Martin geht zu Jakobi

Schulausschuss für den Umzug der Martin-Lutherschule zur Jakobischule

Coesfeld, 10.06.15 (hlm). Volle Besucherbänke sind im Großen Sitzungsaal des Rathauses selten. So wie auf der Ausschusssitzung Kultur, Schule und Sport am Dienstag (09.06.15). Eltern, Pädagogen und interessierte Bürger sitzen auf der Besucherbühne und begleiten den Meinungsaustausch der politischen Vertretern über die Zukunft der Martin-Luther-Schule (MLS) mit gelegentlichem Applaus und Füße stampfen. Die Stadtverwaltung schlägt zwei Varianten vor. Entweder Ausbau des jetzigen Standortes am Köbbinghof oder Standortwechsel zur Jakobi-Schule. Der Ausschuss setzt ein klares Signal. Bei einer Enthaltung stimmt er für die Sanierung der Jakobi-Schule, um eine zukunftsfähige Basis für die Martin-Luther-Schule dort aufzubauen.

Von Beginn an ist sich die Mehrheit prinzipiell über den Beschlussvorschlag einig, der da lautet: „Es wird beschlossen, das Gebäude der ehemaligen Jakobischule, Franz-Darpe-Str. 13, zu sanieren und die notwendigen Räume zur Aufnahme der Martin-Luther-Schule unter Berücksichtigung eines Raumprogramms für eine 1,5-zügige Grundschule zu schaffen.“ Geschätzt wird der Finanzierungsbedarf auf rund 2,5 Millionen Euro.

<<Eine Sanierung des Gebäudes am jetzigen Standort ist wirtschaftlich unrentabel.>>

Geld in die Hand genommen werden muss für die MLS. So oder so. Schuldezernent Dr. Thomas Robers erläutert die Alternativen. Der jetzige Schulstandort am Köbbinghof: Umfangreiche Brandschutzmaßnahmen stünden an. Bauliche und energetische Mängel seien zu beseitigten. Geschätztes Finanzvolumen: 2,3 Mio. Euro. Damit ist aber eine andere große Hürde nicht genommen: das geringe Raumangebot. Der Ganztag und die Inklusion beanspruchen an den Grundschulen in Coesfeld mehr Platz. Der ist langfristig für die MLS an dieser Stelle nicht geben. Robers Bilanz: „Eine Sanierung des Gebäudes am jetzigen Standort ist wirtschaftlich unrentabel.“ Und noch ein Punkt spricht für das Räumen. Die evangelische Kirchengemeinde will das Gebäude in absehbarer Zukunft selbst nutzen.

<<Der 1,5-zügige Ausbau ist zu kurzsichtig gedacht.>>

Eine hitzige Diskussion entbrennt auf Nachfrage von Martina Vennes (Pro Coesfeld). Sie sieht den 1,5-zügigen Ausbau für zu kurzsichtig und befürchtet, dass bei Bedarf eine Vergrößerung der Schule auf zwei Züge nicht umsetzbar ist. Schuldezernent Dr. Thomas Robers erläutert die Beweggründer der Stadtverwaltung. Aus pädagogischer Sicht seinen zwei Züge sinnvoller. Das sei aber auf die Dauer für die MLS nicht realistisch zu halten. Die Schulaufsicht will nur einen Zug sehen. Den oberbehördlichen Blick teilt die Stadtverwaltung nicht und deutet das Zukunftsszenario optimistischer. Tendenziell werden immer weniger Schüler unterrichtet. Aber für Coesfeld prognostiziert der aktualisierte Schulentwicklungsplan in den kommenden 18 Jahren eine relativ stabile Zahl an sechs- bis zehnjährigen. Zwischen aktuell 309 (Stand 2015) und 325 (2033) – ausreichen für gut 14 Züge, die auf allen bestehenden Grundschulen pro Jahr verteilt werden könnten. Bei einer Planung von 1,5 Züge hätte die MLS am neuen Standort sechs Klassenräume, zuzüglich Verwaltung und Nebenräume, wie Ganztag. Die Zweizügigkeit mit kleineren Klassen muss auch nicht unbedingt eine bessere Lehrer-Schüler-Relation bedeuten. Denn die berechnet sich nicht aus der Anzahl der Klassen. Die Anzahl der Lehrer an einer Schule ermittelt sich jährlich neu aus der aktuellen Anzahl Schüler, dividiert durch eine gesetzliche vorgegebene Grundstellenzahl. Und so kann es einer zweizügigen Schule mit acht Klassen bei sinkenden Schülerzahlen passieren, dass plötzlich nur noch sieben Lehrer zur Verfügung stehen. Die 1,5-zügige Schule ist als ein Kompromiss, der auch von der Schulleitung getragen wird. Da ist das Stichwort gefallen: Schulleiter. Der fehlt der MLS und wird noch immer kommissarisch von Sabine Schäfer, Rektorin an der Kardinal-von-Galen-Schule in Lette, geleitet. „Wir sind nicht Herr des Verfahrens, wir können nur anmahnen“, beschriebt der Schuldezernent die momentane Lage. Eine Nachfolge ist noch nicht in Sicht.

<<Endlich eine eigene Turnhalle.>>

Ein differenziertes Meinungsbild herrscht in der Zuhörerschaft auf der Besucherbühne. Die Betreuer des offenen Ganztages der MLS, den die Diakonie organisiert, schwanken zwischen „Zu wenig Platz im Pavillon“ bis hin zu „Endlich eine vernünftige Turnhalle, denn zurzeit ist es mehr ein Provisorium.“ Die Eltern sind glücklich über eine klare Entscheidung zur Zukunft der Schule.

Geht alles glatt, beginnen die Bauarbeiten an der Jakobi-Schule Mitte 2016. Im Schuljahr 2017/2018 könnte für die Schüler der MLS der Unterricht dort starten, mit einer eigenen Turnhalle. Doch zuvor beraten noch der Ausschuss für Umwelt, Planen und Bauen am 16.06.15 und der Haupt- und Finanzausschuss am 18.06.15. Die endgültige Entscheidung fällt dann der Rat am 25.06.15, einen Schultag vor Beginn der Sommerferien.

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