„Die Menschen brauchen Unterkünfte“

Ausschuss Umwelt, Planen und Bauen stimmt Blockhäusern zu

Coesfeld, 20.01.16 (hlm). Für den Ausschuss Umwelt, Planen und Bauen ist die Sache glasklar. Einstimmig sind die anwesenden Mitglieder für den Bau von Blockhäusern, um zukünftig weitere Kapazitäten für die Unterbringung von bis zu 120 Asylbewerber zu haben. Errichtet werden sie nach jetziger Planung hinter der Bahnlinie an der Bruchstraße in Lette, schräg gegenüber der Grundschule. Fünf von insgesamt zehn Holzhäusern sollen zügig errichtet werden. Mit einer Bauzeit von sechs bis acht Wochen wird gerechnet, sobald der Untergrund der Fläche vorbereitet ist. Die anderen Häuser sollen bei Bedarf aufgebaut werden. So hat sich die Verwaltung einen Spielraum zwischen Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit geschaffen. Denn die Stadt steckt in einer Zwickmühle. Uwe Dickmanns (Fachbereich Bauen und Umwelt) macht die Lage deutlich: Eine verlässliche Prognose, wie viele Menschen Coesfeld zugewiesen bekommt, gibt es nicht. Das ist von der Gesamtzahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge abhängig. Bis jetzt hatte die Stadt von den zwei Notunterkünften, die die Bezirksregierung zur kurzfristigen Unterbringung nutzte, profitiert. Denn die Anzahl der dort untergebrachten Personen wurde der Stadt zugerechnet. Klar ist: Bis Ende März dieses Jahres wird die Turnhalle am Sportzentrum als Notunterkunft aufgegeben; der Mietvertrag mit dem Bau- und Liegenschaftsamt Münster für den „Leisweg“ endet am 31.01.16. Flüchtlinge beherbergt das alte Amt für Agrarwirtschaft nicht mehr. Das heißt für Coesfeld künftig 314 Asylbewerber mehr, die ein Platz zum Schlafen brauchen. Diese hat die Stadt, neben der Schlüsselzuweisung von 0,23 Prozent aller in Nordrhein Westfalen zugewiesenen Flüchtlinge, schrittweise zusätzlich unterzubringen. Innerhalb von fünf Monaten jeweils 20 Prozent. Und da liegt die Krux. Rechnerisches ergibt sich ein Defizit bei den Unterbringungskapazitäten für Schutzsuchende. Trotz mehrmaligem Aufruf in der Öffentlichkeit meldeten sich wenige Privatleute, die Wohnraum anbieten wollten. Die Häuser im städtischen Besitzen reichen nicht aus. Vorübergehend kann die Verwaltung die Räume am Leisweg nutzen und damit die Spitze abfedern. Weiterer Wohnraum, wie im Gasthaus Klinke, ist im Umbau. In Coesfeld ist gerade Bauboom. Handwerker sind nicht leicht zu bekommen. Aber Dickmanns ist sich sicher: „Wir schaffen das“. Gemurmel und Lachen bei den Ausschussmitgliedern über das merkelsche Zitat.

Die Abstimmung verlief im Ausschuss zwar eindeutig, aber nicht kritiklos. Mit der taxierenden Wortwahl: „Er vermisse die Beteiligung des Bezirksausschusses“, schwank deutlich Kritik vom CDU-Mann Michael Quiel Richtung Verwaltung, die Letteraner außen vor gelassen zu haben. Die Zeit sei knapp gewesen und die Zustimmung des Vorsitzenden des Bezirksausschusses sei da gewesen, bittet Thomas Backes um Nachsehen. Bei der SPD bohrte André Kretschmar (SPD) vor seinem „Ja“ nach, ob alternative Standorte zur Wahl standen. Etwa 20 Standorte seien vom Fachbereich eruiert worden und scheiterten aus planungstechnisch Gründen oder hatten Nutzungseinschränkungen, so Backes. Der erste Beigeordnete der Stadt hob die gute benachbarte Infrastruktur, wie Schule, Freizeiteinrichtung und Einkauf, am Standort Lette hervor. Für Hermann-Josef Peters (Pro Coesfeld) ist die Sachlage ganz klar: „Das Asylrecht kann nicht einschränken werden. Die Menschen brauchen Unterkünfte.“

Dem Beschluss zustimmen muss der Haupt- und Finanzausschuss und abschließend der Rat der Stadt Coesfeld.

 Geplante Fläche für den Bau der provisorischen Unterkünfte.

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