Wo leben wir?

Nutze deine Stimme

Coesfeld, Europa, die Welt, 26.02.17 (hlm). Wie beschaulich lebt es sich in Coesfeld! Weit ab von der großen Politik und vom Weltgeschehen gehen wir in unserem Berkelstädtchen dem Alltag nach. Ja, es geht uns sehr gut. Nur gelegentlich werden wir mit großen Dingen konfrontiert. Nehmen wir das Beispiel Flüchtlingshilfe. Mit Engagement vieler ehrenamtlicher Bürgerinnen und Bürger halfen und helfen Menschen anderen Menschen, die vor Krieg, Terror, Mord und anderen Gründen ihre Heimat verlassen haben. Heimat verlassen! Was bedeutet das? In der Allgemeinen Zeitung hat vor einiger Zeit die Journalistin Eman Khalf in einem Kommentar ihre Eindrücke beschrieben. Es waren Sätze, die mich als weltoffener Mensch tief bewegt haben. Der Heimat den Rücken zu zudrehen und zu verlassen. Das ist kein Umzug in eine andere Wohnung. Diesen Entschluss fassen Menschen, die in ihrem Land keine Perspektive mehr sehen. Sei es langfristig oder kurzfristig. Sie gehen, nehmen Erinnerungen mit, lassen Wohnort, Arbeit, Ausbildungsplätze, Verwandte und Freunde zurück, auf der Suche nach Sicherheit. Und machmal entpuppt sie sich als Unsicherheit oder endet gar mit dem Tod.

EU-Gebäude in Brüssel. (Foto Amio Cajander, Flickr)

Unsere Stadt gehört der Europäischen Gemeinschaft an. Ein Staatenverbund, der 2012 den Friedensnobelpreis erhielt. Überreicht, da wir uns für Frieden, Demokratie und Menschenrechte eingesetzt haben. Darauf können wir Stolz sein. Einige Wenige sehen das nicht. Sie wollen eine Umkehr; den Rückschritt in die staatliche Isolation. Einen Weg, den ich nicht mit gehen will. Denn ich bin Europäer. Ich setzte auf eine starke Union, die mit den wichtigsten Werte Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsrecht und Menschrecht ein starkes Rückgrat der Demokratie ist. Genau diese Werte werden unterhöhlt und infrage gestellt. In Deutschland will die Alternative für Deutschland Europa abschaffen. Sie will die Schlagbäume wieder aufstellen und die gemeinsame Währung aufgeben. Das ist reine Polemik und bringt uns nicht weiter. Dieser Weg ist ein Rückweg!

Zurück zu unseren beschaulich und friedvollen Coesfeld. Äußerlich mag es stimmen. Doch hier brodelt es hinter den Fassaden. In den sozialen Netzwerken werden sich verbale Schlachten geliefert, Beleidigungen, rechtspopulistische Gedanken unterschwellig und unverblümt veröffentlich und bisweilen mit „Daumen hoch“ kommentiert. Hoffung habe ich: Denn es halten zunehmend Bürgerinnen und Bürger dagegen. Um unsere Demokratie zu verteidigen, braucht es mehr Bekenner, die sich zur gewaltfrei wehren und sich öffentlichen Diskussionen stellen. Besonders spreche ich die Lokalpolitiker an. Mit ihrer Nicht-Einmischung düngen sie geradezu den Boden für den Rechtspopulismus und einem latenten Autokratismus.

Doch es ist Hoffnung in Sicht. Die Niederländer nutzten mit einer Wahlbeteiligung von 82 Prozent ihr demokratisches Recht. Sie haben dem geeinten Europa eine deutliche Stimme gegeben und ihren Ministerpräsidenten Mark Rutte im Amt bestätigt. Sie haben dem Gesellschaft spaltenden Geert Wilders mit seiner Ein-Mitglieds-Partei ein deutliches Signal gegeben: „So nicht!“.

Am 14. Mai 2017 ist Landtagswahl. Lasst uns die Chance ergreifen. Machen wir es wie die Niederländer. Nehmen wir unser Stimmrecht. Setzen wir damit dem Versuch unsere Grundwerte zu untergraben ein deutliches Ende. Beantworten wir damit die Frage wo wir leben wollen mit: „In Europa!“

 

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