Wege für die Berkel

Die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Planen und Bauen berieten sich am Mittwoch im Großen Saal des Rathauses über das Gestaltungskonzept von Planorama.

Eine Jahrhundertchance nennt es Hermann-Josef Peters von Pro Coesfeld: die städtebauliche Integration der alten Berkel in der Innenstadt. Vor gut drei Wochen trugen vier Landschaftsarchitekturbüros ihre Ideen zur Umgestaltung der Berkel der Öffentlichkeit vor. Im Anschluss bewertete eine Expertenkommission die Konzepte und empfahl der Stadt die Zusammenarbeit mit Planorama. „Die anderen waren nicht schlechter“, betont Stadtbaurat Thomas Backes am Mittwochabend vor dem Ausschuss für Umwelt, Planen und Bauen. „Aber die Berliner brachten Ideen ein, die die Stadt weiter nach vorne bringt“, begründet er die Entscheidung. Mit welchen Gestaltungsideen das Architekturbüro überzeugen konnte, trug Maik Böhmer, Inhaber von Planorama, den Ausschussmitgliedern im Rathaus vor. Ins Zentrum ihrer Überlegungen haben die Berliner das historische Stadtbild von Coesfeld gerückt. Die Berkel war im innerstädtischen Raum stets nur in kurzen Abschnitten offen und auch nicht direkt wahrnehmbar. Enge Gassen und wenig zusammenhängende Grünanlagen waren prägende Merkmale der Stadt. Ebenso zum Bild der münsterländischen Kulturlandschaft gehören rote Backsteinfassaden mit eingefassten Sandsteinelementen. Ein Alleinstellungsmerkmal von Coesfeld hebt Böhmer hervor. Die Stadt an der Berkel hat zwei Gewässerabschnitte mit unterschiedlichen Gesichtern und Funktionen. Von Nord nach Süd umarmt die Umflut mit der Fegetasche als Naturraum mit hoher ökologisch Wertigkeit die Stadt. Mitten durch das Zentrum zieht sich ein, bisweilen sehr versteckter, Bachlauf im urbanen Raum – ein Artefakt der Stadt. An dieser Stelle setzen sich die Landschaftsarchitekten vom historischen Bild etwas ab. In vier Vertiefungsbereichen möchten sie die Innenstadt-Berkel inszenieren, um sie aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Die Berkel soll sich so in das Bewusstsein der Menschen verankern. Jeder Bereich kann für sich als Modul betrachtet werden. Es muss also nicht alles auf einmal umstrukturiert werden. Die Maßnahmen lassen sich nach und nach umsetzen. Der Zeitrahmen bewegt sich aber nicht in Jahrzehnten, sondern ist eingegrenzt durch die Vorgaben der Regionalen 2016. Denn die Stadt will mit dem Projekt BerkelStadt Coesfeld beim Strukturförderungsprogramm an vorderster Front mitspielen und muss bis zum 20.09.2013 dem Regionale-Büro eine Projektstudie auf den Tisch legen.


Vertiefungsbereich der Innenstadtberkel auf einer größeren Karte anzeigen

Der einschneidendste Vertiefungsbereich ist das Postareal im Süden. Das geplante Berkelhaus markiert hier den Beginn des Umbauprozesses. Die Stadtverwaltung erhofft sich eine Aufwertung des gesamten Quartiers mit einer Strahlwirkung in die Davidstraße und Süringstraße. Der Gestaltung zu einem attraktiven Raum folgen auch die Landschaftsarchitekten für die Innenstadt-Berkel. Einen Platz für eine Gastronomie sehen sie hier nicht. Statt die Konkurrenz zu vergrößern, sollen die vorhandenen Angebote in der Stadt gestärkt werden. Den Fokus setzt Planorama auf mehr Erlebnis. Sie wollen die Menschen näher an die Berkel bringen. Den Trog, wie Böhmer den Gewässerabschnitt zwischen Davidstraße und Poststraße nennt, will er zu einer begehbaren Terrasse gestalten. Sie soll zum Besuchen aber auch Verweilen einladen. Der helle Beton als Boden und Bachbettsohle, flankiert von den roten Stützmauern, ist dabei als Sinnbild des münsterländischen Baustils zu verstehen.

Der Trog zwischen Davidstraße und Poststraße

Wolfgang Kraska blickt besorgt auf die niedrige Wassermenge in den heißen Monaten: „Das eigentliche Problem ist der Trog.“ Der FDP-Mann spricht von 30 Liter Wasser pro Sekunde, die dann noch durch die Innenstadt-Berkel fließen. Dem begegnen die Landschaftsarchitekten mit einer Kanalisierung, also Einengung der Berkel. Wird dann noch die Sohle aufgeraut, wird das Bächlein sogar noch akustisch wahrnehmbar sein. Etwas ins Schwimmen gerät das Ideenspiel, wenn es um die Barrierefreiheit geht. Das sind Zutaten, die dem Konzept im jetzigen Stadium noch fehlen.

Alles in Beton gefasst.  Mit diesem Gedanken musste sich die Grüne Charlotte Ahrendt-Prinz erst anfreunden. Sie bevorzugt natürliche Baustoffe. Aber die ökologische Komponente sieht Ahrendt-Prinz in der Umflut als Naturraum und kann sich die Innenstadt-Berkel als Kunstraum gut vorstellen. Doch damit müssen sich auch die Bürgerinnen und Bürger identifizieren können. Wenn es zum identitätsstiftenden Merkmal der Stadt werden soll, muss dafür Öffentlichkeit erzeugt werden. Ein Gedanke, den später Pro Coesfeld noch aufgreifen wird.

Architekt und Pro Coesfeld-Mitglied Hermann-Josef Peters bohrt nach und will wissen, was die Stadtverwaltung unter dem Begriff „städtebaulicher Kante“ versteht.

Einen Berkelpark im Postareal sieht Planorama als untypisches Stadtelement. Vielmehr soll der unbefestigte Parkplatz an der Davidstraße städtebaulich genutzt werden. Städtebauliche Kante nennen es Rat und Verwaltung. Die Bebauung wird als Verbindungselement zwischen dem noch entstehenden Berkelhaus und dem Berkelparkhaus gesehen. Sie soll dem Innenstadtcharakter von engen Fußgängergassen, mit punktueller Begrünung, folgen. Dieser Gestaltungsplan steht und fällt mit der Schaffung einer Ersatzparkfläche. Das weiß auch der Stadtbaurat. Doch die Verwaltung, so lässt Backes durchblicken, hat noch zwei Schürhaken im Feuer, falls es mit dem Hageböck-Parkhaus nicht gelingt. Die Alternativen liegen im maximalen Umfeld von 150 bis 200 Metern vom jetzigen Parkplatz.

Den Gestaltungsentwurf für den Vertiefungsbereich 2, 3 und 4 haben die Coesfelder-Nachrichten.de bereits im Beitrag „Chancen für die Innenstadt-Berkel nutzen“ beschrieben. Die Stadt Coesfeld hat auf ihrer Webseite das Gestaltungskonzept von Planorama veröffentlicht.

Pro Coesfeldes Vorschlag, die Bürgerbeteiligung jetzt nicht abrupt enden zu lassen, sondern die Menschen wieder näher an den Prozess zu bringen, teilen alle Parteien. In einer Veranstaltung soll Planorama das Konzept der Öffentlichkeit vorstellen. Das ist konsequent und folgt dem bisherigen Weg die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot zu nehmen, was auch Maik Böhmer als positives Merkmale der Coesfelder herausstellt.

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