Klassengrößen an Coesfelder Schulen

Die Schülerzahlen in Coesfeld sinken von Schuljahr zu Schuljahr. Das ist keine Neuigkeit mehr. Auch nicht neu ist, dass die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen mit einer Einstellungsoffensive Lehrpersonal an die Schulen geholt hat. Der ersten Empfindung nach sollte dieses zu einer Reduzierung der Schüler pro Klasse führen.

Landesweit haben sich in allen Schulformen, ohne Sonder- bzw. Förderschulen und berufsbildenden Schulen, Klassengrößen von 18 bis 30 Schülern etabliert. Aber im Schuljahr 2008/2009 gibt es im Kreis Coesfeld einen Trend zur Vergrößerung der Klassen mit mehr als 30 Schülern. Davon betroffen sind insbesondere die Realschulen. Die Anzahl von Klassen mit 31 bis 35 Schülern ist, im Vergleich zum Vorjahr, um 8% gestiegen.

Veränderung der Klassengröße in Realschulen bis Klasse 10

Wie kommt es zu diesem Widerspruch?

Mit Ausnahme der Gymnasien hat die Einstellung neuer Lehrerinnen und Lehrer nur im geringen Umfang die Anzahl besetzter Stellen erhöht. Dieses zeigt der Vergleich der besetzten Stellen an den Schulen in den Schuljahren 2005/2006 bis 2007/2008. Ein weiterer Grund für die Vergrößerung der Klassen ist bei der Verteilung der Schüler auf die drei Schulformen zu finden. Seit dem Schuljahr 2008/2009 besuchen über 8% weniger Schüler die Hauptschulen im Kreis Coesfeld. An Realschulen und Gymnasium steigen die Schülerzahlen. Vor allem die Gymnasien haben im Vergleich zum Vorjahr im Schuljahr 2008/2009 so viele Schüler dazu bekommen, dass sich damit zwei Klassen füllen ließen. Dennoch stieg die Klassengrößen nicht erheblich. Denn in den Gymnasien des Kreises wurden in den Jahren 2005 bis 2008 über 30 Lehrerstellen mehr besetzt.

Veränderung der Klassengröße in Gymnasien bis Klasse 10

An den Realschulen sieht das Bild etwas anders aus. Die Schülerzahl stieg leicht an. Aber die Anzahl der besetzten Lehrerstellen veränderte sich in den Jahren 2005 bis 2008 nur marginal. Die Schulleiter können nur mit größeren Klassen das Mehr abfangen. Aber gewollt sind kleinere Klassen, um die Lernerfolge zu verbessern und individuelle Förderung zu ermöglichen. Dieses Ziel will der Nordrhein-Westfälische Ministerpräsident Norbert Rüttgers in der nächsten Legislaturperiode erreichen. Das allein ist nicht das Heilmittel. Frau Dr. Grit im Brahm (geb. Arnhold) hat in der Dissertation „Kleine Klassen – große Klassen? Eine empirische Studie zur Bedeutung der Klassengröße für Schule und Unterricht.“ herausgestellt, dass die Qualität des Unterricht nicht allein durch die Anzahl der Schüler in einer Klasse bestimmt wird. Bereits in ihrer Veröffentlichung „Die Bedeutung der Klassengröße. Diskussionslinie für Schule und Unterricht.“ vertritt sie die Position, dass positive Effekte kleiner Klassen nur dann eintreten, wenn Lehrkräfte die zusätzlichen Ressourcen nutzen, zum Beispiel durch eine individuelle Förderung der Schulkinder. (1)

Schülerzahlen in den Coesfelder Schulen

Besetze Lehrerstellen an den Coesfelder Schulen

(1) Grit Arnhold: „Die Bedeutung der Klassengröße. Diskussionslinie für Schule und Unterricht.“ Essener Unikate 24/2004, Seite 20ff.

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