Letteraner bekennen sich zur Bekenntnisschule

Kardinal-von Galen-Schule wird keine Gemeinschaftsschule

Ein paar wenige Letteraner verfolgen die öffentliche Stimmenauszählung zur Umwandlung der Letteraner Grundschule in eine Gemeinschaftsschule. (Foto hlm)

Lette, 31.01.17 (hlm). „Reicht nicht“, blickt kritisch Schulpflegschaftsvorsitzender Jürgen Sicking. Rechts der Stapel mit den Nein-Stimmen, links der Stapel mit den Ja-Stimmen. Beide sind fast gleich hoch. Nicht mehr lange und das Ergebnis wird offiziell verkündet. Zehn weitere BürgerInnen und drei Lehrer der Schule verfolgen die Auszählung. Dr. Thomas Robers, Dorothee Heitz und Christian Fleige, die helfenden Hände von der Coesfelder Stadtverwaltung, zählen: 74 Stimmen für eine Gemeinschaftsschule, 87 für den Erhalt als Bekenntnisschule, 4 ungültige Stimmen. Ein Quorum von mindestens 105 Stimmen wäre notwendig gewesen, um eine Umwandlung auf dem Weg zu bringen. Das ist nun Geschichte

„Für das ausgeglichene Quorum haben die Nichtwähler gesorgt“, kommentiert Schulleiterin der Kardinal-von-Galen-Grundschule, Sabine Schäfer, das Ergebnis. Einen Dank richtet sie an die Eltern für die große Teilnahme. 80 Prozent haben sich an der Wahl beteiligt. Insgesamt wurden 165 von 208 Stimmen abgegeben. Für die Grundschule wird sich nichts ändern. Es bleibt alles, wie gehabt. Zum katholischen Religionsunterricht wird es kein Alternativangebot geben.

An der Schule sind 12 evangelische Schüler-/innen angemeldet. Sie hätten laut Schulgesetz einen Anspruch auf eigenen Religionsunterricht. Anbieten kann die Schule das nicht. Das Kontingent an Lehrerstunden ist voll ausgeschöpft. Es ginge durch Streichung bei anderen schulischen Angeboten. „Das will niemand“, so die Schulleitung. Coesfeld hat im Vergleich zu anderen Städten eine Sonderposition. Mit der evangelische Martin-Luther-Schule besteht ein Angebot vor Ort. Eltern, die ihre Kinder nach dieser Glaubensrichtung unterrichtet haben wollen, können diese Schule wählen. So ist die Auffassung von Frau Schäfer. Eine Erstattung der Kosten für den Schulbus wird es nicht geben. Die nächst gelegene Grundschule für die Letteraner ist die Kardinal-von-Galen-Schule vor Ort. Wie die Stadt Coesfeld in einer Mail am 01.02.17 mitteilt, würden die notwendigen Schülerfahrtkosten zur evangelischen Bekenntnisschule übernommen. Laut Bestimmungen der Schülerfahrkostenverordnung NRW ist für die Feststellung der nächstgelegenen Schule – auch die gewählte Schulart (z.B. evangelische Bekenntnisschule) zu berücksichtigen.

Für den Schulpflegschaftsvorsitzenden Sicking ist es ein klares Ergebnis einer demokratischen Abstimmung. Er war Befürworter einer Gemeinschaftsschule. Als Mensch, der nach christlichen Maßstäben erzogen wurde, hätte diese Schulform für ihn mehr Gleichberechtigung gebracht. Anders in den Augen von Bernhard Kestermann. Der CDU-Mann ist froh, dass Ruhe und Frieden zurückkehrt und die Schule in der jetzigen Form erhalten bleibt.

  2 comments for “Letteraner bekennen sich zur Bekenntnisschule

  1. Amelung
    1. Februar 2017 at 11:53

    Für Herrn Kestermann scheinen Ruhe und Frieden in der Kardinal-von-Galen-Grundschule darin zu bestehen, dass sich zunehmend mehr nicht-katholische Kinder/Eltern den katholischen Leitlinien unterzuordnen haben. Das ist eine höchst bedrückkende Situation für alle Betroffenen. Zudem wird die Freude Herrn Kestermanns nicht von langer Dauer sein. Eine erneute Abstimmung nach einer gewissen Frist ist absehbar. Fragt sich nur, ob zukünftige, immer neue Abstimmungen tatsächlich im Sinne aller Beteiligten ist. Die Lösung kann nur lauten: Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule auf Grundlage eines christlich (nicht:katholisch) geprägten Schulkonzeptes.

  2. 3. Februar 2017 at 16:56

    Kein Zweifel, das Abstimmungsergebnis ist irritierend, genauso dass Lokalpolitiker „Ruhe und Frieden“ gefährdet sehen durch eine Umwandlung in eine Schule, die allen Kindern gleichermaßen offensteht. Im Grundschulbereich erscheint die Trennung nach Konfessionen anachronistisch. Anders als noch in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts hat eigentlicher keiner ein Problem damit, wenn katholische Kinder mit evangelischen oder gar ungetauften Kindern spielen. Auch die Konfession der Lehrkräfte erscheint nachrangig. Viel wichtiger ist doch den meisten Eltern, dass ihre noch jungen Kinder einen kurzen Schulweg haben, und dass sie gemeinsam mit den Kindern aus der Nachbarschaft auf die Schule gehen können. Dieses Prinzip ist gefährdet, wenn Schulen an eine Konfession gebunden sind. Dennoch, die Abstimmung hat nach den derzeit gültigen Regeln klar ergeben, dass im Moment keine Mehrheit für eine Umwandlung besteht.

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