Die Botschaft raus tragen: Maikundgebung in Coesfeld

Coesfeld, 01.05.2015 (hlm). Schlag 11 Uhr stimmt Radikale Phantasie zum 13. Mal mit Liedern zur Maikundgebung auf dem Marktplatz ein. Die Gewerkschaften feiern den 125. Tag der Arbeit, der an die Rechte der Arbeiter erinnert. Diesmal unter dem Motto „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir.“ Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Ortsverband Coesfeld, Heinz Dickhoff, schreitet zur Begrüßung der gut 100 Teilnehmer zum Mikrofon. Er stellt die Position der Gewerkschaften deutlich heraus: „Wir haben nichts für Rechte über.“ Er zeigt dabei auf ein kleines Schild mit der Aufschrift „Laut gegen Rechts. Bunt sind wir sowieso.“ Ein paar Stunden später wird im Netz die Meldung durchgehen, dass Rechtsradikale eine Maikundgebung der Gewerkschaft in Weimar attackiert haben.

Gut 100 Teilnehmer konnten die Gewerkschaften für die Maikundgebung zum 125. Tag der Arbeit mobilisieren. Foto hlm

Gut 100 Teilnehmer konnten die Gewerkschaften für die Maikundgebung zum 125. Tag der Arbeit mobilisieren. Foto hlm

Eingeladen hatte der DGB Heinz Öhmann. Mit einem Zitat von Maxim Gorki: „Wem das Arbeiten ein Vergnügen ist, ist das Leben eine Freude“ leitet Coesfelds Bürgermeister seine Rede ein. Für ihn bedeutet Industrie 4.0 ein Paradigmenwechsel. Prinzipiell steht Coesfeld sehr gut da. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent ist dass Vollbeschäftigung. Laut aktuellen Daten der Arbeitsagentur, für April 2015, liegt die Quote bei 3,8 Prozent. 12241 Menschen, die keine Arbeit haben und die soziale Unterstützung der Gemeinschaft benötigen. „Welche Zukunft hat die Arbeit in der digitalen Welt“, fragt Öhmann und übernimmt die Aufforderung des Bundesvorsitzenden des DGB, Reiner Hoffmann. Er forderte in einer Grundsatzrede letztes Jahr die gesellschaftliche Debatte über den Wert der Arbeit.

Der Gewerkschaftsmann von Nahrung – Genuss – Gaststätten Region Münsterland, Mohamed Boudih, nutzt die Plattform um die Mutter der Forderung eines Mindestlohnes in Erinnerung zurück zurufen: „Es waren die

Wettert gegen die Bundesregierung und gegen die modernen Sklaverei: Mohamed Boudih (Gewerkschaft Nahrung - Genuss - Gaststätten, Region Münsterland).

Wettert gegen die Bundesregierung und gegen die modernen Sklaverei: Mohamed Boudih (Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten, Region Münsterland). Foto hlm

Gewerkschaften, die sich dafür starkgemacht haben.“ Für ihn hat sich, trotz Unkenrufen aus der Industrie, die Zahlung von mindestens 8,50 Euro je Stunde zu einem Erfolgsmodell etabliert. Es habe nicht die Wirtschaft geschwächt. Er mahnt zur Wachsamkeit, dass der erstrittene Gewinn nicht durch Tricksereien der Arbeitgeber ausgehöhlt wird. Boudih nennt als Beispiel Praktikums- und Werkverträge. Auch hier in Coesfeld gibt es nach seiner Auffassung prekäre Beschäftigungsverhältnisse und zeigt Richtung Westfleisch. „Zwei-Drittel der Belegschaft arbeitet mit Werkverträgen – ohne Rechte und Betriebsrat. Das ist moderne Sklaverei“, moniert er. Deutlich und klar für alle Zuhörer fordert er, dass generell alle Arbeitgeber die Arbeitsstunden ihrer Arbeitnehmer protokollieren sollen und nicht umgekehrt. Er verlangt auch, dass die Gewerkschaften ein Recht zur Klage zur Durchsetzung des Mindestlohnes erhalten sollen. Und in seinem Forderungskatalog steht die Aufforderung, der Staat solle die Bekämpfung der Schwarzarbeit stärken.

Als Mohamed Boudih das Rednerpult verlässt, gratuliert ihm der Emsdettener Gewerkschaftler Herbert Seemann für die treffenden Worte. Er hat vor acht Jahren an der gleichen Stelle am Rathaus gestanden und den Mindestlohn gefordert.

Hoch konzentriert folgt ein Teilnehmer der Rede von Mohamed Boudih.

Hoch konzentriert folgt ein Teilnehmer der Rede von Mohamed Boudih. Foto hlm

Von der Kundgebung aus Lette kommt zum Schluss Pastor Günter Kurz und sendet ein PKW – ein paar kurze Worte, wie er es übersetzt – zu den Teilnehmern auf dem Marktplatz. Die sind wirklich sehr kurz, wie sein Name, mit einer Danksagung für die Einladung.

Auf dem Marktplatz stehen die Teilnehmer in lockeren Gruppen zusammen, klatschen Beifall und nicken mit den Köpfen. Der ehemalige Organisationssekretär des DGB Münsterland Roland Engels ist als Rentner zu Besuch. Er sieht den Grund für die schwache Teilnehmerzahl in der Vielfalt des Freizeitangebotes. Trotzdem hat die Maikundgebung für ihn einen großen Stellenwert: „Es wird eine Botschaft rausgetragen, über die im Nachgang in den Betrieben viel diskutiert wird.“ Sein Nachfolger Martin Menacher stimmt ihm zu und ergänzt: „Es ist auch ein Tag, an dem sich Menschen aus unterschiedlichen Gewerkschaften nach langer Zeit wieder treffen und ihre Erfahrungen und Ideen austauschen.“

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