Schulwechsler in Coesfeld: Ein Hauptschüler bleibt Hauptschüler

Wie durchlässig ist das Schulsystem in Coesfeld?

Coesfeld, 27.05.15 (hlm). Ein Hauptschüler bleibt ein Hauptschüler und eine ganze Realschulklasse wechselte zum Gymnasium. Das ergab die Auswertung des Zahlenmaterials der Schüler*, die im aktuellen Schuljahr 2014/2015 die Schule gewechselt haben. Die Daten hat die Stadtverwaltung auf Nachfrage der Coesfelder Nachrichten (CN) zur Verfügung gestellt. Nicht berücksichtigt sind die Fünftklässler der weiterführenden Schulen. Sie sind von der Grundschule (Primarstufe) in die Sekundarstufe I (fünfte bis zehnte Klasse von Haupt-, Realschule oder Gymnasium) übergegangen und spielen für die Durchlässigkeit des Schulsystems noch keine Rolle. Auch nicht berücksichtigt sind Berufskollegs und das St.-Pius-Gymnasium, als staatlich anerkannte Ersatzschule in kirchlicher Trägerschaft. Sie liegen nicht in der Verwaltung des Coesfelder Schulamts.

Wer ging wohin? Die Frage nach der Durchlässigkeit des Coesfelder Schulsystems.

Wie ist die Wanderung der Schüler im aktuellen Schuljahr verlaufen? Unter Sonstige sind zwei Schüler von der Sekundarschule, zwei Schüler von der Gesamtschule, ein Schüler vom Berufskolleg und ein Schüler von einer Förderschule zusammengefasst. Zur vergrößerten Ansicht bitte auf das Bild klicken. (Skizze hlm).

Vier Prozent Wechsler

Insgesamt wechselten 132 Schüler die Schule. Eine Wechselquote von vier Prozent, bei aktuell 3215 Schülern, die in Coesfeld eine Haupt-, Realschule oder Gymnasium in den Klassen fünf bis zwölf besuchen. Davon blieben 58 Prozent auf der gleichen Schulform. Die größte Wanderungsbewegung hat es bei der Hauptschule gegeben. Von den insgesamt 64 Schülern blieben 98 Prozent auf einer Hauptschule. Die Schulschließung der Nottulner Geschwister-Scholl-Hauptschule führt die Stadtverwaltung als Grund für diese große Zahl an. Nur ein Hauptschüler schaffte den Sprung zur Realschule. Von den Realschulen, mit 41 Wechslern, ging bildlich gesprochen fast eine ganze Schulklasse (66 Prozent) zum Gymnasium. Zehn Realschüler wurden in eine Hauptschule versetzt. An den Gymnasien kehrt sich die Lage um. 71 Prozent (15) sitzen jetzt in Realschulen. 29 Prozent (6) tauschten nur den Namen der Schule und blieben in der Schulform.

Wanderung nach oben

Im Gesamtbild besuchen im Schuljahr 2014/2015 22 Prozent eine anspruchsvollere Schulform als vorher, 20 Prozent wechselten in ein einfacheres Bildungssystem – abgestuft, wie es im Fachjargon heißt. Ergebnis: Es wanderten in Coesfeld mehr Schüler in ein höheres Bildungssystem, als in ein niedrigeres. Das Schulsystem in Coesfeld ist durchlässig, aber nicht für jeden Schüler. Bleiben Hauptschüler an den Hauptschulen, sind es überwiegend Realschüler, die jetzt von einem höheren Bildungsgang im dreigliedrigen Schulsystem profitieren.

In den oberen Klassen ist die meiste Bewegung beim Wechsel in eine andere Schule.

Die meisten Schüler nutzen den Übergang in die neunte Klasse für einen Schulwechsel. Zur vergrößerten Ansicht bitte auf das Bild klicken. (Grafik hlm)

Wann ist die größte Wanderung?

Beim Übergang von der achten in die neunte Klasse. Den nutzen 34 Prozent der Schulwechsler. Hier dürfte es sich um einen taktischen Wechsel handeln. Denn es ist das Schuljahr, in dem noch ein einfacher Schulformwechsel möglich ist. Danach ist eine zusätzliche Genehmigung erforderlich. Für Schüler aus der Haupt- oder Realschule bietet dieser Übergang auch die Chance vor Beginn der einjährigen Einführungsphase (10. Klasse) des Gymnasiums einzusteigen. Würde er nach Schulabschluss mit der qualifizierten Fachoberschulreife wechseln, um sein Abitur zu machen, müsste er mit der Einführungsphase starten. Ein Ausweg, der zunehmen bei den Jugendlichen an Attraktivität gewinnt, ist der Besuch eines beruflichen Gymnasiums an einem Berufskolleg. Hierbei wählt der Schüler an dieser Schulform einen dreijährigen Bildungsgang und erhält nach erfolgreicher Abiturprüfung die Zugangsberichtigung zur Hochschule – parallel dazu einen Berufsabschluss. Helmut Kortekamp, Schulleiter vom Pictorius Berufskolleg, nimmt in den letzten Jahren eine Zunahme von Schülern wahr, die diesen Weg wählen. Darunter sind auch Gymnasiasten mit dem Abschlusszeugnis nach Klasse neun.

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*In dem Artikel sind mit Schülern sowohl Schülerinnen, wie auch Schüler angesprochen.

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