Warum machen wir uns Integration so schwer

Geht es um Integration, haben wir Erwachsenen bereits die Schwierigkeit eine eindeutige und klare Erklärung für den Begriff zu finden. Wikipedia zeigt in welcher mannigfaltigen Variation Integration verstanden wird. Selbst wenn nur ein Blick aus der pädagogischen Sicht gewagt wird, ist alles noch nebulös. Was aber Integration nicht sein kann, ist die Aufgabe der eigenen Kultur oder gar Persönlichkeit, um am gemeinschaftlichen Leben teilhaben zu können. Unsere Gemeinschaft kann Reichtum erlangen, wenn wir uns im Rahmen unserer gesellschaftlichen Spielregeln aufeinander zubewegen. Wir müssen lernen den Gegenüber so zu akzeptieren, wie er ist. Wie das aktiv praktiziert wird, können wir von Kindern lernen. Ein Beispiel dafür ist das Integrative Montessori-Kinderhauses Coesfeld. 60 Kinder spielen und arbeiten an den Werktagen ganztägig miteinander. Behinderte und nicht-behinderte Kinder, Kinder unterschiedlicher Religionszugehörigkeit, Kultur oder sozialer Herkunft bilden eine sehr heterogene Gemeinschaft. In dem Haus gibt es Grundregeln für das Zusammenleben. Sie sind einfach und für Kinder klar verständlich. Innerhalb dieses Rahmens dürfen sich die Kinder entfalten. Ältere Kinder haben das verinnerlicht und sind Vorbild für die jüngeren.

Integration erleben © Montessori-Kinderhaus Coesfeld 2007

Im Verlaufe eines Tages im Kindergarten bilden sich immer wieder, ohne Mitwirkung von Erwachsenen, kleinere Spielgruppen mit wechselnden Akteuren. Ein oft wiederkehrendes Beispiel ist der Aufbau eines Turms aus Holz, der fast bis zur Decke reicht. Ein Kind beginnt mit dem Aufeinanderstapeln. Als Baumaterial werden Holzwürfel des Rosa Turms mit Holzquadern der Braunen Treppe kombiniert. Andere Kinder sitzen zunächst scheinbar unbeteiligt in der Nähe. Aber sie beobachten das Geschehen sehr genau. Es kommt der Zeitpunkt an dem der Erbauer des Turms an seine physische Grenze stößt. Seine Körpergröße reicht nicht, um weitere Steine auf den Turm zu stellen. Sofort gesellen sich Kinder dazu und bieten Hilfe an. Aus der anfänglichen Einzelarbeit wird nun Teamarbeit. Gemeinsam schaffen sie eine Stufenleiter herbei und vollenden das Werk. Nicht nur der Turm wächst in seine Höhe, auch die sozialen Kompetenzen der Kinder erweitern sich. Das pädagogische Team steht am Rand des Geschehens und beobachtet. Es greift nur unterstützend ein, wenn es notwenig ist, von der Gruppe eingefordert wird oder Regeln des gemeinschaftlichen Zusammenlebens überschritten werden.

In einem solchen sozialen Gefüge muss auch die zeitlich begrenzte Isolation einer Person aus der Gruppe akzeptiert werden. Diese Phasen sind für die Entwicklung eines Kindes von enormer Bedeutung. Es beschäftigt sich mit sich selbst und versucht die Umgebung zu begreifen. Dezente äußere Reize sind dazu Lockmittel. Dieses schafft die vorbereitete Umgebung. Sie ist eine der wichtigsten Grundregeln des Hauses. Sie sorgt dafür, dass alles, was ein Kind zum Arbeiten benötigt, an einem bestimmten Platz vollständig vorzufinden ist. Dabei wird das Material auch nicht hinter Schranktüren versteckt. Es steht in Augenhöhe des Kindes und lädt es ein, wie das Down-Syndrom-Kind Corinna. Völlig in sich versunken und mit höchster Konzentration löffelt es Glassteine von einem Glas in das andere. Angetrieben von der Wissbegierde wiederholt sie die Handgriffe solange, bis das innere Bedürfnis zufrieden gestellt ist. Niemand lacht, niemand unterbricht sie und niemand wird versuchen zu helfen, solange Corinna das nicht fordert.

In dieser kleinen Gemeinschaft haben alle Beteiligten die Regeln akzeptiert und Leben miteinander in einem Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen. Lasst uns das als Vorbild nehmen für das kommende Jahr 2010.

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