch deutlich, dass aus den Nachbargemeinden steigende Schülerzahlen insbesondere in unsere Realschulen kommen. Daher sehe ich nicht die Notwendigkeit, politisch vielleicht sogar aus ideologischen Gründen gut funktionierende Schule zu schließen. Denn: Bei Einführung einer Sekundarschule oder einer Gesamtschule ist die Hauptschule, eine Realschule und ein Gymnasium wahrscheinlich zu schließen. Solange insbesondere unsere Hauptschule in Zukunft noch angenommen wird, sehe ich keine Notwendigkeit für so folgenreiche Entscheidungen.

Wie wird sich in unserem ländlich geprägten Raum der ÖPNV entwickeln?
Öhmann: Die ÖPNV-Entwicklung ist entscheidend davon abhängig, ob weiterhin Land und Bund eine vernünftige Grundausstattung im ländlichen Raum haben wollen und damit auch finanzieren. Hier besteht die Gefahr, eines Rückzuges aus der Fläche.

Mit dem ehrenamtlich geführten Bürgerbus werden abgelegenere Bereiche im ländlichen Umfeld von Coesfeld an den ÖPNV angeschlossen. (Foto hlm)

Mit dem ehrenamtlich geführten Bürgerbus werden abgelegenere Bereiche im ländlichen Umfeld von Coesfeld an den ÖPNV angeschlossen. (Foto hlm)

Das müssen wir in der Gemeinschaft der ländlichen Kommunen verhindern. Bislang haben wir ein vergleichsweise zu anderen Kommunen im Münsterland gutes Angebot, weil Coesfeld „Knotenpunkt“ von Bus und Schiene ist. Außerdem ist den rd. 30 ehrenamtlich Aktiven im neugegründeten Bürgerbus-Verein zu danken, dass sie ein neues Angebot für Goxel, Lette aber auch die Innenstadt geschaffen haben. Persönlich unterstütze ich das durch meine Vereinsmitgliedschaft.

Wie sieht die Berkel für Besucher und Touristen in den nächsten Jahren unter ihrer Leitung aus?

Ein Ziel des Konzeptes BerkelStadt ist es, die Berkel erlebbarer zu gestalten. Ein Zweites, der Wasserökologie mehr Raum zur Entfaltung zu geben. (Foto hlm)

Ein Ziel des Konzeptes BerkelStadt ist es, die Berkel erlebbarer zu gestalten. Ein Zweites, der Wasserökologie mehr Raum zur Entfaltung zu geben. (Foto hlm)

Öhmann: In einem sehr umfassenden Bürger-Beteiligungsprozess haben wir interessante Vorschläge und Vorplanungen entwickelt, die nun konkretisiert werden und dann ab dem kommenden Jahr umgesetzt werden sollen. Wir beginnen mit der Umgestaltung der sogenannten Natur-Berkel und der Neugestaltung des „Schlossparkes“. Für Besucher und Touristen aber auch für die Menschen, die in Coesfeld wohnen, werden die Maßnahmen eine neue Atmosphäre in die Stadt bringen.

Anmerkung: Die Interviewfragen wurden von der Redaktion formuliert und dem Bürgermeisterkandidaten Heinz Öhmann zugesendet. Für die Beantwortung bedankt sich Redaktion. Die Links in dem Artikel wurden nachträglich redaktionell eingefügt.

Die Allgemeine Zeitung lädt zu einem öffentlichen Rededuell am Mittwoch (19.8.) um 19 Uhr in die Aula des St.-Pius-Gymnasiums ein. Noch bis Freitag (14.8.15) gibt es Gelegenheit, für den Abend Fragen an den Amtsinhaber, Heinz Öhmann (r.), und seinen Herausforderer, Rainer Lagemann, an coesfeld@azonline.de zu schicken.

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