Schlagwort: Integration

„Kein Sprint, sondern ein Marathonlauf“

Flüchtlinge im Gespräch mit dem Bürgermeister

Vera Krott-Unterweger mit Schülerinnen und Schülern im Deutschkurs. Die VHS hat Bürgermeister Heinz Öhmann zu einer Gesprächsrunde eingeladen.

Vera Krott-Unterweger mit Schülerinnen und Schülern im Deutschkurs. (Foto hlm)

Coesfeld, 27.04.16 (hlm). Seit Dezember sitzen die Flüchtlinge in kleinen Gruppen täglich zusammen und pauken Vokabeln und Grammatik im Deutschkurs der Volkshochschule (VHS). Heute ist ein besonderer Tag. Der Bürgermeister ist zu Gast. Die Leiterin des Hauses, Dr. Mechtilde Boland-Theißen findet es mutig und bemerkenswert, dass sie sich schon nach kurzer Zeit trauen mit Heinz Öhmann ins Gespräch zu kommen.

Das komplexe Verwaltungsdeutsch muss der Verwaltungschef ablegen und auf Augenhöhe reden: „Deutschland ist ein kompliziertes Land, mit komplexen Regeln und Zuständigkeiten“. Es hängt an dem Wort „Zuständigkeit“. Die Flüchtlinge verstehen nicht, warum bis jetzt kein Anhörungstermin für das Asylverfahren zu bekommen ist. Viele unverständliche Gesichter, als der Bürgermeister seinen ersten Erklärungsversuch startet. Er greift zum Stift, schreitet zur Tafel und skizziert ein Schaubild. „Zuständigkeit“ steht in großen roten Buchstaben an der Tafel. Smartphones werden zur Hand genommen. Kopfnicken bei den einen, Kopfschütteln bei den anderen. Für einen Moment bekommen wir einen Eindruck, wie es einem Menschen in einem Land mit einer anderen Sprache ergeht. Die Schülerinnen und Schüler reden untereinander in Arabisch. Wir hören hilflos zu und verstehen nichts. Dann schmunzelnde Gesichter. Es scheint, als wäre „Zuständigkeit“ geklärt. Die Stadt Coesfeld hat keinen Einfluss auf das Asylverfahren. Dafür ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zuständig. Coesfeld hat die Aufgabe, den Menschen eine Unterkunft, Verpflegung und Hilfe im Alltag zu geben.

Bei der Bewältigung des Alltages unterstützt die Stadtverwaltung mit dem speziellen Kursangebot über die Volkshochschule (VHS) alle Flüchtlinge und ermöglicht den Einstieg in die deutsche Sprache. Während in der Nachbarkommunen Billerbeck und Nottuln die Kurse über Sponsoring finanziert werden, investiert in Coesfeld die Stadt Geld in die Grundausbildung. Für Öhmann ist es gut angelegt, um die Integration zu fördern.

Das Erfolgsniveau ist sehr verschieden. Es hängt von kulturellen Wertevorstellungen und vom Bildungshintergrund der Erwachsenen ab. Diese Gruppe überwiegend junger Menschen haben alle eine akademische Vorbildung. Sie finden einen schnellen Zugang zur Sprache. Zwischen sechs und acht Monate sind sie in Coesfeld. „In anderen Gruppen haben wir es auch mit Analphabeten zu tun“, berichtet Christiane Gottschalk, eine der Kursleiterinnen.

Mit einem kleinen Vokabular geben die drei Frauen und sieben Männer einen winzigen Einblick in ihren persönlichen Hintergrund. Menschen, deren Familien auseinandergerissen wurden. Familienmitglieder, die in anderen Ländern leben oder Verwandte, die noch im Kriegsgebiet sind. Sie sind dankbar hier in Coesfeld zu sein und haben keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht. Aber Kritik kommt. Deutschdozentin Gottschalk macht auf die Notwenigkeit der Technik aufmerksam. Das Internet ist nicht nur Kommunikationskanal, sondern ein wichtiger Lernkanal. Lernmaterialien und Übersetzungsprogramme werden über diesen Weg genutzt. Kontraproduktiv findet sie das Angebot von Lern-DVDs: „Die haben in den Unterbringungen keine DVD-Spieler.“

Die Sprache zu verstehen, ist das eine. Die Sprache in den Alltag zu integrieren und mit ihr zu leben, ist eine weitere Lernstufe. Dr. Boland-Theißen bringt es auf den Punkt: „Das wird kein Sprint, sondern ein Marathonlauf.“ Neben den elf Grundkursen für Flüchtlinge bietet die VHS und weitere Bildungsträger weiterführende Kursangebote für Deutschlernende an.

Lernen und leben in der Maria Montessori Grundschule

Infoabend stellt die Grundschule in Coesfeld vor

Infoabend der Maria-Montessori-Grundschule in Coesfeld

Die vorbereitete Umgebung in der Montessorischule lädt die Kinder zum gemeinsamen und eigenständigen Arbeiten ein.

Coesfeld, 13.04.16 (PM). Informationen aus erster Hand erhalten interessierte Eltern auf dem speziellen Informationsabend am 28.04.16 um 20 Uhr im Schulgebäude der Maria-Montessori-Grundschule, Seminarstraße 13.

Das Schulleitertandem Annette Bohmert und Georg Hahn geben einen Einblick in das Leben der Ganztagsschule und erläutern, wie die Inklusion als integraler Bestandteil eingebettet ist. Sie werden auf bewegende Fragen eingehen wie: Sind Lerninhalte und –erfolge für Schüler, Lehrer und Eltern auch ohne Hausaufgaben und Zeugnisnoten transparent?

Die Maria-Montessori-Schule arbeitet mit jahrgangsgemischten Klassen in überschaubaren Größen. Für das Schulteam ist diese Methodik mit einer Vielfalt an Chance verknüpft. Vor allem profitieren die Jungschülerinnen und Jungschüler von speziellen Arbeitsmaterialien, die sich in der vorbereiteten Umgebung präsentieren. Das pädagogisch ausgearbeitete Wechselspiel zwischen gemeinsamem Lernen und Leben unterbindet eine Überforderung der Kinder im ganztägigen Schulalltag. Welche Vorteile das gesamte Konzept für die Entwicklung des Kindes und der Vorbereitung für die weitere Schullaufbahn hat, referieren an dem Informationsabend die beiden Montessori-Experten Bohmert und Hahn.

Die Veranstaltung ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Schulsozialberatung geht vollständig an den Start

Niedrigschwellige Hilfe für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche

Schulsozialberatung geht in Coesfeld an den Start.

Stefanie Benting, Leiterin des Fachbereichs Familie (2. r.) und Simone Wessels, von der Jugendförderung (3. r.) haben mit den drei Sozialpädagogen alle Puzzleteile für die Schulsozialberatung verbunden. (Foto hlm)

Coesfeld, 01.04.16 (PM). Für Sebastian Wilde ist es heute der erste Arbeitstag. Gemeinsam mit Andrea Wiesner und Niklas Dapper, die seit Januar im Einsatz sind, ist er präventiv und beratend vor Ort: in Coesfelds Schulen. Mit einem pädagogischen Konzept, das unter der Leitung von Simone Wessels (Jugendförderung der Stadt Coesfeld) entstand, ist die Präsenz der Schulsozialberatung in allen städtischen Schulen sichergestellt. Jedes Teammitglied kümmert sich um einen Pool Schulen (siehe unten). Dabei stießen die drei Sozialpädagogen auf junge Lehrerkollegien, die der Idee einer Schulberatung vor Ort mit offenen Ohren begegneten. Flankierende Hilfe für das Lehrpersonal wird immer wichtiger, um sich auf die Kernaufgaben zu konzentrieren. Das wissen die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen. Die Hauptschule und die Förderschule haben eigenes Beratungspersonal und nehmen dieses Angebot nicht in Anspruch. Auch die nicht städtischen Schulen St.-Pius-Gymnasium und Maria-Montessori-Grundschule können nicht berücksichtigt werden.

Für Stefanie Benting, Leiterin des Fachbereichs Jugend, Familie, Soziales und Freizeit, ist die installierte Schulsozialberatung eine Schnittstelle zwischen Bildungseinrichtungen, Familien und Gesellschaft. Es ist ein niedrigschwelliges Hilfsangebot für finanziell und sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Die Sozialpädagogen arbeiten in enger Kooperation mit den Bildungseinrichtungen, dem Jugendhaus Stellwerk und verschiedenen Vereinen. Ein Teil ihrer Arbeitszeit widmen sie sich der Beratung und Hilfestellung im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes. Es ist eine Hilfemaßnahme, die das Land NRW bereitstellt, und eine individuelle Förderung für die Teilnahme an Bildungs-, Freizeit- und Kulturangeboten öffnet. Den anderen Teil der Zeit nutzen sie mit dem Ziel, die Integration sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher durch außerschulische Freizeit- und Kulturangebote zu fördern. Dabei spielt das Jugendhaus Stellwerk eine zentrale Rolle. Die Erreichbarkeit von der Schule zum Angebotsort soll durch einen Beförderungsdienst sichergestellt werden. Ausnahme bildet die Kardinal-von-Galen-Schule in Lette. Dort wird es das AG-Angebot lokal geben. Persönliche Interessen und Begabungen zu filtern und durch die Kooperation mit Vereinen und Verbänden zu stärken, sind weitere Ziele ihres Wirkens.

In der Vergangenheit leisteten Drittanbieter die Beratung für das Bildungs- und Teilhabepaket. Die Förderung dieser Maßnahme endete 2013. Mit der jetzigen Variante, bei der die Schulsozialberatung an den Fachbereich der Stadt angedockt ist, können die drei Mitarbeiter bis 2017 an der Schnittstelle zwischen den verschiedenen Institutionen handeln. Dann hofft Benting auf eine Weiterfinanzierung der Maßnahme.

Die Schulsozialberater

Schulsozialberatung an den Grundschulen

Andrea Wiesner (23 Jahre) kümmert sich um die Grundschulen Laurentius, Ludgeri, Maria-Frieden, Kardinal-von-Galen in Lette und Martin-Luther.

Schulsozialberatung in Realschulen

Niklas Dapper (26 Jahre) ist der Schul-sozialberater in der Theodor-Heuss- und Freiherr-vom-Stein-Realschule

Schulberatung in Gymnasien und Grundschulen

Sebastian Wilde (29 Jahre) ist in den beiden städtischen Gymnasien Heriburg und Nepomucenum sowie in der Lambertigrund-schule Vorort.

Kursleitung für Deutschunterricht gesucht

Grundschulen und VHS bieten Deutschkurse für Flüchtlingskinder an Coesfeld, 09.05.16 (PM). Volkshochschule und die Grundschulen Lamberti– und Martin-Luther-Schule organisieren gemeinsam zusätzlichen Deutschunterricht für Flüchtlingskinder. Bis zu den Sommerferien werden pro Woche fünf Deutschstunden durch die VHS gegeben. Auf zwanzig Wochen Unterricht und 100 Unterrichtsstunden kommt das Projekt so insgesamt. Die Pädagoginnen werden durch die VHS eingesetzt. Auch…

Die größte Herausforderung ist die Integration

Flüchtlinge als Thema der offenen Fraktionssitzung von Pro Coesfeld Coesfeld, 29.02.16 (hlm). Bis Mai/Juni erwartet die Stadt Coesfeld bis zu 800 Flüchtlinge. Darüber informiert Dezernent Dr. Thomas Robers gut 30 Gäste auf der offenen Fraktionssitzung von Pro Coesfeld. Die lokalpolitische Partei hatte Vertreter aus der Stadtverwaltung sowie Bürgerinnen und Bürger zu der Veranstaltung eingeladen. Die…

 Flüchtlingsnotunterkunft Leisweg: Stadt informiert Anlieger 

Bürgerversammlung am Donnerstag, 13. August, 18 Uhr, Pädagogisches Zentrum im Schulzentrum Holtwicker Straße. Anlieger und interessierte Bürger sind herzlich willkommen Fragen zu stellen und sich zu informieren.  Coesfeld, 08.08.15 (PM). Die Bezirksregierung Münster nutzt seit zwei Wochen das Behördengebäude am Leisweg vorübergehend als Notunterkunft für Flüchtlinge. Die Stadt lädt die Anwohner und interessierte Bürger zu…

Notunterkunft für 100 Flüchtlinge

Drohende Obdachlosigkeit von Flüchtlingen vermeiden • Bezirksregierung richtet Notunterkunft im ehemaligen Amt für Arbeitsschutz am Leisweg ein. • Bis zu 100 Flüchtlinge sollen im Laufe der nächsten Woche untergebracht werden, um eine drohende Obdachlosigkeit zu vermeiden. Münster/Coesfeld, 16.07.15 (PM). Die Bezirksregierung Münster richtet im landeseigenen Gebäude am Leisweg eine Notunterkunft ein. Die Räume des ehemaligen…

Warum machen wir uns Integration so schwer

Geht es um Integration, haben wir Erwachsenen bereits die Schwierigkeit eine eindeutige und klare Erklärung für den Begriff zu finden. Wikipedia zeigt in welcher mannigfaltigen Variation Integration verstanden wird. Selbst wenn nur ein Blick aus der pädagogischen Sicht gewagt wird, ist alles noch nebulös. Was aber Integration nicht sein kann, ist die Aufgabe der eigenen…