Rüttgers populationsökologische Schulpolitik

Politik hat viel mit Wortschöpfung zu tun. Ökologische Industrieregion ist ein solches Konstrukt. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, hat es für seine Regierungserklärung 2010 erschaffen. Ein herrliches Wortgebilde. Es suggeriert eine schöne saubere Industrielandschaft, die sich harmonisch in das Biotop NRW einfügt. Da sich die Landesregierung vor der anstehenden Wahl sehr „Grün“ zeigen möchte, gebe ich meinen Teil zur Wortschöpfung hinzu:
Populationsökologische Schulpolitik.

Seit Jahren ist der kontinuierliche Schwund der Schülerzahlen durch jährliche Erhebungen des statistischen Landesamtes bekannt. Aus populationsökologischer Sichtweise sinkt damit die intraspezifische Konkurrenz. Die Umweltkapazität K, dass ist die maximale Populationsgröße, die ein Revier ohne negative Auswirkungen verkraften kann, ist von der Legislativen durch den Klassenfrequenzrichtwert festgelegt. Dieser Richtwert ist von Revier zu Revier unterschiedlich. Für die Grund- und Hauptschulen liegt er zur Zeit bei 24 Schüler pro Klasse, für die Sekundarstufe I (5. bis 10 Klasse der Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien) bei 28 und für die Sekundarstufe II bei 19,5. Die Umweltkapazität K duldet höhere Individuen innerhalb bestimmter Grenzen. Eine Population bricht aber zusammen, wenn ein bestimmter Schwellenwert überschritten wird. Zur Zeit soll er bei etwa 30 Schülern liegen. Nun verkündet Herr Rüttgers die Größe einer Klasse auf maximal 25 Schüler zu begrenzen. Betrachten wir den Populationsverlauf, wird sich dieser Wert in den nächsten Jahren durch die rückläufigen Schülerzahlen ohne große Mitwirkung der Politik von selbst einstellen. Ganz nach den Regeln der Populationsökologie braucht also die Landesregierung nur, wie bisher, in der Warteposition verbleiben. Aber man kann es den Bürgerinnen und Bürgern von NRW ja kurz vor der anstehenden Wahl als politischen Erfolg verkaufen.

SchulformKlassenfrequenzrichtwertKlassengröße
Grundschule2418 bis 30
Hauptschule2418 bis 30
Realschule28dreizügig: 26 bis 30
vierzügig: 27 bis 29
Gymnasium (5. bis 10. Klasse)28dreizügig: 26 bis 30
vierzügig: 27 bis 29
Gesamtschulen (5. bis 10. Klasse)28dreizügig: 26 bis 30
vierzügig: 27 bis 29
Gymnasium und Gesamtschule (ab 11. Klasse)19,5Mindestens 11 bis 13 Teilnehmer in einem Grund- oder Leistungskurs
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