Hilfe für AIDS-Waisenkinder in Khayelitsha

Ein AIDS-Waisenkind aus dem Township vor den Toren Kapstadts.

Gastbeitrag von Prof. em. Dr. Horst Dichanz

Bei meinem ersten Besuch 2005 hatten uns zwei Frauen angesprochen, die in ihren bunten Zulu-Kleidern vor der Post in Stellenbosch/ Südafrika Aids-Schleifen verkauften und Spenden für ein Aids-Waisenhaus in Khayelitsha sammelten, das sie in Privatinitiative unterhielten. Khayelitsha (Xhosa: Neues Heim) – die Township vor den Toren Kapstadts, in der ca. 1,5 Million Schwarze in Bretter- und Plastikbuden hausen, um sich jeden Tag in der nahen Stadt oder auf einer der vielen Weinfarmen, Tierfarmen und in Industriebetrieben eine Arbeit zu suchen und sich einige Rand für ihren kümmerlichen Alltag zu verdienen. Nach dem Ende der Apartheid 1992 sind diese Townships in der Nähe jeder Stadt entstanden, Notunterkünfte für diejenigen, die aus ihren Homeland-Ghettos  geflohen sind, um irgendwo eine Arbeit zu finden.

Lindhi und Asanda, die beiden Frauen wohnen in Khayelitsha und erzählen von ihrem kleinen Waisenhaus und davon, wie schwierig es ist, auch nur das Nötigste an Essen und Kleidung für diese Waisenkinder zu bezahlen, deren Eltern an Aids gestorben sind. Viele Kinder sind  sich völlig selbst überlassen – ob zwei, vier oder zehn Jahre alt. Die Not in diesen Townships ist gnadenlos, sie unterscheidet nicht zwischen Kindern und Erwachsenen. Wir schauen uns an – und fragen erst uns, dann die Frauen, ob es möglich wäre, das Waisenhaus zu besuchen. Wir verabreden uns mit Lindhi, die ein wenig Englisch spricht und ein Taxi besorgen wird, um nach Khayelitsha zu kommen.

Am nächsten Morgen sind wir mit einem der weissen Mini -Taxis auf dem Weg zum Waisenhaus, das uns als „Intyatyambo Community Project“ vorgestellt wird. Nach zahllosen Kurven hält unser Fahrer in einer Seitenstraße vor einem einfachen Holzhaus: das Waisenhaus! Etwa 30 Kinder schauen uns neugierig an, drei weitere Frauen z.T. in Xosha-Kleidung begrüssen uns freundlich mit einigen Englisch-Brocken. Die Kinder stellen sich auf, und Nolubabalo und Thandazwa, zwei sieben- und zehnjährige Mädchen, führen uns einen rasanten Begrüßungstanz vor. Lindhi und Asanda bitten uns in einen kleinen Raum, wo uns das Projekt näher vorgestellt wird. Nicht allen kritischen Fragen unseres projekterfahrenen Walter sind die Frauen gewachsen, aber ihr ehrlicher Wille und Mut, Waisenkindern hier zu helfen, ist unübersehbar und beeindruckt uns. Sie sind auch bereit, eine ordentliche Kostenkontrolle zu akzeptieren, für uns eine wichtige Voraussetzung für eine finanzielle Unterstützung des Projektes. Im übrigen überzeugen uns der freundliche, aber bestimmte Ton, die äußerst bescheidene Unterkunft, – die Kinder sitzen z.B. auf dem Boden – und die fröhlichen Gesichter der Kinder ebenso wie das Gespräch mit den betreuenden Frauen, dass hier Hilfe ganz dringend erforderlich ist und in die richtigen Hände gelangt.

Das Aids-Waisenhaus liegt in einer „gemischten“ Gegend der Township Khayelitsha. Aus der Tür des Waisenhauses tritt man auf eine der wenigen Asphaltstraßen. Der Sand vor diesen festen „Häusern“, in dem bei trockenem Wetter die Kinder spielen, wird bei heftigem Regen auf die Strasse gespült, eine Kanalisation gibt es nicht. An die Hinterwand des Waisenhauses lehnt ein „Shack“, eine Bretterhütte: ca. 3×3 m, eine Tür, ein Fenster, ein Raum, in dem ein Doppelbett steht, ein kleiner Gaskocher mit einem Topfständer davor, an einem der Eckpfosten Nägel als Kleiderhaken bis unter die Decke, ein Holzstuhl, der festgestampfte Boden ist mit Linoleum ausgelegt. Das Bett nimmt fast die Hälfte des Raumes ein, für mehr „Möbel“ ist kein Platz. Acritia, eine junge Xhosa-Frau lebt hier mit ihrem Mann und einem Kind. Sie hat ihr Shack mustergültig in Ordnung, es ist eines der „besseren“ Sorte. Auch sie hilft im Waisenhaus.

Ob Tuando und Mzikayise , zwei  Jungen im Waisenhaus, jemals erwachsen werden, weiß niemand, beide sind HIV- positiv. Ihre Zukunft hängt von der Entwicklung ihrer Immunkräfte und der medizinischen Betreuung ab, die sie erhalten. Und die ist  – selbst im Waisenhaus – mehr als unsicher. Lindhi, die sich um das Waisenhaus kümmert, fand die beiden ca. drei Jahre alten Jungen in einem der Shebeens, der unsäglichen schmutzigen Billigschnaps-Kneipen, die es in Khayelitsha zu Dutzenden gibt. Hier betäuben die Ärmsten der Armen mit billigem Fusel für ein paar Rand (Währung) ihre Krankheiten und Sorgen. Tuando und Mzikayise waren völlig herunter gekommen, hungrig, unterernährt, schmutzig, krank, ohne Betreuung. Die Eltern sind beide alkoholabhängig,  HIV-positiv und arbeitslos. Die Zwillinge kamen schon HIV-infiziert auf die Welt, sie haben allein keine Chance. Das Waisenhaus nahm die beiden nach Rücksprache mit den Eltern auf, nun geht es ihnen besser. Eine weitere Geschichte: vor etwa einem Monat fanden die Helferinnen auf den Stufen eines Marktes ein ca. vier Wochen altes Mädchen – ausgesetzt, inzwischen heißt sie Lingema. Von der Mutter keine Spur, das Sozialamt versprach Hilfe, blieb aber untätig. Lindhi: „ Lingema steht auf einer Liste, die schon Tausende solcher „Fälle“ enthält, und jeden Tag kommen neue dazu“. Ohne Hilfe gibt es für diese Kinder kein Leben! Z.B. Azle´s Geschichte: Azle G. , sechs Jahre, ist deutlich von seiner Krankheit gezeichnet, Kopf und Gesicht sind voller Entzündungen. Er lebte bis vor zwei Jahren mit seiner Mutter, dann starb diese. Der Vater…? Über ihn ist nichts bekannt. Unterhaltszahlungen ? Azle´s Zukunft ? – Die meisten dieser Kindergeschichten haben kein Happy End. Heute, 2011, sind 28 Kindern zwischen zwei und sechs Jahren in zwei Wohncontainern und einem Sanitärcontainer untergebracht – ein echter Fortschritt gegenüber 2005. Coesfelder Spenden haben es ermöglicht, ein Grundstück zu kaufen, auf dem in Kürze ein Neubau mit größerer Küche, besseren Sanitäranlagen und etwas Spielfläche entstehen soll. Khayelitsha – „ unser neues Heim“ – hoffentlich!

 

Spendenkonto:

Dr. Horst Dichanz, Institut

Konto 100 552 194

Sparda-Bank Münster 400 605 60

Stichwort „Waisenhaus“

Für Interessenten hält Dr. Dichanz (02541 71267) eine Info-Mappe mit umfangreichen Informationen und Bildmaterial bereit.

 

Was ist Ihre Spende wert?

Zehn Südafrikanische Rand (Zar) entsprechen einem Euro
1 Zar0,10€2 Scheiben Weißbrot
5 Zar0,50€3 Äpfel
8 Zar0,80€5 Mangos oder
1 Weissbrot oder
1 ½ l Mineralwasser
15 Zar1,50€500gr Joghurt
50 Zar5,00€Für jedes Weisenhauskind eine Banane (=30 Stk.)
10 Zar1,00€1 Handtuch
20 Zar2,00€1 Zahnbürste mit Zahnpasta
120 Zar12,00€1 Decke
170 Zar17,00€1 Paket Pampers (58 Stk.)

 

 

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