Europa-Blues, Welt-Blues, Corona-Blues

Gescher (15.05.20/PM). Die Corona-Krise der letzten Wochen hat unsere Gesellschaft tief erschüttert und durch strenge Sicherheitsvorschriften neu geordnet. Das öffentliche und kulturelle Leben wurde weitestgehend eingestellt. Geschlossene Einrichtungen, Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote haben zu menschenleeren Straßen und Plätzen geführt. Die Befolgung hoher Hygienestandards wurde verpflichtend und ist seither alltagsbestimmend. Welche Auswirkungen haben die Pandemie und die zu ihrer Eindämmung geforderten Auflagen gehabt und wie äußern sich diese? 

„maria 2020“ von Julia Drahman & Maike Malerei auf Fotografie, Technik: Giclée-Fotodruck und Ölfarbe auf Leinen. Zu sehen in der Ausstellung „Corona-Blues“ der Kunsthalle Hense in Gescher.

Dinge, die wir für selbstverständlich hielten, waren es plötzlich nicht mehr. Quarantäne und soziale Isolation sensibilisierten für große und kleine Fragen des Lebens: Wie lebt es sich abgeschirmt, in Beziehungslosigkeit, Langeweile und Leere? Kann Einsamkeit heilen? Habe ich genug Toilettenpapier? – staunend sahen wir zu, wie ein Massenprodukt Karriere machte und zu einem begehrten Sammlerobjekt wurde, das in Geschäften sogar Schlägereien entfachte. Wie schnell werden zivilisatorische Verhaltensweisen über Bord geworfen, wenn Knappheit herrscht? Kann Anstand versiegen? 

Urplötzlich wurden wir gezwungen, vertraut Gewordenes aufzugeben und Bedürfnissen zu entsagen. Reisen fielen aus, doch die Sehnsucht nicht. Was tun, wenn die Fremde nicht besucht werden kann, die Ferne nicht beehrt? Können reale Reisen durch mentale ersetzt werden? Wieviel Selbstbeschränkung erträgt der Mensch? 

Wie erleben wir den Verzicht auf Souveränitäts- und Grundrechte, auf Bewegungs- und Versammlungsfreiheit? Noch vor ein paar Wochen unantastbare Errungenschaften unserer Zivilisation, wurden sie schnell und bereitwillig zum Wohle aller aufgegeben. Doch, wie schnell ist zu schnell, wieviel Entsagung unbedenklich? 

Während wir das Virus bekämpfen, geht es einem gut: dem Planeten. Die kurzfristigen Maßnahmen im Kampf gegen Corona haben positive Effekte auf Klima und Umwelt gehabt. Verzeichnet wurden ein Rückgang der Treibhausgase, verbesserte Luft- und Wasserqualität, ausgebliebene Müllberge durch ausgebliebene Touristen. In Venedigs Häfen schwimmen sogar wieder Delfine. Kann das Band „Mensch-Natur“ neu geknüpft und langfristig gefestigt werden? 

Als gemeinnütziger und sinnstiftender Träger von Kunst und Kultur hat die Kunsthalle Hense sich der Herausforderung gestellt, zügig auf das aktuelle Zeitgeschehen zu reagieren und eine Ausstellung zum Thema Corona-Realität kuratiert, in welcher wir den oben gestellten Fragen nachgehen. Gezeigt werden Positionen zeitgenössischer Kunst in den Disziplinen Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie, 

Installation und Video. Um eine stilistisch und inhaltlich facettenreiche Ausstellung zu konzipieren, wurden ausgewählte Galerien, Künstlerinnen und Künstler zu einer Teilnahme eingeladen. Durch ihre rasche Zustimmung und großzügigen Leihgaben konnte die hauseigene Sammlung für die Dauer der Ausstellung um zahlreiche Werke ergänzt werden. 

Die Kunsthalle Hense freut sich, wieder ihre Tore öffnen zu können und lädt herzlich dazu ein, den Corona-Blues gemeinsam zu erleben: durch Schauen, Fühlen, Sprechen oder Schweigen. 

Wir bitten alle Besucherinnen und Besucher sich an die bundesweit verordneten Vorschriften zu halten, eine Schutzmaske zu tragen und einen Personenabstand von mindestens 1,5 m einzuhalten. Falls nicht vorhanden, kann eine Schutzmaske in der Kunsthalle Hense erworben werden.