Türspalt für eine Gesamtschule geöffnet

Interfraktionellen Arbeitsgruppe beschlossen

Coesfeld, 17.03.16 (hlm). Die SPD konnte den Antrag zur Gründung einer Gesamtschule auf der Ratssitzung nicht durchbringen. Der Vorstoß kam für die übrigen Parteien überraschend. Trotzdem war sie mit dem taktischen Manöver, wie es die Grünen hinter vorgehaltener Hand benennen, nicht erfolglos. Denn bei nur einer Gegenstimme öffnen die Fraktionen aller Parteien einer interfraktionellen Arbeitsgruppe einer Gesamtschule einen Türspalt. Der Beschlussvorschlag kommt aus den Händen von Pro Coesfeld. Aus informellen Kreisen heißt es, die Partei habe ohne Wissen der SPD Gespräche mit CDU-Mitgliedern im Hintergrund geführt.

Elternbefragung März 2015 Grundschuleltern: 30% Gesamtschule (bei einem zukünftigen Schüleraufkommen von 320 Schülern = rund 95 Schüler, Mindestgröße 100 Schüler)

Ergebnis der Elternbefragung unter Coesfelder Eltern mit Grundschulkindern vom März 2015. (Quelle Projektgruppe Bildung und Region)

30 Prozent der Eltern wünschen sich laut Ergebnis der Befragung zur Schulentwicklung eine solche Schulform. Eine Zahl, die nicht einfach übersehen werden kann. Darin sind sich alle einig. Uneinigkeit besteht darin, wie damit umzugehen ist. Stephan Beck (CDU) zeichnet das Bild von Schulschließungen, gründe sich eine Gesamtschule. Er wird konkret und nennt als Schließungsopfer unteranderem das Heriburg, das städtische Gymnasium mit Halbtagsangebot. Auch die FDP rückt von der grundsätzlichen Ablehnung ab. Wolfgang Kraska: „30 Prozent kann man nicht beiseiteschieben, das muss man betrachten.“ Dem Szenario der Ausdünnung der Schullandschaft durch eine Gesamtschule schließt er sich an. Dem FDP-Mann ist es wichtig, bei einer interfraktionellen Arbeitsgruppe die Zukunft der Hauptschule nicht außen vor zu lassen. Das Profil dieser Schulform sei zu schärfen, statt kaputt zu reden. Außerdem stellt er die Frage, welche Form die Gesamtschule haben soll: mit oder ohne Abiturzweig?

Deutliche Zustimmung für eine Gesamtschule kommt von Charlotte Ahrendt-Prinz. Der Schulentwicklungsplan habe bisher ohne ein Gesamtschulkonzept stattgefunden, obwohl 30 Prozent der Eltern sich diese Schulform wünschen, argumentiert die Fraktionssprecherin der Grünen. Sie wird noch deutlicher: „Die Hauptschule ist am Ende. Kaputt geredet wird die Gesamtschule.“ Für Ahrendt-Prinz braucht es das alternative Schulangebot, weil das die richtige Schulform für einige Kinder sei. In Richtung SPD moniert sie: „Der SPD-Antrag ist für die Galerie.“ Die Grünen werden der Bildung einer Arbeitsgruppe zustimmen.

Dieter Goerke, von Aktiv für Coesfeld (AfC), will dem Antrag der SPD folgen. Er sieht die zahlreiche Zustimmung für diese Schulform in der Befragung. Das Ergebnis sei sogar ohne die Aufklärung der Eltern zustande gekommen. In seinen Augen ist das Potenzial da. Er plädiert für eine Gesamtschule. Sie böte das Abitur in drei Jahren und nicht als Turboabitur in verkürzter Form an. Eine Bestandsgefährdung für andere Schulen weist Goerke nicht von der Hand. Diese heftige Diskussion gelte es auszuhalten.

Bernd Rengshausen (CDU) ist ein Verfechter des dreigliedrigen Schulsystems und poltert in der Ratssitzung: „Sie können in zehn Monaten zwar ein Kind bekommen, aber keine Schule. Der SPD-Antrag ist Nonsens.“ Bei einer Schülerzahl von 600 bis 900 böte nur das Schulzentrum den notwendigen Raum. Das dort angesiedelte städtische Gymnasium Nepomucenum und die Theodor-Heuss-Realschule laufen im Ganztagsbetrieb. 30 Prozent Zustimmung bei der Befragung – das glaubt er nicht. Höchstens 14 Prozent. Denn im Ergebnis sind die „Vielleicht-Sager“ eingerechnet. Eltern, die ihr Kind möglicherweise an eine Gesamtschule anmelden. Diese Schulform ist stets eine Ganztagsschule. Bei Gründung gäbe es dann keine Alternative mehr.

Als Ludger Kämmerling (Bündnis 90 / Die Grünen) die Hauptschule als Patientin bezeichnet, die künstlich am Leben gehalten wird, schaltet sich Bürgermeister Heinz Öhmann ein: „Seit 35 Jahren führen wir die Strukturdiskussion, statt die Schulen zu stärken.“ Die Hauptschule habe sich gewandelt und das pädagogische Konzept angepasst.

Öhmann als Ratsvorsitzender lässt in zwei Schritten abstimmen. Der SPD-Antrag wird mit 28 Neinstimmen und 14 Jastimmen abgelehnt. Dafür erhält der Beschluss zur Gründung einer interfraktionellen Arbeitsgruppe ein einstimmiges Votum. Die Frage, ob die Verwaltung in die Arbeitsgruppe einbezogen wird, bleibt noch offen.

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