Die Volkszählung beginnt

Quelle: http://www.zensus2011.de/presse/bildmaterial.htmlAb Montag, 10.05.2011, machen sich die Interviewer in Coesfeld auf den Weg, dass Volk zu zählen. Folgen sie dem biblischen Rufe nach dem Buch Numeri, Kapitel 1: „Am ersten Tag des zweiten Monats, im zweiten Jahr nach dem Auszug aus Ägypten sprach der Herr in der Wüste Sinai im Offenbarungszelt zu Mose: Ermittelt die Gesamtzahl der Isareliten in der Gemeinde, geordnet nach Sippenverbände und Großfamilien; zählt mit Namen aller Männer die zwanzig Jahre und älter sind …„.
Wohl kaum. Die Interviewer berufen sich auf die Auskunftspflicht, die im §18 Zensusgesetz 2011 geschrieben steht.

Bei der Volksbefragung 1987 gab es von der Bevölkerung erheblichen Widerstand gegen eine solche Datenerhebung. Bei der jetzigen Volksbefragung, 24 Jahre später, hält sich der Boykott in Grenzen. Aber die Argumente der Gegner sind nahezu gleich geblieben. Kritiker, wie Zensus11, sehen die größte Gefahr in der Zusammenführung verschiedener Datenquellen. Das wird auch ganz offenen auf der Webseite Zensus2011 ausgesprochen: „Beim Zensus 2011 werden überwiegend Daten aus den Verwaltungsregistern genutzt und zusätzlich nur ein geringer Teil der Bevölkerung durch eine Haushaltebefragung um Auskunft gebeten.„. An weiterer Stelle heißt es: „Deshalb haben die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder ein Verfahren entwickelt, bei dem anhand statistisch auswertbarer Merkmale aus dem Melderegister und aus der Gebäude- und Wohnungszählung diese Haushaltszusammenhänge ermittelt werden können – die sogenannte Haushaltegenerierung.„. Auch befürchten die Gegner der Volkszählung, dass die Anonymität der Daten nicht gewährleistet ist. Das Argument wiegt gerade im ländlichen Raum schwer. Doch es bleibt ein Ausweg. Wer den Befragern nicht Rede und Antwort stehen will, kann sich die Papierbögen zur Haushaltebefragung aushändigen lassen und die Fragen selbstständig per Hand beantworten. Alternativ bietet sich der Weg über das Internet an. Pro im Haushalt lebende Person muss ein Erhebungsbogen ausgefüllt werden. Es gibt aber einen anderen Punkt, der zum Nachdenken bewegt. Auf der ersten Seite der Befragung werden persönliche Daten wie Name, Adresse, Telefonnummer, Geschlecht und Geburtsdatum erfragt. Die nachfolgenden Seiten mit spezifischen Fragen zur Religion, Ausbildung und Beruf sind über den Barcode in der Fußzeile stets der ersten Seite zuzuordnen. Anonym ist diese Befragung dann nicht mehr.

Aber wie gehen wir im Internet-Zeitalter eigentlich persönlich mit dem Schutz unserer privaten Daten um? Offenbaren wir nicht viel mehr über unser privates Leben in sozialen Netzwerken oder anderorts in der virtuellen Welt? Das Internet ist eine Daten-Fundgrube. Und oft gehen wir vielleicht zu unsensibel mit der Preisgabe von persönlichen Informationen um. Es ist ein Leichtes, das Profil einer Person mit Hilfe von Daten aus dem Internet zu erstellen. Natürlich ist es nicht einfach, eine Parallele zu der Volksbefragung zu ziehen. Denn dort sind die Fragen vorgegeben und müssen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Das ist im Internet so nicht der Fall. Hier entscheide – im Normalfall – ich, als Internet-Nutzer, was über mich bekannt werden soll. Aber wir sollten die Diskussion über die Volksbefragung dazu nutzen, über unseren Umgang mit persönlichen Daten im Netz nachzudenken.

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