Öhmann und Lagemann im Rededuell

Coesfeld, 20.0815 (hlm). Ein leichtes Raunen ging durch das Publikum, als Eberhard Ernsting, Leiter des Katholischen Bildungswerks Coesfeld, die Aula des St. Pius-Gymnasiums als neutralen Ort für ein Rededuell zwischen den Kontrahenden um das Bürgermeisteramt in Coesfeld nennt.

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Bürgermeister Heinz Öhmann mit Mitbewerber Rainer Lagemann im Rededuell. (Fotos hlm)

Herausforderer Rainer Lagemann, als symbiotischer Mehr-Parteien-Kandidat, und der amtierende Bürgermeister Heinz Öhmann stellten sich den Fragen, die die Allgemeine Zeitung in einem Aufruf von der Coesfelder Bürgerschaft einsammelte. Doch zunächst präsentierten sich beide in kurzen Filmen. Während der 48-jährige Lagemann jung dynamisch durch Coesfeld schritt (wegen technischer Probleme, zunächst lautlos), ließ der zehn Jahre älter Heinz Öhmann Coesfelder Köpfe in kurzen Videos zu Worte kommen. Lagemann will frischen Wind ins Rathaus bringen – diese Intention versucht er den Zuhörern in der voll besetzten Aula zu vermitteln. „Ich hoffe, dass die Coesfelder gemerkt haben, dass es für Coesfeld mit Lagemann weiter geht. Keine Denkverbote, mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz und mehr Engagement für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung“, reflektiert Lagemann das Rededuell später.

Die Moderatoren Uwe Goerlich (Allgemeine Zeitung) und Dr. Norbert Just (Schulleiter des St. Pius-Gymnasiums) hatten die klassischen Themen auf dem Fragezettel: Stadtentwicklung, Haushalt und Finanzen, Wirtschaftsförderung, Schule und Bildung. „Mit wem Frühstücken Sie am liebsten?“, spielte zu beginn Goerlich auf das Unternehmerfrühstück an. Auf Anhieb durchschaute der amtierende Bürgermeister die Anspielung auf die selektive Einladung von Politikern nicht. Dann stellte er klar, dass die Auswahl der Gäste vornehmlich seitens des Kooperationspartners, der VR-Bank, vorgenommen wurde, und alle Parteien eingeladen gewesen wären. Die Vertreter zweier Parteien hätten ihr kommen abgesagt, wehrt sich Öhmann gegen den erhobenen Vorwurf einer Oppositionspartei die Neutralität als Bürgermeister missachtet zu haben.Rededuell2

Ein heißes Eisen packten die Moderatoren mit der Stadtentwicklung an. Gerade die UrbaneBerkel, als Teil des Regionaleprojektes BerkelStadt, ist in den letzten Wochen in die Kritik gekommen. Im Rahmen der Umgestaltung des Schlossparks soll ein Baumbestand weichen. Öhmann erinnerte die Zuhörer: In einem langen Prozess, mit großer Bürgerbeteiligung, sei die Idee gereift und vom Rat mit großer Mehrheit beschlossen worden, die Innenstadtberkel als identitätsstiftendes Merkmal zur Klarsicht zu bringen. An drei Stellen konzentriert sich dieses: Wiemannweg, Schlosspark, Berkelgasse und Davidstraße. „Wir brauchen neue Elemente in der Stadt“, wirbt er, die Attraktivität der Innenstadt zu stärken und Ruhepole zu schaffen. Auf dem Berkelaktionstag (30.08.15) tritt die Stadtverwaltung im Schlosspark ein weiters mal in den Dialog, um die Gründe für die Baumfällungen transparent zu machen. Rainer Lagemann sieht den Verlauf des Entwicklungsprozesses stellenweise als turbulent an, da die Coesfelder nicht tief genug informiert wurden. Ob wirklich alle Bäume weichen müssen, will er prüfen: „Die Bürger wollen Schattenplätze.“ Aus seiner Sichtweise braucht es eine grüne Lunge in der Stadt: „Ohne Grün wird die Stadt nicht mehr so lebenswert sein.“

"Rainer Lagemann sieht bestimmte Projekte mit anderen Augen. Er nannte frischere Lösungen, z. B. die Parksituation."
Günter Hallay (Pro Coesfeld)

Zur Stadtentwicklung gehört die noch ungelöste Aufgabe ausreichend Parkraum vorzuhalten. Öhmann bezieht Stellung: Der gesamte Rat habe beschlossen, die Dauerparkplätze aus der Stadt rauszuhalten. Dazu werden 130 Parkplätze im Randbereich der Stadt gebaut. Die Schaffung eines Parkhauses für Kurzparker an der Davidstraße hat für Öhmann erste Priorität. Rededuell3Für den Fall des Scheiterns der Verhandlung mit dem Grundstückseigentümer hat er zwei Ausweichpläne in der Schublade: Parkplätze an der Mittelstraße oder Aufstocken des Parkraums am Marienring. Sein Mitbewerber Lagemann setzt auf Zwischenlösungen. Es solle nicht die letzte Verhandlung abgewartet werden, sondern Provisorien her. Sein langfristiges Ziel ist es, den städtischen Verkehr zukunftsfähig zu gestalten. Er denkt an die Integration von Konzepten wie Carsharing oder eBus.

"Die Bilanz seiner Amtszeit zeigte den Anwesenden, dass Coesfeld unter Öhmanns Leitung einen gewaltigen Sprung nach vorn in fast allen Bereichen machen konnte."
Norbert Hagemann (CDU)

In den letzten Jahren konnte Coesfeld bei der Einwohnerzahl den Status quo halten. Das führt zur Konsequenz, neuen und modernen Wohnraum zu schaffen. Und zwar für unterschiedliche Bevölkerungsgruppe und sozialen Schichtungen. „Es braucht familiengerechte Eigenheime und Mietwohnungen in der Stadt“, positioniert sich Lagemann und fordert frühzeitige politische Steuerungen. Öhmann verweist auf die geschaffenen Baugebiete wie Hengte-Sportplatz oder Lette. Er verfolgt das Ziel den Einwohnerstand mindestens zu halten: „Ein Gewinn wäre ein Plus für Coesfeld.“

Lagemann will die Bürger mehr an Entscheidungen beteiligen. Er setzt als Zielmarke den Bürgerhaushalt und stellt auch klar: „Alles, was viel Geld kostet, muss gegenfinanziert werden.“ Es müsse aber Geld zur Sicherung der Zukunft in die Hand genommen werden. Damit lehnt er Kreditfinanzierungen generell nicht ab. Tot sparen ist für den 48-jährigen der falsche Weg.

Öhmann setzt auf Haushaltskonsolidierung. Während seiner Amtszeit habe er den Schuldenstand von 30 auf 20 Millionen senken können, argumentiert der amtierende Bürgermeister. Er will bei seiner nachhaltigen Personalpolitik bleiben. Will aber weiter in zukunftsfähige Projekte investieren, wie das RegionaleProjekt BerkelStadt zeigt. Als Beispiel für weitere Zukunftsinvestitionen führt er die Kinderbetreuung und den Ausbau des Ganztages an.

Und da ist das Thema Schulpolitik. Da driften die Meinungen auseinander. Rainer Lagemann ist nicht der Bewahrer – lässt er durchblicken. Sondern ein Weiterentwickler. Aber nicht ohne den Elternwillen aus dem Blickfeld zu verlieren: „Ich stehe bei den Eltern“. Eine klare Position pro Gesamt- oder Sekundarschule bezieht er nicht – wie auch sein Mitbewerber Heinz Öhmann. Er stützt sich auf das Ergebnis der Elternbefragung. „Es hat sich eine hohe Zufriedenheit mit dem jetzigen System gezeigt.“ 15 Prozent wünschten sich eine Gesamtschule. Coesfeld profitiere von Schülerpendlern, die von außen eine Schulform in der Kreisstadt besuchen. Als Gegenargument zur Gesamtschule führt er die schwachen Abwanderungszahlen Coesfelder Kinder nach Gescher an: „Es seine nur zwei oder drei Schüler gewesen.“

"Rainer Lagemann wird die Schulentwicklung nicht ideologisch sondern im Interesse der Eltern und Schüler vorantreiben."
Norbert Vogelpohl (Bündnis 90 / Die Grünen)

Rededuell4Von einem Zuhörer kam die Frage nach Fördermitteln für den städtischen Musikverein auf den Tisch. Öhmann versichert, dass die Zuwendungen in diesem Jahr bleiben. „Sie werden jährlich neu festgelegt“, Licht ins Dunkle wollte ein Letteraner haben und wünschte sich eine Straßenbeleuchtung auf dem Radweg zwischen Coesfeld und Lette. Da mussten sowohl Öhmann, wie auch Lagemann passen. Die Straßen liegen nicht in der Obhut der Stadt. Also weiterhin ist hier gute Fahrradbeleuchtung angesagt.

Mehr Bürgerbeteiligung können die Coesfelder auch schaffen, wenn sie sich mehr parteipolitisch engagieren."
Ein Zuhörer

Und die LED-Beleuchtung an den Straßenlampen? Wann haben die Bürger mit der Abrechnung der anteiligen Kosten zu rechnen. Am besten die Zeit nutzen, ein Polster anzusparen. Der Prozess wird noch länger dauern. Das kommunale Abgabengesetz, als Grundlage für die Bemessung, sei äußerst komplex, so Öhmann.

Rats-TV für mehr Transparenz wurde eingefordert. „Grundsätzlich möglich, wenn die Geschäftsordnung des Rates dies erlaube und keine Persönlichkeitsrechte verletzt würden“, antwortet Öhmann. Lagemann korrigiert: „Da muss nur jedes Ratsmitglied seine Zustimmung geben.“ Dann könnten Ratssitzung in Zukunft als Video-Stream im Netz verfügbar sein. Klarheit, wer die überzeugenderen Argumente hat, wird sich am 13.09.15 zeugen. Dann ist Bürgermeisterwahl. Bis dahin wird es noch reichlich Präsenz von Schirmen mit Symbolen von politischen Parteien in der Fußgängerzone geben.

  3 comments for “Öhmann und Lagemann im Rededuell

  1. hlm
    20. August 2015 at 23:04

    Vom Kandidaten Rainer Lagemann erreichte der Redaktion nachfolgende Stellungnahme: „In Sachen Lette haben Sie meine Position nicht richtig wiedergegeben. Ich hatte gesagt, dass ich mir vorstellen kann, dass die Stadt auch 100000 Euro in die Hand nimmt, damit die Sicherheitsproblematik für die Radfahrer zwischen Lette und Coesfeld gelöst wird, auch wenn die Straße keine städtische ist.“

    • Borgert Elisabeth
      21. August 2015 at 14:48

      Das ist Aufgabe des Bundes oder des Kreises, ja die Verwaltung soll sich für die Sicherheit einsetzen und vom Kreis die gezielten Maßnahmen einfordern, das wären die richtigen Maßnahmen, die den Coesfelder Haushalt nicht schwächen würden. Herr Lagemann investiert doch sicherlich sein Geld auch nicht in die Verbesserung des Nachbarhauses????. Genau deswegen ist für mich der bessere Kandidat, der die wirtschaftliche Lage besser einschätzen kann und nicht durch Unkenntnis Geld verschleudert.

  2. Elisabeth Borgert
    21. August 2015 at 14:50

    Fehlerteufel : Herr Öhmann , sollte es heißen.

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