NaturZoo Rheine: Picknick unter Störchen

Qualität muss -nicht immer- teuer sein

1937 träumten einige Bürger aus der Stadt Rheine im Kreis Steinfurt vom eigenen Heimattiergarten. Sie gründete den „Tiergartenverein Rheine e.V.“ und erschufen in der Kulturlandschaft ­Bentlage ein Reservat für heimische und mitteleuropäische Tiere. Heute nennt sich der Verein „­NaturZoo Rheine e.V.“ und hat in den vergangenen Jahren nicht nur viel Erde bewegt. Der Zoo hat sich zu einem überregionalen Anziehungspunkt für Familien gemausert.

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die Familienfreundlichkeit auszeichnen. Aber es sind solche Dinge, wo man als Elternteil denkt: „Da hat jemand bei der Planung mitgedacht.“ So finden bereits vor dem Kassenbereich die Kinder auf einem kleinen Spielplatz Raum zum Toben. Bei längeren Wartezeiten schont das bei allen eine Menge Nerven. Auch der große autofreie Bereich vor dem Eingang bietet eine gute Chance, den Nachwuchs nicht aus den Augen zu verlieren. Das ist im riesigen Zoom Gelsenkirchen nicht so. Dort liegt der Haupteingangsbereich direkt an einem Knotenpunkt zweier Straßen.

Jetzt im Frühjahr lohnt sich der Besuch im ­NaturZoo besonders. Viele Tiere sind bei der Nest- und Brutpflege. Ganz nah dabei sein und beobachten können, wie die Tiere ihre Kindern hüten, pflegen und schützen zieht die Besucher besonders in den Bann.

Pädagogisch mit viel Kreativität ausgearbeitet sind die Tafeln, die Informationen zu den einzelnen Tieren konzentriert darstellen. Kinder möchten nicht von textlastigen Schildern erschlagen werden. Selbst ausprobieren, anfassen, erfühlen, erraten und vergleichen, muntern die Kinder zum Anfassen auf und zur Beschäftigung ein. Und damit sie eigenständig arbeiten können, sind die Tafeln in passender Höhe angebracht oder es befinden sich davor Erhöhungen. So können vor einem Spiegel die Grimassen der Dscheladas nachgeäfft werden. Aber nicht nur Tafeln geben einen Blick in das Tierleben. Vor „Jägern“ in ein Labyrinth flüchten oder aus einem „Erdloch“ wie ein Präriehund die Umgebung beobachten, das nimmt die Kinder und Erwachsenen mit zu einem spannenden Ausflug. Das alles hat den wunderbaren Nebeneffekt: Das selbst erarbeitet Wissen wird langfristig gespeichert.

Jedes einzelne Gehege bildet eine geschlossene Einheit. Das schafft eine stressfreie Zone für die Tiere, die in dieser kleinen Gemeinschaft zusammenleben und die Kinder sind dankbar. Sie werden nicht durch eine Welle von unterschiedlichen Eindrücken abgelenkt. Sie können ihren Blick auf das Wesentliche fokussieren.

Hoch konzentriertes Arbeiten kostet viel Energie. Da sind Rückzugsmöglichkeiten unverzichtbar, um wieder zu Kräften zu kommen. Diese Ruheplätze sind über die gesamte Parkanlage verteilt. Es kann die offene Picknickwiese sein, auf der Familien ihre bunten Decken ausbreiten, während über ihnen die Störche fliegen. Oder es sind etwas verstecktere Plätze, die erst bei dem zweiten Blick entdeckt werden. Und wenn die Kinder einfach richtig toben müssen, bietet ein großer Spielplatz reichlich Möglichkeiten Dampf abzulassen.

Ein kleines Manko hat der Naturzoo. Die Zahl Toiletten ist etwas gering und ungleichmäßig verteilt. Kinder haben oft ad hoc das Bedürfnis zur Toilette gehen zu wollen. Lange Wege sind da eine wirkliche Qual. Eine bessere Aufteilung ist wünschenswert.

Fazit: Sehr empfehlenswert.

 

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