„Meine Politik setzt bei den Menschen an“

Tisch-Gespräch mit dem Bürgermeisterkandidat

Rainer Lagemann aus Hörstel-Riesenbeck tritt am 13. September gegen den amtierenden Bürgermeister Heinz Öhmann in Coesfeld an.

Fordert den amtierenden Bürgermeister im September heraus: Rainer Lagemann. Foto hlm

Coesfeld, 06.05.15 (hlm). Rainer Lagemann. Er ist bei den Grünen, kommt aus Hörstel-Riesenbeck und will – wenn der Wähler ihn lässt – am 13. September den amtierenden Bürgermeister Heinz Öhmann ablösen. Auf breite parteipolitische Unterstützung kann er bauen. Denn die Coesfelder Parteien SPD, Pro Coesfeld, Bündnis 90 / Die Grünen, Aktiv für Coesfeld und die Familienpartei wollen den 48-Jährigen auf den Schild gemeinsam tragen. Auf einigen Coesfelder Veranstaltungen war sein Gesicht präsent. Am 14. Mai tritt er in die Wahlkampfschuhe und radelt mit der „Lagemann-Allianz“ auf Erlebnistour.

Herausgeber der Coesfelder Nachrichten, Hartmut Levermann, traf Öhmanns Herausforderer Rainer Lagemann bei einem Tisch-Gespräch im Hotel-Restaurant Haselhoff

Welche Faktoren bestimmen Ihrer Meinung nach die Position Coesfelds im regionalen und überregionalen Wettbewerb?

Coesfelds Rückgrat ist die wirtschaftlich positive Stärke. Einerseits geprägt durch Traditionsunternehmen wie Thies. Hinzu zähle ich auch Ernsting’s family und Weiling, die Erfolgsstorys vom kleinen Händler, zu großen agierenden Unternehmen geschrieben haben. Andererseits durch Newcomer. Als Beispiel nenne ich das IT-Unternehmen opwoco. Letztes Jahr wurde es für den Mittelstandspreis der Oskar-Patzelt-Stiftung nominiert und 2010 erhielt es den Innovationspreis der Telekom. Alle die, oft familiengeführte, Mittelstandsunternehmen tragen den Namen Coesfeld weit über die Grenzen hinaus. Sie hinterlassen ein positives Image unserer Kreisstadt. Sie alle, wie auch die Handwerksbetriebe, Dienstleister und Verwaltung tragen zu einer vielfältigen Arbeitswelt in Coesfeld bei.

Eine weitere Stärke Coesfelds ist die geografische Lage. Sie ist weit genug von den Oberzentren wie Münster entfernt, um sich gut entwickeln zu können. Mit einer Magnetwirkung, wie die Zahlen des Statistischen Landesamtes belegen: 2013 pendelten 12014 Beschäftigte von außen nach Coesfeld ein. 9170 Coesfelder reisten zu ihren Arbeitsstellen außerhalb der Kreisstadt. Wir haben also mehr Berufseinpendler als Auspendler. Ein Nachweis für die Attraktivität als Arbeit gebender Standort.

Herr Lagemann, Sie blicken durch die rein wirtschaftliche Brille. Was sind noch Stärken unserer Stadt?

Neben den genannten harten Standortfaktoren kennzeichnet Coesfeld ein sich ständig nach vorne entwickelndes Kulturangebot. Der Leuchtturm, der in die Region strahlt, ist das Konzert Theater. Doch es lohnt auch der Blick auf die Kunst-, Kleinkunstangebote und die Musikszene. Für das Anwerben hoch qualifizierter Fachkräfte spielen diese, wie auch die Betreuungsangebote für Kinder und Bildungsangebote eine essenzielle Rolle. Damit meine ich nicht allein Kindergartenplätze und die allgemeinbildende Schulen, sondern auch die Berufskollegs und viele Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung.

Und welche Rolle wollen Sie dabei als Bürgermeister übernehmen?

Mitarbeiter der Stadt bauen die Haltestellenschilder für den Bürgerbus in Coesfeld auf.

Seit April schließt der Bürgerbus Coesfeld eine wichtige Lücke. Die Anbindung des ländlichen Raumes an die Innenstadt.

Es gilt, die Attraktivität Coesfelds weiter auszubauen. Ich sehe noch viel Potenzial im Bereich Tourismus. Dazu müssen noch viele Parameter eingestellt werden. Ich nenne den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Gerade im ländlichen Raum wird dieser in Zukunft an Gewicht gewinnen. Kreative Ideen in einem offenen Dialog mit den Bürgern und Beteiligten zu entwickeln, das ist für mich ein vorstellbarer Prozess. Seit einigen Wochen schließt der Bürgerbus den ländlichen Raum an das ÖPNV-System an. Das kann nur den Anfang markieren. Übrigens möchte ich diese erfolgreiche Entwicklungsgeschichte des Busses nehmen, um noch eine Stärke von Coesfeld hervorzuheben: das starke ehrenamtliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Das ist schon eine Eigenmarke der Stadt. Diese gilt es zu schützen, und zu unterstützen. Hier sollte nicht gespart werden. Ich sehe durchaus auch die städtischen Betriebe als Unterstützer. Zum Beispiel über Sponsoring. Besonders dann, wenn es um Mobilität und Freizeit geht.

Stichwort Attraktivität. Da kommt mir das Bahnhofsgebäude in den Sinn. Was macht der Bürgermeister damit?

Was Bürgermeister Heinz Öhmann damit machen wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich weiß nur, was ich damit machen würde: Abriss ist die schlechteste Alternative. Es gibt genügend Beispiel, wie ein historisches und Stadtbild prägendes Gebäude in neuer Funktion erstrahlen kann. Nehmen Sie Emsdetten. Das restaurierte Bahnhofsgebäude fügt sich mit seinen Angebote der angrenzenden Nutzung optimal an. Oder blicken Sie zum Billerbecker Bahnhof der interkulturellen Begegnungsstätte e.V., oder zum soziokulturellen Zentrum Bahnhof Langendreer, der mit seinen Kulturangeboten Menschen aus dem Umland anzieht. Perfekt angebunden an das Schienensystem. Wir brauchen eine gezielte Bürgerbeteiligung, einen Bürger-Thinktank, eine Schwarmintelligenz, um einen anderen Blick darauf zu bekommen. Bei einem langfristig finanzierbaren Konzept kann ich mir die Stadt als Träger der Immobilien vorstellen. Der Bahnhof sollte nicht das moosbewachsene Aushängeschild sein, das Zugreisende zuerst zu Gesicht bekommen. Der sollte zu einer Einladung in die attraktive Stadt werden.

Da sind wir wieder bei der Zielgruppe Tourismus angekommen. Welchen Blick bekommt die auf die Berkel, wenn Sie im Rathaus sitzen?

Die NaturBerkel in der Fegetasche zeigt einige ökologische Charakteren.

Die NaturBerkel in der Fegetasche zeigt einige ökologische Charakteren. Foto hlm

Wasser zieht doch immer an. Denken Sie an Ihre eigene Kindheit, wie Sie Steine hüpfend über das Wasser warfen und sich heute als Erwachsener bei dem Versuch immer noch erwischen. Und die Berkel? Der Fluss ist ganz eng mit der Stadtgeschichte verbunden. Er muss sich zu einem Anziehungsmagnet entwickeln. Die Konzepte aus der Machbarkeitsstudie zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) für die NaturBerkel und die Gestaltungsideen der UrbanenBerkel sind mir in groben Zügen bekannt. Beide sind in dem Regionale-Projekt BerkelStadt eingebunden und ermöglichen so die Option einer guten Finanzierung über Fördermittel. Ich denke auf der Erlebnistour am 14. Mai wird es viele Gespräche und einprägende Bilder für mich geben. Doch zunächst muss ich festhalten: Coesfeld hat mit BerkelStadt eine historische Chance die Attraktivität durch ökologischen Ausbau und Stadtbild prägenden Elementen zu steigern. Dennoch müssen beide Füße auf dem Boden bleiben. Es gilt zu prüfen, was langfristig sinnvolle Investitionen sind. Meine Politik setzt bei den Menschen an. Tiere und Pflanzen sind Teil unserer Lebensgrundlagen und daher wichtig für unsere Zukunft.

Die Themen für das Tisch-Gespräch wurden an dem Abend nicht alle abgehakt. Sie werden über das Internet fortgeführt. Der nächste Teil widmet sich der Herausforderung an den demographischen Wandeln und der sich daraus abzuleitenden Schulpolitik, mit Blick auf das Ergebnis der Elternbefragung zur Zukunft der Schullandschaft.

Hier klicken für den zweiten Teil des Interviews.

 

  2 comments for “„Meine Politik setzt bei den Menschen an“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.