Schlagwort: Mietwohnungen

Anteil an Mietwohnungen sinkt

Coesfeld fehlt es an Mietraum für Singles und Ältere

Nur wenige Mietangebote finden sich für Coesfeld in den bekannten Internetportalen wie Immobilienscout24 oder Immowelt. (Foto hlm)

Nur wenige Mietangebote finden sich für Coesfeld in den bekannten Internetportalen wie Immobilienscout24 oder Immowelt. (Foto hlm)

Als Single eine Mietwohnung finden, ist in Coesfeld keine einfache Angelegenheit, verfolgt man die Diskussion in der Facebook-Gruppe „Coesfelder Wohnungsmarkt“. Die Lage verschärft sich noch, wenn ein Hund oder eine Katze mit im Umzugsgepäck ist. Von Monate langer erfolgloser Suche und vielen Enttäuschungen ist die Rede. Generell ist das Angebot auf dem Coesfelder Wohnungsmarkt – gerade was günstigen Wohnraum angeht – sehr ausgedünnt. „Der Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen in Coesfeld ist von 1080 im Jahr 2000 auf 674 (Stand 2015) zurückgegangen – also um 37 Prozent“, rechnet Norbert Vogelpohl von Bündnis 90 / Die Grünen vor. Einen Grund sieht der Fraktionssprecher des Kreisverbandes der Grünen im Anstieg der Einkommen. Damit verbundene ist die Verringerung der Ansprüche auf begünstigten Wohnraum. In seinen Augen braucht es insbesondere in innerstädtischer Nähe alten- und behindertengerechte Wohnungen für ein bis zwei Personen. Potenzial sei im städtischen Bereich für hundert Wohnungen: „Die Zukunft des Wohnungsbaus in Coesfeld liegt in der Innenstadt und nicht in der Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen, die infrastrukturell erschlossen werden müssen.“

Auch die Stadtverwaltung beobachtet eine Reduzierung des Wohnungsbestandes. Laut deren Berechnung hat sich der Bestand in den letzten 15 Jahren von 1080 auf 874 Wohnungen gesenkt. Eine Abnahme von 22 Prozent. Eine Methode, den Anteil von Sozialwohnungen bei Neubauten zu steuern, wäre eine Quotenregelung. Diese gibt es in Coesfeld nicht. Erster Beigeordneter der Stadt Coesfeld, Thomas Backes, zeigt auf das Integrierte Handlungs- und Maßnahmenkonzept, das bereits 2013 die Problematik von fehlendem Wohnraum für Singles und ältere Menschen herausstellt. Mit einem Wohnungsmarktkonzept und der Förderung von unterschiedlichen Wohnangeboten will die Stadtverwaltung die innerstädtische Entwicklung in den kommenden Jahren lenken.

Das Land NRW hat die Einkommensgrenzen für den Anspruch auf öffentlich geförderten Wohnungsraum deutlich angehoben. Damit hätte ein größerer Kreis Anspruch auf Wohnförderung. Aktuelle liegt die Grenze für einen 4-köpfigen Haushalt mit zwei Kindern bei einem anrechenbaren Jahreseinkommen von 33730 €. Da aber eine transparente Informationspolitik für Beitragsberechtigte fehlt, leitet Norbert Vogelpohl darin einen weiteren Grund für die Abnahme des Bedarfes ab.

Dieter Goerke (Aktiv für Coesfeld / Familienpartei) sieht, wie Vogelpohl, den Bedarf an kleinen Wohnungen. Es fehle für den Bau solcher Wohneinheiten Flächen und die Bereitschaft von Investoren solche Bauprojekte zu finanzieren. Durch den Wegfall der gesetzlichen Bindung für viele Sozialwohnungen älteren Baujahrs verstärke sich die Lage. Diese Wohnungen ständen dann dem freien Markt zur Verfügung. Mehr Anreiz für private Kapitalanleger in öffentlich geförderten Wohnraum zu investieren, könnte nach Auffassung des Fraktionsvorsitzenden die Senkung der Grundsteuer B schaffen.

Laut einer Presseerklärung des CDU-Stadtverbandes liegt es an den vom Land NRW festgesetzten Förderungskonditionen, dass der öffentlich-geförderte Wohnungsbau von Investoren kaum bevorzugt wird. Verstärkt wird der Effekt zusätzlich durch die günstigen Zinsen am Kapitalmarkt. Im aktuellen Wohnungsmarktbericht für Nordrhein-Westfalen, herausgegeben von der NRW.Bank, werden als Hemmnisse hohe Baukosten, fehlende Bauflächen sowie eine geringere zu erwartende Rendite aufgelistet. Ebenfalls schrecken eine Bindungspflicht und ein hoher Verwaltungsaufwand bei der Vermietung von öffentlich geförderten Wohnungen ab. Ähnlich argumentiert Thomas Backes: „Trotz der vom Land gewährten Tilgungsnachlässe lässt sich bei einer Bewilligungsmiete von zurzeit 5,25 €/m² kaum eine Eigenkapitalverzinsung erzielen.“ Für private Bauherren sei sozialer Wohnungsbau daher nicht wirtschaftlich. Die Stadt setze hier verstärkt auf das Engagement der örtlichen Wohnungsbaugenossenschaften und -gesellschaften. Hier liegt nach Angaben der Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft (WSG) die Durchschnittsmiete bei 4,48 Euro pro Quadratmeter. Kreisweit hat sie einen Bestand von 440 öffentlich geförderten Wohnungen und 760 Wohnungen im frei finanzierten Bereich.

Wenig bezahlbarer Wohnraum

Ein Meinungsbild über Angebot und Nachfrage von Wohnraum in Coesfeld Coesfeld, 09.03.16 (hlm). Über drei Monate braucht es im Schnitt, bis ein Interessent einen passenden Wohnraum in Coesfeld gefunden hat. Das ergab eine Umfrage in einer Coesfelder Gruppe eines sozialen Netzwerks, an der sich 75 Nutzer beteiligt haben. Eine Neu- oder Wiedervermietung gelingt in 80 Prozent der Fälle…

Vom Abrissbagger erstmal verschont

Stadt mietet Caritas-Haus für Flüchtlinge

Die Abrissgenehmigung liegt schon vor. Jetzt ist Baustopp. Die Stadt nutzt das Haus für die kommenden drei Jahre zur Unterbringung von Flüchtlingen. (Foto hlm)

Die Abrissgenehmigung liegt schon vor. Jetzt ist Baustopp. Für Flüchtlinge mietet die Stadt das Haus für die kommenden drei Jahre. (Foto hlm)

Coesfeld, 25.02.16 (hlm). Bis zu 60 Flüchtlinge sollen in sechs bis acht Wochen einen Platz zum Wohnen in dem ehemaligen Haus der Caritas an der Wiesenstraße 18 finden. In einem schlechten Zustand befindet sich das alte Gebäude nicht. Dennoch wollte die Caritas den Abrissbagger anrücken lassen, um neuen Wohnraum für psychisch zu betreuende Menschen zu schaffen. Doch jetzt ist Stopp. Die Wohlfahrtsorganisation hat von dem Bauvorhaben bis 2019 Abstand genommen und das Gebäude der Stadt angeboten. Die braucht händeringend Wohnraum für zugewiesene Flüchtlinge. Im Moment suchen 450 Menschen in Coesfeld Asyl. Durch die Schließung der Notunterkunft am Schulzentrum werden bis zum Sommer 2016 zusätzlich 350 Menschen eine Bleibe finden müssen. Auf 27 Immobilien kann die Stadt zurückgreifen. Es sind teilweise eigene Immobilien, werden gerade als provisorische Unterbringung errichtet oder sind angemietet. Reichen wird das nicht. Dr. Thomas Robers, Dezernent der Stadt Coesfeld, schätzt vorsichtig bis Ende dieses Jahres mit bis zu 1100 Flüchtlinge. Mieten sei für die Stadt eine attraktive Lösung. Sie kann flexibel auf den Flüchtlingsstrom reagieren. Zum ortsüblichen Mietsatz nutzt die Verwaltung das Haus der Caritas für die kommenden drei Jahre. Dann wird der Eigentümer das Bauvorhaben wieder aufnehmen. Bis dahin hofft die Stadt auf eine entspanntere Lage.

In den nächsten Tagen werden die Handwerker mit den Umbau- und Renovierungsarbeiten am Vorder- und Hinterhaus beginnen. Der Keller soll mit sanitären Anlagen, getrennt nach Geschlecht, ausgestattet werden. In den Etagen sollen Wohneinheiten mit einer Gemeinschaftsküche zur Selbstversorgung, Toiletten und Mehrbettzimmer entstehen. Bevor die ersten Flüchtlinge Mitte bis Ende April in das Haus einziehen, will die Stadt die Nachbarn zu einer Informationsveranstaltung ins Haus einladen.