Kleine Gesamtschule denkbar

Für eine große Gesamtschule reicht es nicht

Coesfeld, 03.11.15 (hlm). Fast jedes zweite Coesfelder Elternteil wählt als schulische Weiterführung für das Kind die Realschule. Ein außergewöhnliches Verhalten, findet Gutachter Huberts Schober (Projektgruppe Bildung + Region), der die Feder für die Fortschreibung des Schulentwicklungsplans führt. Dieter Goerke (Aktiv für Coesfeld) nennt Coesfeld gar ein kleines gallisches Dorf bei der Schulentwicklung. Im Landestrend nimmt die Akzeptanz zur Realschule stetig ab und liegt bei gut 20 Prozent. Aber reicht das, um die Coesfelder Schulen im Bestand zu sichern? Nach Auffassung des Schulexperten, der seine Ergebnisse dem Ausschuss Kultur, Schule und Sport am Dienstag (3.11.15) vortrug, ja – vorläufig. Langfristig wird sie sich durch die sinkenden Schülerzahlen SchulePro_figuren
konzentrieren. Für die Hauptschule sieht er auf die Dauer keine Perspektive. Da fragt sich Hermann-Josef Vogt (SPD), ob sich die Investitions- und Unterhaltungsmaßnahmen der Kreuzschule auf das Notwendigste beschränkt sollten.

Eine Gesamtschule benötigt für den Start 100 Schüler. Bei der Befragung im März dieses Jahres sprachen sich 30 Prozent der Eltern mit Schulkindern aus der vierten Klasse für eine Gesamtschule aus. Das entspräche 95 Kinder. „Das ist grenzwertig“, so Schober. SPD-Mann Vogt hätte gerne für das Schuljahr 2016/2017 als „sportliches Ziel“ eine Gründung gesehen. Als realistische Zielmarke setzt er 2017/2018.

Schober bringt das Modell einer kleine Gesamtschule ins Spiel. Die insgesamt sechszügige Schule könne an zwei Standorten aufgebaut werden. Eine Chance für eine Nachbargemeinde mit Coesfeld zu kooperieren und ihre Schullandschaft zu halten oder zu verbessern. Einer der beiden böte zusätzlich das Abitur an. Skepsis bei Dr. Bernhard Kewitz (CDU): „Eine weitere Oberstufe in Coesfeld bei sinkender Übergangsquote von Schülern – ist das möglich?“ Auf lange Sicht gesehen – ja. Kurzfristig betrachtet – nein, da sich die Altersgruppe der 16 bis 20-Jährigen in den kommenden zwölf Jahren um fast die Hälfte verringern wird, so die Bevölkerungsprognose des Gutachters. Das durch eine Neugründung einer Gesamtschule bestehende Schulen schließen müssen, glaubt Schober nach seinen Erfahrungen nicht. Die Lösung „Kleine Gesamtschule“ könne realistisch werden, wenn die Schulen in den Nachbargemeinden in den demografischen Druck geraten.

Die Akzeptanz bei den Eltern gegenüber einer Gesamtschule steigt landesweitDemo2 auf 15 Prozent. Die Schulform ist mit den Anfängen aus den 1970er Jahren nicht vergleichbar. Bis zur Einführung der verkürzten Abiturphase (G8) konkurrierte sie mit den klassischen Gymnasien. Seither bietet sie, mit dem Abitur in drei Jahren, eine Alternative für das Turboabitur. „Eltern suchen Bildungsangebote mit vielen Abschlussmöglichkeiten ohne schulischen Wechsel“, so der Schulexperte Schober. Eigenschaften, die eine Gesamtschule böte. Entscheidet sich ein Schüler mit seinem qualifizierten Abschluss für den Weg zum Abitur am klassischen Gymnasium, würde er in die zehnte Klasse einsteigen. „Das entspräche G9, wie bei der Gesamtschule“, widerspricht Dr. Kewitz, Lehrer an einem Dülmener Gymnasium, der Ansicht des Gutachters. Für Schober ist die Wiederholung einer Klasse eine psychische Kopfsache.

Gedanken zu den Auswirkungen einer Gesamtschule auf die Schullandschaft machen sich auch Martina Vennes und Annette Bischoff von Pro Coesfeld. Sie wollen mehr über die Übergangsquote von Schülern zu den Berufskollegs erfahren. Denn auf das Bildungsangebot Abitur plus Berufsausbildung greifen immer mehr Jugendlichen zurück. Zahlen dazu hat Schober aktuell nicht in der Tasche. Da diese Schulen in der Trägerschaft des Kreises sind und ein großes Einzugsgebiet haben, müssen die Daten über Schulkinder aus Coesfeld explizit ausgewertet werden. Dezernent Dr. Thomas Robers will die Schulleitungen der Berufskollegs direkt ansprechen.

Einstimmig fast der Ausschuss den Beschluss, dass die Verwaltung auf Basis des vorgestellten Schulentwicklungsplans Gespräche mit den Leitungen der weiterführende Schulen, die in Trägerschaft der Stadt sind, führt und die Ergebnisse dem Ausschuss zur weiteren Beratung vorlegt.

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